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Prostituiertenmord: Zeuge beschuldigt 29-Jährigen

Landgericht Hildesheim Prostituiertenmord: Zeuge beschuldigt 29-Jährigen

"Das war so abartig" - Nach einem Prostituiertenmord sitzt ein Mann als Tatverdächtiger sechs Monate in U-Haft. Immer wieder beteuert er seine Unschuld. Dann taucht ein Zeuge auf, der die Bluttat beobachtet hat. Der belastet einen ganz anderen Mann. 

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Ein Mann wartet nachts auf einem Parkplatz im Auto auf seinen Kumpel. Der ist bei einer Prostituierten in einem Wohnmobil. Als das "Lovemobil" merkwürdig stark wackelt, kommt dem Mann ein böser Verdacht. Er öffnet die Tür des Wohnwagens und sieht seinen Freund: "Er stand mit dem Fuß auf der Kehle der Frau", sagt der Mann vor Gericht aus. "Das war so abartig. Das jemand sowas überhaupt machen kann." Die 40 Jahre alte Prostituierte ist tot, sie wurde am 4. November 2016 an einer Bundesstraße zwischen Hildesheim und Pe ine erwürgt. Zunächst verhaften die Fahnder einen 45 Jahre alten Ingenieur als Tatverdächtigen. Er hatte die Dienste der Frau in Anspruch genommen und dann kurz danach beim Tanken seine Geldbörse vermisst. Er kehrt zum Parkplatz zurück. Dort trifft er auf die beiden Männer. Die Ermittler dagegen sind sicher, dass es dort wegen des verschwundenen Portemonnaies zum Streit mit der Prostituierten kommt und der Ingenieur sie tötet. Sie sehen Widersprüche in der Aussage des Mannes. Die beiden anderen Männer halten sie für erfunden. Das sind sie aber nicht. Einer von ihnen ist der Zeuge im Gericht. Er berichtet von dem nächtlichen Treffen auf dem Parkplatz und erkennt den Angeklagten wieder. Er habe sich mit ihm sogar unterhalten. Warum er denn nicht gleich nach der Bluttat zur Polizei gegangen ist, will der Vorsitzende Richter Peter Peschka wissen. "Ich habe Angst gehabt", sagt der 41-Jährige. "Denk an Deine Familie", habe sein Bekannter ihm deutlich gesagt.  Aus den Medien erfährt der Zeuge, dass ein Verdächtiger in Haft sitzt. "Ich habe viel gearbeitet und alles verdrängt - aber irgendwann kam es wieder hoch", schildert er vor Gericht. "Ein Unschuldiger muss nicht ins Gefängnis gehen". Er beauftragt einen Freund, einen anonymen Hinweis an die Ermittler zu schicken. Dieser geht nach Prozessbeginn bei den Behörden ein. Der 29-Jährige, den er beschuldigt, bestreitet, die Frau umgebracht zu haben. "Zu dem Tatvorwurf kann ich nichts sagen, das war ich nicht, da habe ich nichts mit zu tun", erklärt er vor Gericht. Einem Gutachten zufolge wurde seine DNA unter den Fingernägeln der getöteten Prostituierten gefunden. "Das kann nicht sein, das kann ich mir nicht erklären", sagt der 29-Jährige. Er wirft seinem Kumpel vor, zu lügen. Und der wirft dem 29-Jährigen auch noch vor, dass der Mord an einer weiteren Prostituierten aus Wolfsburg ebenfalls auf sein Konto geht. "Beim zweiten Mal ging es leichter", habe sein Kumpel ihm erzählt. Der bislang angeklagte Ingenieur sitzt ruhig auf der Anklagebank, verfolgt die Aussagen der Zeugen konzentriert, macht sich Notizen, spricht mit seinem Verteidiger. Wird er freigesprochen, gibt es einen neuen Prozess gegen den 29-Jährigen. 

dpa/lni

von Martina Steffen

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