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Stadt Peine Musikalischer Jahreswechsel mit dem Johann-Strauß-Orchester
Stadt Peine Musikalischer Jahreswechsel mit dem Johann-Strauß-Orchester
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22:00 01.01.2018
Das Budapester Johann-Strauß-Orchester gab ein Silvesterkonzert in den Peiner Festsälen. Quelle: Ulrich Jaschek
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Peine

Die letzten Stunden des Jahres können einem leid tun: Sie werden verjagt, verdrängt, zum Schluss sogar ausgezählt, wenn sie nicht zuvor mancher gar totgeschlagen hat. Das Publikum in den Festsälen hatte sich indessen vorgenommen, den überschaubaren Zeitraum des Silvesterkonzertes des Budapester Johann-Strauß-Orchesters zu genießen.

Denn nicht nur in Wien, sondern auch in unserer Stadt lassen sich Musikfreunde gerne von der Magie der Operetten- und Walzerkomponisten betören – von diesem selig machenden Humptata, das die Beine wie von selbst zucken und den Geist beseelt taumeln lässt. Und so freuten sich die Liebhaber dieses Genres auf das vom Kulturring angekündigte „musikalische Feuerwerk“, hat doch gerade dieser Besuch aus Budapest sich durch seine vielen Konzertauftritte in den Vorjahren in Peine viele Liebhaber geschaffen.

Umso überraschter war man im Parkett sowohl über das Fehlen einer schriftlichen Programmabfolge als auch über die eiserne Schweigsamkeit von Eckart Manke, der als Gastdirigent der Budapester dem Publikum nicht nur stets den Rücken zuwandte, sondern sich offenbar auch auf dessen musikalisches Expertentum über die unbeirrt abgespielten Titel verlies, und darüber hinaus weder die Sopranistin (übrigens seine Ehefrau), noch den Tenor des Abends namentlich vorstellte.

Und so wurde in der Pause in manchen Grüppchen heiß diskutiert: manche schworen, die Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“ erkannt zu haben, andere beharrten darauf, die Tritsch-Tratsch-Polka gehört zu haben und wieder andere machten ihrem tiefen Unmut über die fehlende Moderation bei den Mitarbeitern des Kulturringes Luft.

Von jenen ließ sich Manke offenbar dazu bewegen, im zweiten Teil wenigstens in dürren Worten zu offenbaren, dass noch die Ouvertüre zum „Opernball“ geplant sei, der „Champagner-Galopp“ oder auch der „Donauwalzer“

Mit anderen Worten: Das Publikum hörte am Silvesterabend Musik, die es hätte mitreißen, glücklich machen und mit Verve und Spaß den Jahreswechsel versüßen können. Stattdessen vermittelte bereits Mankes Minenspiel eigentümliche Verbissenheit und Steife, die sich wie ein zäher Nebel über die Musiker zu senken schien, der deren bisher hier so beliebte und geschätzte operettenhafte Leichtigkeit und Charme in leidenschaftslos heruntergespielte Routine und liebloses Dreiviertel-Lalala verwandelte.

Tenor Drummond Walker fiel durch erstaunlich mangelnde Dynamik, aber Textverständlichkeit beispielsweise mit „Freunde, das Leben ins lebenswert“ oder „Dein ist mein ganzes Herz“ auf, während Mechthild Bach ihren hübschen Sopran zwar schön einsetzte, wobei aber die zu Herzen gehenden Texte beispielsweise aus der „Csardasfürstin“ oder der „Lustigen Witwe“ auf der Strecke blieben.

Geradezu dankbar nahm das Publikum Radetzkys schmissiges „Datadám, datadám datadám damdám“ mitklatschend ebenso nach Stimmung lechzend zur Kenntnis wie das Trinklied aus „La Traviata“. Wenigstens jenes mag als Ohrwurm diesen Konzertabend bis nach dem Jahreswechsel überdauert haben.

Von Ulrich Jaschek

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