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Patienten-Ansturm in Peiner Praxen

Schweinegrippe Patienten-Ansturm in Peiner Praxen

Nahezu pausenlos klingelt in der Arzt-Praxis von Dr. Klaus Radtke in Telgte das Telefon. Gestern sind dort 100 Impfdosen gegen die Schweinegrippe eingetroffen. Doch auch die Zahl der grippalen Infekte ist in diesem Herbst so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr, die Mediziner haben bald ihre Grenzen erreicht.

Kreis Peine . „Die Menschen sollten sich unbedingt impfen lassen – aber nicht alle gleichzeitig“, sagt der Allgemeinmediziner Dr. Klaus Radtke aus Telgte. Seine Gemeinschafts-Praxis erlebt in diesen Tagen einen ungewohnten Ansturm. „Ich bin seit mehr als 20 Jahren Arzt und habe so etwas noch nicht erlebt“, sagt er in einem Gespräch mit der PAZ.

Dr. Radtke hat von Anfang an gegen die Schweinegrippe geimpft, inzwischen hat er 300 Patienten versorgt. Doch stündlich kommen in seiner Praxis zehn bis zwölf neue Anfragen an. „Es besteht kein Grund zur Panik“, sagt Dr. Radtke. Der Verlauf der Schweinegrippe sei zurzeit harmlos, niemand müsse um sein Leben fürchten, wenn er nicht sofort geimpft wird.

Zudem geht er fest davon aus, dass der Engpass beim Impfstoff in den kommenden Wochen behoben sein wird. Zurzeit ist er aber knapp. „Da werden die Mitarbeiter am Empfang schon manchmal bedrängt, beschimpft und sogar beleidigt“, beschreibt Radtke die Situation der vergangenen Tage. Gestern Vormittag war es einmal ruhiger. Da konnten auch die Mitarbeiter ein wenig aufatmen und Luft holen.

Dr. Ulf Schatz aus der Gemeinschafts-Praxis ist selbst an der Schweinegrippe erkrankt gewesen. „Da ist man tatsächlich für ein paar Tage aus dem Leben gerissen“, sagt er. Doch derzeit haben viele Patienten Bedenken, sie hätten die Schweinegrippe, obwohl sie an einer harmlosen Erkältung leiden. „Die Schweinegrippe beginnt mit hohem Fieber, wer nur leicht erhöhte Temperatur bei sich feststellt, hat wahrscheinlich keine Schweinegrippe“, beruhigt er.

Die Experten vom Robert-Koch-Institut gehen davon aus, dass sich der Verlauf der Schweinegrippe während des Winters verändert und es auch deutlich schwerere Fälle gibt. „Doch bis dahin ist noch Zeit, und bis dahin werden wir alle geimpft haben“, schätzt Dr. Radtke. Dr. Schatz ergänzt: „Auch wenn es schon die ersten Todesfälle in Deutschland gegeben hat, ist das für die Betroffenen sicher sehr tragisch. Aber wir müssen Bedenken, dass die saisonale Grippe jedes Jahr mehrere Tausend Tote im Jahr fordert – allein in Deutschland.“

Die Patienten, die bisher in der Praxis in Telgte geimpft worden sind, haben die Spritze gut vertragen. „Es gab die bei Impfungen üblichen Reaktionen, wie eine Rötung der Haut oder ein leichtes Gefühl von Mattigkeit, das am nächsten Tag aber wieder verschwunden war“, sagt Dr. Radtke.

pif

Fakten

Schweinegrippe

Die Zahl der an der Schweinegrippe Erkrankten ist in den vergangenen Tagen auf 165 Patienten gestiegen, sagte Landkreis-Sprecher Henrik Kühn auf Anfrage der PAZ. Die Zahlen werden seit dem ersten Fall in den Sommerferien erhoben.

Bei 522 getesteten Personen war das Ergebnis „negativ“ und damit erfreulich, weil sie nicht an der neuen Grippe erkrankt waren. Bei 76 Patienten stehen die Ergebnisse des Schweinegrippe-Tests noch aus. Insgesamt gibt es beim Gesundheitsamt Peine 128 Verdachtsfälle, bei denen kein Abstrich genommen worden ist.

Im Klinikum Peine sind seit Beginn der zweiten Krankheitswelle fünf Patienten behandelt worden, bei denen der Verlauf schwerwiegender gewesen ist. Sie mussten stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. Arturo Junge, Verwaltungsdirektor des Klinikums, sagte der PAZ: „Die Patienten waren aber nicht so schwer erkrankt, dass sie eine Intensiv-Behandlung benötigt haben.“

pif

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