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Stadt Peine NS-Überlebender erzählt vom Doppelleben unter Hitler
Stadt Peine NS-Überlebender erzählt vom Doppelleben unter Hitler
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16:33 22.09.2018
Sally Perel in Peine. Quelle: Birthe Kußroll-Ihle
Peine

Sie sind selten, aber es gibt sie: diese Begegnungen, bei denen sich plötzlich Intensität einstellt. Kein Gastgeber kann das erzwingen, das kommt gleichsam aus heiterem Himmel, und es ist ein unverhofftes Geschenk. Ist man wieder daheim, ist man berührt und nimmt Gedanken mit, die nachschwingen, vielleicht sogar das eigene Leben in eine neue Richtung tragen. Einen solchen Abend erlebten die vielen Zuhörer, die Salomon „Sally“ Perel mit Vortrag und Lesung in der voll besetzten Aula der Burgschule in seinen Bann schlug.

Sally Perel (2. v. re.) mit den Gastgebern Carsten Baumgarten (Präsident Round Table), Gordon Firl (Vorsitzender Industrie- und Wirtschaftsverein) und Jan-Philipp Schönaich (v. li.), die Grußworte parat hatten. Quelle: Birthe Kußrolle-Ihle

Er las aus seinem Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon

Auf Einladung des Industrie- und Wirtschaftsvereins, der Burgschule, des Round Table und der Peiner Allgemeinen Zeitung kam Perel, der um als Jude zu überleben ein Doppelleben als Hitlerjunge Jupp Perjell führte, in seine Geburtsstadt. Er las aus seinem Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon, beantwortete Fragen, bekam stehenden Applaus, das Lachen des Publikums und zuweilen dessen Tränen der Ergriffenheit.

Stehender Applaus für Sally Perel. Quelle: Birthe Kußroll-Ihle

Auschwitz war der „Selbstmord der deutschen Kultur“

Der Gedanke des Friedens und der Versöhnung – gerecht und dauerhaft - liegen Perel nach eigenen Worten am Herzen. Deshalb versteht er sich als Geschichtslehrer. Auschwitz sei der „Selbstmord der deutschen Kultur“ gewesen. Er selbst habe nie an Selbstmord gedacht, sich immer neuen Mut gegeben.

„Du sollst leben“, befahl ihm seine Mutter beim Abschied

Die Jugend in Deutschland liebt ihn: „Ich bekomme viele E-Mails und Freundschaftsangebote bei Facebook.“ Kinder hätten die wunderbare Eigenschaft, Schutzstrategien zu entwickeln – so habe er alles verdrängt. Kinder wollen spielen – vergeblich habe er in Peine Löcher im Trattoir gesucht, wo seine Murmeln rollten.

Wahrhaft magische Momente sind es, wenn man durch seine Worte – „Du sollst leben“, befahl ihm seine Mutter beim Abschied – die Kraft spürt, die sie ihm zum Überleben gaben und die er mit 93 Jahren den Menschen nahebringt, die ihm zuhören. In Peine schließe sich sein Schicksalsring. Er wurde vertrieben, sei heute geladener Gast. Fast 90 Minuten spricht Perel frei zum Publikum, blättert die Seiten seines Manuskripts nur um, weil sie vor ihm liegen.

Viele Zuhörer ließen sich ihr Buch signieren. Quelle: Birthe Kußroll-Ihle

Konzentriert, charismatisch, eindringlich und erfrischend jungenhaft ist er präsent. Wer sich sein Buch oder die DVD signieren lässt, taucht eine Weile mit ihm ein in ein persönliches Gespräch. Seine Worte erlauben uns, einmal in uns hineinzuhorchen und uns zu befragen, ob wir auch Brücken zum Nächsten bauen.

Von Birthe Kußroll-Ihle

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