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Krimi vor dem Arbeitsgericht

Arbeitsgericht Braunschweig Krimi vor dem Arbeitsgericht

Mehr als zwei Jahre war der Mitarbeiter des Peiner Umweltamtes wegen des Verdachtes der Bestechlichkeit freigestellt. Dann entließ der Landkreis den Mitarbeiter, der nun vor dem Arbeitsgericht klagt. Das Gericht will auch den Vorwurf der Korruption stärker beleuchten.

Kreis Peine. Es klingt nach einem Kriminalfall. Und mit einem Nebenaspekt muss sich aber auch das Arbeitsgericht Braunschweig befassen. Dort klagt ein Mitarbeiter des Landkreises Peine gegen seine wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ausgesprochene fristlose Kündigung. Die Verhandlung wurde gestern ohne Ergebnis vertagt.

Seine Tätigkeit im Umweltamt soll der Kläger missbraucht haben, um sich zu bereichern. Angeblich hat er eine Lengeder Firma bevorzugt, wenn es um die Sanierung belasteter Grundstücke ging. Im Gegenzug habe er Geld- und Sachleistungen kassiert. Der Verdacht geht aber weiter: Der Mann war angeblich als Gesellschafter selbst an dem Unternehmen beteiligt.

„Das ist alles nicht bewiesen“, erklärte der Anwalt des Klägers, Joachim Meyer, mit energischem Tonfall. Richtig sei nur, dass sein Mandant den Betrieb privat mit Aufträgen betraut habe. „Das wurde aber immer korrekt abgerechnet und bezahlt“, versicherte Meyer und präsentierte sofort eine Rechnung.

Der Landkreis und sein Rechtsanwalt Peter Schrader sehen die Sache ganz anders. Sie verwiesen auf einen dicken Stapel Papiere. Es handelt sich um die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Hannover. Darin sind Aussagen festgehalten, die dem Mann eine besondere Rolle in der Recyclingfirma unterstellen. Er sei in dem Unternehmen „aufgetreten wie der Chef“ und habe sogar an Bewerbungsgesprächen teilgenommen.

Die Ermittlungen waren 2007 in Gang gekommen und hatten kurz darauf zu einer Razzia im Kreishaus geführt. Wegen des Verdachts wurde der Mitarbeiter beurlaubt – bei vollen Bezügen. Etwa 130 000 Euro soll er erhalten haben, bis die Kreisverwaltung nun von den Ermittlungsergebnissen erfuhr und die fristlose Kündigung aussprach. Unbestätigten Informationen zufolge soll der Kläger weiter mit dem Unternehmen in Lengede zusammenarbeiten.

Schrader ist sich sicher, dass die Vorwürfe zutreffen. Belege dafür gebe es: So habe der Mann offensichtlich ein Verhältnis mit einer Mitarbeiterin der Recyclingfirma gehabt. „Sie hat sogar eine Vollmacht für sein Schweizer Konto“, behauptete der Anwalt. Das stimme nicht, versicherte der Kläger. Er sei mit der Frau gut befreundet, weil sie in der von ihm betreuten Damenfußball-Mannschaft spiele.

Schelte für die Staatsanwaltschaft gab es gleich von zwei Seiten. Rechtsanwalt Meyer bemängelte, die Behörde habe dreieinhalb Jahre lang ermittelt „und jetzt geschieht nichts“. Richter Lutz Bertram meinte, im Abschlussbericht gebe es Ungenauigkeiten.

Bertram will die Sache genau klären. Er plant, Zeugen vor das Arbeitsgericht zu laden. Wann die Verhandlung weitergeht, steht noch nicht fest.

jkr

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