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Peine: Budde entdeckt Reste einer Stadtmauer

Peine Peine: Budde entdeckt Reste einer Stadtmauer

Einen überraschenden Fund hat der Peiner Achäologe Thomas Budde an der Bodenstedtstraße gemacht. Er entdeckte Reste einer frühneuzeitlichen Stadtmauer. Ungewöhnlich: Zu dieser Zeit waren Stadtmauer als Befestigung überholt, es wurden zumindest keine mehr gebaut.

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Entdeckung im Erdreich: Thomas Budde weist auf einen Fund im Boden unter der Bodenstedtstraße hin. – Historische Stadtansicht Peines mit dem Pulverturm (rechts).

Quelle: pif/2

Peine. Im Sommer 2011 forschte Budde in der Erde unter der Bodenstedtstraße, als dort die Peiner Stadtwerke neue Leitungen verlegten. Jetzt hat er die Ergebnisse ausgewertet. Er war auf Reste einer Mauer gestoßen, die auf den verfüllten Graben der mittelalterlichen Befestigung gesetzt war. Wehrtechnisch war die Mauer in der frühen Neuzeit (Beginn um 1500) nicht mehr sinnvoll, zudem war sie mit rund 90 Zentimetern Stärke im Verhältnis sehr schmal.

„Bisher ist eine Stadtmauer um Peine nur an der Wallstraße am alten Stegen-Speicher nachgewiesen worden“, sagte Budde. Dieser Teil sei aber eindeutig im Mittelalter gebaut worden. Der Archäologe geht davon aus, dass der nun entdeckte Mauerteil dennoch mit der Stadtbefestigung in Zusammenhang steht.

Ungewöhnlich ist zum Beispiel auch, dass sich rund um die Bodenstedtstraße der Stadtwall aus dem Mittelalter nicht mehr nachweisen lässt. Einige Meter weiter, auf dem Grundstück der heutigen Altenwohnungen, hatte Budde 2004 noch eindeutige Reste des Walls gefunden. Den Grabenverlauf von der Echternstraße bis zur Bodenstedtstraße konnte er hingegen auf 75 Meter rekonstruieren.

In der Nähe der Kreuzung Bodenstedtstraße, Querstraße und Echternstraße stieß Budde auf Pfahlgründungen, die 1986 bereits der Historiker Jens Koch nachgewiesen hatte. „Diese dürften im Zusammenhang mit der Stadtbefestigung stehen“, sagte der Archäologe.

Der ehemalige städtische Bodendenkmalpfleger Jens Koch hatte seinerzeit auch Gebäudefundamente nachgewiesen. Budde sagte: „Die Bodenstedtstraße dürfte erst bei der Erschließung des Hagenviertels im 19. Jahrhundert geöffnet worden sein.“

pif

Thomas Buddes Deutung des Pulverturms

Neue Erkenntnisse hat der Peiner Archäologe Thomas Budde auch zum Pulverturm an der Straße Pulverturmwall gewonnen. 2000 hatte der Braunschweiger Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde Fundamente des Turms entdeckt. Sie sind heute im Straßenpflaster markiert.

Buddes Grabung an der Bodenstedtstraße hat gezeigt, dass der Turm nur schwer der mittelalterlichen Befestigung zugeordnet werden kann. „Dann müsste der Turm mitten im Stadtgraben gelegen haben“, sagte Budde. Eine solche sogenannte Insellage vor der eigentlichen Stadtbefestigung wäre immerhin ungewöhnlich.

Der Archäologe vermutet, dass es sich um ein frühneuzeitliches Bauwerk handelt, das um 1660 mit der damals errichteten neuen Stadtbefestigung entstanden ist – oder sogar davor. „Vielleicht wurde die Stadtbefestigung an dieser Stelle zwischen dem Mittelalter und der frühen Neuzeit neu ausgebaut“, sagte Budde. Der Turm ist auf Stadtplänen aus den Jahren 1671 und 1740 zu sehen. Auf der bekannten Peiner Stadtansicht von 1675 ist er allerdings ein wenig zu weit nach Süden gerutscht. Das könne aber auch ein Fehler im „Grenzabriss des Amtes Meinersen“ sein.

Gegen die These spricht, dass der Turm typische mittelalterliche Rundungen aufwies. „Da die Geschütze eine größere Zerstörungskraft besaßen, wurden Türme nicht mehr auf diese Weise gebaut“, sagte Budde. Gelöst werden könne das Rätsel um das wahre Alter des Pulverturms aber erst, wenn Grabungen auf dem Grundstück der Bodenstedtstraße 6 möglich sind, auf dem Budde weitere Reste des Turmfundamentes  vermutet. Dort hofft er auf weitere Entdeckungen.

pif

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