Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 4 ° Regen

Navigation:
Luther und die Juden – ein zwiespältiges Verhältnis

Reformation in Peine Luther und die Juden – ein zwiespältiges Verhältnis

Professor Dr. Peter von der Osten-Sacken referierte in der Lutherkapelle vor mehr als 50 Zuhörern.

Voriger Artikel
Prilblümchen, Plateauschuhe und Parka
Nächster Artikel
Autofahrer unter Drogeneinfluss gestoppt

Luther und die Juden: (v. links) Alexander Rose, Dr. Volker Menke, Dr. Sebastian Thier, Professor Dr. Peter von der Osten-Sacken und Jürgen Rump.
 

Quelle: Privat

Peine. Im Rahmen der Veranstaltungen zum 500. Reformationsjubiläum hatte der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Peine den renommierten Wissenschaftler Professor Dr. Peter von der Osten-Sacken zu einem Vortrag eingeladen. Der Theologe setzte sich kritisch mit Luthers Ansichten über die Juden auseinander.

Der Referent ist einer der bekanntesten und engagiertesten Theologen im christlich-jüdischen Dialog. Von 1974 bis 2007 war er zu seiner Lehr- und Forschungstätigkeit als Professor für das Neue Testament auch Leiter des Instituts Kirche und Judentum in Berlin. Das Institut war zuerst der dortigen Kirchlichen Hochschule angegliedert und danach bis heute der dortigen Humboldt-Universität. Als hohe Auszeichnung erhielten Von der Osten-Sacken und das Institut 2005 die Buber-Rosenzweig-Medaille. Außerdem wurde der Referent gemeinsam mit dem Fußballer Jerome Boateng 2016 mit dem Moses-Mendelssohn-Preis ausgezeichnet

Nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Pastor Dr. Sebastian Thier, führte Superintendent Dr. Volker Menke in das Thema ein. „Martin Luther und die Juden, das ist ein wunder Punkt in der Geschichte, der auch im Jubiläumsjahr nicht ausgeklammert werden darf. Der heutige Vortrag kann und soll bei einer Einordnung helfen“, sagte er.

Professor von der Osten-Sacken beleuchtete zu Beginn seines Vortrages zunächst Luthers Schriften aus dem Jahr 1523, in denen er – für die damalige Zeit sehr fortschrittlich – für eine Integration der Juden in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht plädierte. Das änderte sich im Laufe der Jahre. „Ein Grund ist vermutlich Luthers Begegnung mit durchreisenden Juden in Wittenberg. Er wollte sie vom Christentum überzeugen, scheiterte aber. Verzweifelt wollte er in seinen späteren Lebensjahren davon überzeugen, dass im Christentum die einzige Wahrheit liegt“, führte der Referent aus.

So gab es in den späteren Schriften Luthers auch unflätige Beschimpfungen und Anschuldigungen, dass die Juden Christenkinder entführen und schlachten und Brunnen vergiften. Luther forderte gar dazu auf, die Juden zu vertreiben und zu zerstören, wenn sie sich nicht zum Christentum bekehren lassen. „Das drohende „Umsonst“ des Neuen Testaments bewegte ihn zu seinen Aussagen“, erklärte Professor von der Osten-Sacken.

Im Anschluss an den Vortrag gab es noch Gelegenheit zur Diskussion mit dem Fachmann.

Von Simon Polreich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Peine

Braucht die Peiner Innenstadt kostenloses WLAN für alle?