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Stadt Peine Überraschender Nachweis der Stederdorfer Burg
Stadt Peine Überraschender Nachweis der Stederdorfer Burg
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08:00 09.09.2018
Der alte Dorfplan Stederdorfs von 1862 zeigt, dass der „Wallhof“ einst zentral am südlichen Ortsrand gelegen hat. Quelle: Thomas Budde
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Stederdorf

Da war selbst der erfahrene Peiner Archäologe überrascht: Bei Ausgrabungen am Jugendzentrum „Deinemein“ am Wallhof anlässlich des Schul-Neubaus entdeckte Thomas Budde einen Nachweis der Stederdorfer Burg. Jetzt liegt die Auswertung seiner Ergebnisse vor.

Der Turm der Herren von Oberg

Am Wallhof wurde der Turm der Herren von Oberg vermutet, den diese 1306 nach einer verlorenen Fehde auf Hildesheimer Seite gegen Herzog Heinrich dem Wunderlichen von Braunschweig-Lüneburg ebenso wie ihren Turm in Oberg selbst als Sühneleistung vernachlässigen mussten.

„Die Burg ist nachgewiesen“

Indizien für die Vermutung waren die Namensbezeichung Wallhof über die alten Kellergewölbe im heutigen Fachwerkgebäudes, das hügelige Gelände um das Wallhof-Gebäude und der späteren Nutzung als Gerichtshaus der Herren von Oberg. Die archäologische Begleitung der Arbeiten für den neuen Schulhof brachte den Erfolg: „Die Burg ist nachgewiesen und zudem durchaus größer, als zu ahnen war“, stellt Budde fest.

Auch im Südosten wurde der verfüllte innere Burggraben in einem Suchschnitt erfasst. Den Profilschnitt vom April 2016 südlich des Wallhofes hinzugenommen ermöglichte dies die Rekonstruktion des Grabenverlaufs und somit des Burggrundrisses an der Süd- bis Ostseite. Quelle: Thomas Budde

Ende 2017 wurde zunächst ein Graben erfasst, der mit dem schon 2016 unter der Straße Am Wehrturm entdeckten Grabenansatz in Beziehung steht. Budde: „Es wurde schlagartig deutlich, dass es sich um einen Umfassungsgraben handeln dürfte, der in etwa fünf Metern Abstand um den Wallhof herum führt.“

Kurz vor Weihnachten 2017 tauchte am Ostrand des Wallhofs der Innengraben der Burg auf. Aus Sicherheitsgründen konnte der Baggerschnitt nicht in einem Stück bis zum Ende des wasserführenden Grabens ausgehoben werden. Quelle: Thomas Budde

Die weitere Freilegung ließ dann erkennen, dass der Graben mit neun Metern Breite durchaus ein ordentliches Maß für einen Burggraben aufweist und sich zudem bei einer Tiefe von 2,30 Metern schnell mit Grundwasser anfüllte. „Ein Wassergraben ist immer deutlich wehrhafter als ein Trockengraben“, erklärt der Archäologe.

Eine große Überraschung stellte der Nachweis des zweiten, äußeren Burggrabens im späteren Schulhofbereich dar. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war auch der inneren Burggraben- im Hintergrund - noch offen. Zwischen beiden ist ein Wall zu rekonstruieren. Quelle: Thomas Budde

Bei den Arbeiten für den Schulhof zeichnete sich in 17 Metern Entfernung vom Wallhof noch ein zweiter, äußerer Burggraben ab, der ebenfalls wasserführend war. Budde: „Zu dem Doppelgraben sind zweifellos zwei Wälle zu rekonstruieren. Dies erklärt auch den Namen Wallhof.“ Den Funden zufolge – darunter ein ganzes Rinderskelett – ist der Graben erst um 1800 zugeschüttet worden. Dies entspricht der Bauzeit des Fachwerkgebäudes.

Nach einer Unterbrechung konnte das Burggrabenprofil im Osten vervollständigt werden. Im Hintergrund das Planum für den künftigen Schulhof. Quelle: Thomas Budde

Aufgrund der Nachweise geriet die Untersuchung des Wallhof-Fundaments umso spannender. Die Erwartung, dass darunter der Stumpf des 1306 abgebrochenen Turmes folgt, erfüllt sich jedoch nicht. Ebenso wie die, dass das massive Kellergewölbe auch das Fundament des Fachwerkgebäudes stützt. Ein Bohrstab drang 1,20 Meter tief in das harte Erdreich vor. Erst dann wurde der feste Widerstand der äußeren Gewölbekappe spürbar.

Spätmittelalterliche Keramikscherben

Die Erdschicht enthielt nun auch das erhoffte Fundmaterial in Form spätmittelalterlicher Keramikscherben, die gut zum Jahr 1306 passen. Im unteren Bereich waren zudem Scherben aus dem 12. Jahrhundert eingelagert. „Diese liefern einen ersten Hinweis auf die Bestehens-, vermutlich auch auf die Erbauungszeit der Burg“, betont Budde.

Weitere baugeschichtliche Erkenntnisse sind durch die noch ausstehende Aufnahme der Gewölbe und alter Mauerzüge im Wallhofkeller zu erwarten. die Grabungsergebnisse im Außenbereich legen nahe, dass diese tatsächlich mittelalterlich sein dürften. Doch ist dies noch zu überprüfen. Quelle: Thomas Budde

Der Archäologe weiter: „Die Überdeckung des Kellergewölbes durch die spätmittelalterliche Erdschicht legt nahe, dass das Gewölbe tatsächlich mittelalterlich ist und einen letzten noch sichtbaren Überrest des Steinturmes der Herren von Oberg darstellt.“ In 1,60 Meter Tiefe unter der Fachwerkschwelle zeichnete sich schließlich auch die Ausbruchgrube der Turmmauer von 1306 ab.

Unter dem westlichen Fundament des Fachwerkgebäudes (um 1800) konnten aus einer bewusst kompaktierten Erdschicht Funde aus dem 12. bis 13./14. Jahrhundert, welche die Burg datieren. Quelle: Thomas Budde

Das Kellermauerwerk soll noch baugeschichtlich untersucht werden, weil es konkrete Hinweise auf den Turm liefern könnte. „Wir können aber schon jetzt festhalten, dass es sich bei der Stederdorfer Burg um eine Turmburg mit doppeltem Wallgraben gehandelt haben muss“, bilanziert Budde und ergänzt: „Die Grabenprofile passen recht gut zu einer sogenannten Motte, einer Turmhügelburg. Die war ein im 12. Jahrhundert durchaus weit verbreiteter Burgentyp.“

Von Alex Leppert

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