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Prostituiertenmord: Angeklagter bestreitet die Tat

Hofschwicheldt Prostituiertenmord: Angeklagter bestreitet die Tat

Zum zweiten Mal wird vor dem Hildesheimer Landgericht ein Prozess wegen des Mordes an der Prostituierten Erika P. in Hofschwicheldt geführt. Der erste Prozess gegen einen 45 Jahre alten Ingenieur endete im Juli wie berichtet mit einem Freispruch: Überraschend hatte sich ein Zeuge gemeldet und einen neuen Verdächtigen ins Spiel gebracht. Der bestreitet die Tat.

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Prostituiertenmord-Prozess im Landgericht Hildesheim: Der Angeklagte versteckte sein Gesicht hinter einem Schreibblock.

Quelle: Wiebke Barth

Der erste Prozess gegen einen 45 Jahre alten Ingenieur endete im Juli wie berichtet mit einem Freispruch: Überraschend hatte sich ein Zeuge gemeldet und einen neuen Verdächtigen ins Spiel gebracht. Aufgrund der Aussagen dieses 41-jährigen Hinweisgebers und der folgenden Ermittlungen sitzt jetzt ein 30-Jähriger aus Salzgitter auf der Anklagebank.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe die Frau berauben wollen. Als sie ihr Geld nicht herausgab, habe der große, stämmige Mann sie zu Boden geworfen, sich auf Brust und Kehlkopf gestellt und sie so getötet. Die 40-jährige aus Ungarn stammende Prostituierte wurde am 4. November 2016 auf einem Parkplatz an der Bundesstraße 494 bei Hofschwicheldt umgebracht. Der Fahrer, der sie am Abend abholen wollte, fand sie tot in dem Wohnwagen (Lovemobil), den sie für ihre Arbeit gemietet hatte. Erika P. sei in ihrem Beruf erfolgreich gewesen und habe gut verdient, erklärte der Fahrer noch: „Sie war ein liebes, ruhiges Mädchen.“

Als Zeuge vor Gericht im ersten Prozess hatte der jetzt Angeklagte erklärt, er sei zwar Monate zuvor auf dem Parkplatz gewesen, um mit seinem Bekannten – dem Hinweisgeber – einen vermüllten Wohnwagen leerzuräumen. Am Tattag aber sei er nicht in der Nähe gewesen.

Zum Prozessauftakt erzählte er jetzt eine andere Geschichte und drehte den Spieß um: Der Bekannte - ehemals ein Freund und Mitbewohner - der ihn beschuldigt hatte, wurde zum bestimmenden Akteur des 4. November. Auf dessen Wunsch seien sie in den Landkreis Peine gefahren und hätten unterwegs auf dem fraglichen Parkplatz gehalten.

Sein Bekannter habe sich zuerst mit der Frau unterhalten, ihm dann gewunken, sagte der Angeklagte. Als er herankam, habe die Prostituierte ihn „begrapscht“. Er habe sie weggestoßen – wohl zu fest: „Sie hat sich an mir festgehalten.“ Dabei habe er Kratzer am Arm davongetragen. Die beiden Männer hätten die Frau aber gesund und lebendig am Wohnwagen zurückgelassen.

Darauf seien sie zu einem ihm unbekannten Ort gefahren, zu dem wiederum der Bekannte ihn lenkte. Der habe ihn dann unter lauter Fremden auf einer Party allein gelassen und sei selbst eineinhalb Stunden verschwunden gewesen. Er habe das Auto genommen, in dem das Handy des Angeklagten lag. Wo er war, habe er anschließend nicht erklärt.

Von der Begegnung auf dem Parkplatz erzählte der Angeklagte erst auf Nachfrage, als er seine Schilderung im Ablauf schon beendet hatte. Warum er diese wesentliche Episode nicht eher erwähnt hatte, konnte er nicht erklären. Er habe im ersten Prozess eine Falschaussage gemacht, hielt ihm der Vorsitzende Richter Peter Peschka vor. Er wolle mit dieser Aussage lediglich erklären, wie seine DNA-Spuren unter die Fingernägel des Opfers geraten seien, meinte Staatsanwalt Wolfgang Scholz: „Die Geschichte glaube ich Ihnen nicht.“ Der Angeklagte widersprach: „Sie denken, ich habe mir jetzt mal schnell eine Story aus den Fingern gesogen? Nee!“ Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.

von Wiebke Barth

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