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Pilchers Muschelsucher in Peine

Theater Pilchers Muschelsucher in Peine

Peine . Rosamunde Pilcher, mit einer Gesamtauflage von mehr als 80 Millionen gedruckten Exemplaren ihrer Romane über moderne Irrungen und Wirrungen der Liebe und Triebe Alleinherrscherin auf diesem Markt, hat es nun auch auf die Theaterbühne geschafft. Ihren literarischen Erstling „Die Muschelsucher“ präsentierte das Altonaer Theater in den Festsälen.

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Pilchers literarischer Erstling kam am Freitag auf die Bühne der Peiner Festsäle - eine Paraderolle für Doris Kunstmann (r.).

Es ist ein lind-melancholischer Stoff, den Pilcher um eine kranke Mutter webt, die auf Wunsch ihrer geldgierigen Kinder die wertvollen Bilder ihres Vaters verkaufen und ihnen den Erlös auszahlen soll, kunstvoll umhäkelt von Rückblenden in unerfüllte Lieben und frisch gestiftete Zuneigungen. So oder ähnlich sollen übrigens Gier und Erbstreite sogar außerhalb der Pilcherwelt vorkommen.

Das Bewährte an Pilchers Erzählweise ist, dass man weiß, woran man ist: Weiß ist immer weiß, schwarz immer schwarz, gut immer gut, und böse - und so weiter. Entsprechend kostümiert sind die Darsteller.

Allein das Bühnenbild präsentiert sich rosig-altenglisch, durch eine große Lücke lässt sich der ewig weiß-blaue Himmel über Cornwall erahnen. Mittendrin thront Doris Kunstmann als herzkranke Mutter Penelope. Zwei ihrer unerträglichen Blagen fürchten, sie bald als „senil und mittellos am Hals zu haben“, nur die Vorzeigetochter erfüllt die geheimen Sehnsüchte des Publikums nach Verlässlichkeit und Zuneigung.

Das Blatt wendet sich, als das verborgene Vermögen offenbar wird und man Mutters Lebenswillen als unangemessene Schmälerung des Erbes empfindet. Paraderolle für die Kunstmann: Mit rhetorischer Brillanz und der gefühlten Lebenserfahrung von mindestens 75 Philosophie-Semestern widersteht sie der widerlichen Penetranz. Pilchers Plot rührt den Beschützer-Instinkt. Das garantiert Spannung und neutrale Aufmerksamkeit, wobei offen bleibt, warum nur der hintere Bühnenteil bespielt wird.

Schwärmerische Dramatik: Mutters romantischer Bühnentod umrahmt von träumerischer Vision im Halbdunkel, Testamentseröffnung mit „Ätsch-Effekt“ und ein stiller Ausklang. So sagt es die Autorin: „Nennen Sie es Kitsch. Ich glaube, dass ich einen guten Stil habe.“

uj

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