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Scharfe Sexbombe und „arme Socke“

Peiner Festsäle Scharfe Sexbombe und „arme Socke“

Mit einer großen Schleife Dauerapplaus garniert endete das Boulevard-Stück „Kein Sex, kein Mord, aber eine Leiche“ am späten Freitagabend in den Peiner Festsälen. Im Mittelpunkt stand ein Antiheld unter verbal-ehelichem Dauerbeschuss.

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Boulevardeskes Tohuwabohu im Rundumsorglospaket in den Peiner Festsälen.

Quelle: Christian Bierwagen

Peine. Die Midlife-Crisis sei die zweite Pubertät, sagt man. Und Bernie Anderson (Heinz Drenker) hat sie besonders hart erwischt. Nicht nur sein Ausstieg aus der Mühle des bürgerlichen Berufs in den kreativen Künstleralltag ist gründlich missraten, auch Britta Kohlhaas als erfolgreiche Medizinerin und Familienversorgerin Nicole reicht es: Der zu bedauernde Antiheld steht unter verbal-ehelichem Dauerbeschuss, der in eine komödiantische Materialschlacht mündet.

Eine Spezialität für Höckmanns Komödiantentruppe unter Regisseur Olaf Böhnert, die 640 Freunde des Boulevard-Theaters in die Festsäle lockten – obwohl es angeblich weder um Sex noch Mord wohl aber um eine – angebliche – Leiche ging.
Zu einer solchen wurde nämlich ein bis dahin feuriger Liebhaber während eines horizontalen Abenteuers in Bernies Obstgarten – ausgerechnet mit dessen Ex-Flamme Angie (Mareike Gottschalk).

Ihren Verführungskünsten hatte er anlässlich eines Kriminalautoren-Seminars nicht widerstanden und geht nun vor ihrer kriminellen Energie in die Knie: Entweder Hilfe bei der illegalen Leichenentsorgung oder ein Gespräch unter Frauen mit Bernies Gattin.

Die wiederum hat des Künstlers Schreibstube okkupiert, um dort vorübergehend ihre Arztpraxis einzurichten. Durch diesen Raum muss nun aber zwingend der Verstorbene transportiert werden – obwohl dort auch Doris Otto als leicht verwirrte Tante Dot, der smarte Assistenz-Arzt Sebastian (Olaf Böhnert) und Bernies Tochter Polly (Beatrice Kaps-Zurmahr) herumwuseln.

Ein Tohuwabohu reinster Boulevard-Klamotte mit einer zunächst zwar übersichtlichen, aber nach der Pause reichlichen, wenn auch gelegentlich etwas flachen Pointendichte.

Drenker ist als von einer Zwickmühle in die nächste taumelnde arme Socke in seinem Element. In Höchstform präsentiert sich die Gottschalk als scharf geladene Sexbombe in laszivem Fummel und erpresserischem Überzeugungstalent. Mal Rotz und Wasser heulend, mal mit frivolem Hüftschwung kämpft sie sich ihren Weg frei.

In der schwierigsten Rolle balanciert durchaus erfolgreich Doris Otto als der geistigen Höchstform inzwischen entrückte Tante: mit liebevoll leiser Verzweiflung und hintergründiger Heiterkeit. Von ein paar Längen abgesehen ein Rundumsorglospaket mit einem an den Haaren herbeigezogenen Happy End – mit einer großen Schleife Dauerapplaus geschmückt.

Ulrich Jaschek

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