Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Trommelboes rufen die fünfte Jahreszeit aus

Peiner Freischießen Trommelboes rufen die fünfte Jahreszeit aus

Die Vorfreude ist groß. Nur noch wenige Tage, dann beginnt endlich das Peiner Freischießen. Deswegen hat es jetzt eine ganz besondere Stadtführung zum Thema „Kattenhägener Ausmarsch“ gegeben.

Voriger Artikel
Sieg: Peiner tröten sich in Ekstase
Nächster Artikel
„Hunde scharf machen“ ist nicht gefragt

Die Trommelboes Uwe Kruppa und Mike Vogel sowie der Freischießen-Herold Kai Schild empfangen die Stadtführungs-Teilnehmer.

Quelle: Ralf Büchler

Peine . Gespannt warten 15 Freischießen-Freunde am Sonnabend vor dem Rathaus, um von den beiden Stadtführerinnen Marianne Dietrich und Sieglinde Hanne mehr über das Freischießen zu erfahren. Beide haben sich stilecht eine Bürger-Jäger- und eine Vater-Jahn-Krawatte umgebunden. Mit viel Witz und einem Augenzwinkern erklären sie wichtige Punkte der Freischießen-Geschichte, die vielen unbekannt sind – sogar gebürtigen Fuhsestädtern.

Hanne sagt: „Das Schießen wurde vor Jahrhunderten ins Leben gerufen, damit die Männer kräftig üben konnten. Peine hatte damals eine große Burg, die verteidigt werden musste.“ Deswegen war die Teilnahme am Schießen Pflicht – zuerst mit Pfeil und Bogen, später mit dem Gewehr.

Damals wurde der Schützenkönig als Belohnung ein Jahr lang von Steuern und Abgaben befreit – er hatte sich freigeschossen. „Heute muss er sich mit der Ehre begnügen und noch Geld zuzahlen“, sagt Hanne mit einem Schmunzeln. Der Begriff Peiner Freischießen taucht erstmals 1685 auf.

Schützenplatz

Dietrich geht danach am Schützenplatz auf die Schützengilde ein, „die laut Urkunde schon 1597 existierte, wahrscheinlich aber noch viel älter ist“. Alle vorherigen Urkunden sind verbrannt. Seit 1836 hat die Schützengilde am Freischießen in einem eigenen Zelt teilgenommen, und 1876 wurde erstmals im Gildesaal gefeiert. 1902 erweiterte man den Gildesaal, riss ihn 1957 für den Bau des neuen Rathauses ab, um ihn danach wieder neu aufzubauen.

Ebenso auf dem Schützenplatz befindet sich das Zelt des Corps der Bürgersöhne. Es wurde 1814 gegründet und besteht aus Junggesellen, die das 16. Lebensjahr vollendet haben. Wer heiratet, wechselt zu den „Passiven“. „Der sogenannte Schafstall wurde 1850 gebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg renoviert“, weiß die Expertin.

Als Drittes stellen sie das Bürger-Jäger-Corps vor, das 1871 gegründet wurde und seinen Sitz an der Beethovenstraße hat. „Das 1875 erbaute Vereinsheim steht in zentraler Lage gegenüber dem Bahnhof. Das Außergewöhnliche: Während der Bauzeit der neuen St. Jakobi-Kirche diente das Bürger-Jäger-Heim von 1885 bis 1898 als Gotteshaus. Deswegen ist die Verbindung zur Kirche immer noch sehr eng“, erklärt Hanne.

Goethestraße

Nach diesen Ausführungen geht es weiter auf den Spuren des „Kattenhägener Ausmarsches“, der immer Freischießen-Montag stattfindet, vom Rathaus zu Fuß in Richtung Goethestraße. Dort befand sich ursprünglich der Sitz des 1863 gegründeten „Arbeiter-Bildungs-Vereins“ für Handwerksgesellen. „Heute hat dort die SPD ihr Büro, doch oben im Giebel sieht man noch das Bildungs-Symbol, den Bienenkorb“, sagt Dietrich.

1936 wurde der „Arbeiter-Bildungs-Verein“ von den Nazis verboten und erst 1946 unter dem Namen TSV „Bildung“ wieder ins Leben gerufen.

Hagenmarkt

Danach führt die Stadtführung über die Kantstraße in die Sedanstraße, wo an der Kreuzung zum Hagenmarkt der nächste Stopp eingelegt wurde. Hier gehen die beiden Stadtführerinnen auf die Korporationen ein, die dort jetzt ihre Zelte aufbauen.
Hanne erklärt: „Zuerst einmal sind dies die Walzwerker, die seit 1878 existieren. Es waren Mitarbeiter des Stahlwerks, die damals in anderen Korporationen nicht aufgenommen wurden. Deswegen haben sie kurzerhand eine eigene Korporation gegründet.“

Über den MTV Vater Jahn weiß Marianne Dietrich bestens Bescheid, denn sie gehört selbst dem Verein an. „Er wurde 1862 gegründet und ist der älteste Turnverein im Kreis Peine mit den meisten Mitgliedern“, betont die Peine-Expertin. Gefeiert haben die Jahner das Freischießen anfangs im Belvedere – den heutigen Peiner Festsälen.

Ab 1893 folgte der Wechsel zum Hagenmarkt und zur Marktstraße. Seit 2001 befindet sich das Zelt zur Freischießen auf dem Hagenmarkt. „Wer dort noch nie gefeiert hat, der kennt Freischießen nicht richtig“, ist sich Dietrich sicher.

Dazu kommt das „Neues Bürger-Corps“, das 1891 gegründet wurde. Es ist zwar nach eigener Aussage „die jüngste und kleinste Freischießen-Korporation, aber Tradition, Kameradschaft, der Schießsport werden groß geschrieben“.

Rosenhagen

Die Führung geht weiter zum Kattenhagen, Katzenhagen – dem jetzigen Rosenhagen. Jetzt ist Hanne wieder dran. Sie sagt: „Der Begriff Katte steht nicht alleine für Katze, sondern für Sturmkatze. Das war eine mittelalterliche Wurfmaschine, um Feinde abzuwehren.“ Und Hagen stehe für Hecke, also einem Sichtschutz. Der Kattenhagen sei also ein Aufbewahrungsplatz für Geschütze gewesen. Später sei daraus der Rosenhagen geworden

.
Und beim Einbiegen in den Rosenhagen werde beim „Kattenhägener Ausmarsch“ immer von den Musikkapellen der Pariser Einzugsmarsch gespielt. „Warum?“, fragt ein Führungs-Teilnehmer. Die Expertin weiß Antwort: „Das geschieht im Gedenken an die Familie Rademann, die dort lebte und sich sehr für das Freischießen eingesetzt hat.

1871 haben fünf Rademänner im deutsch-französischen Krieg teilgenommen und sind glücklicherweise heil zurückgekehrt.“ Deswegen würden auch dort die Fahnen zum Gruß gesenkt – als Ehrenbekundung.

Amthof / Marktplatz

Zum Abschluss führt der Weg zum Amthof, wo der Landrat die Korporierten begrüßt und auf den historischen Marktplatz, wo die 15 Teilnehmer dieser besonderen Stadtführung von den Trommelboes (siehe Hintergrund) empfangen werden. Sie bedanken sich für die tolle, informative Führung und fiebern jetzt erst recht dem großen Ereignis entgegen: dem Freischießen.

tk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Peine

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr