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Kreismuseum: Vortrag zu Peiner „Macht und Pracht“

Kreisheimatbund Kreismuseum: Vortrag zu Peiner „Macht und Pracht“

Es handelte sich um eine Art Stadtrundgang im Sitzen, mit dem Dr. Ralf Holländer, Vorsitzender des Kreisheimatbundes und Beauftragter für Bau- und Kunstdenkmalpflege, zu seinem Vortrag über „Macht und Pracht“ derart viele Besucher ins Kreismuseum an der Stederdorfer Straße lockte, dass die Sitzgelegenheiten kaum ausreichten.

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Kreisheimatbund-Vorsitzender Dr. Ralf Holländer berichtete über die Architektur in Peine.
 

Quelle: Thomas Freiberg

Peine.  „Peine hat sich merkwürdig verschönert und vergrößert“, notierte Friedrich von Bodenstedt 1888. Knapp 130 Jahre später muss man schon genau hinschauen, um jene wenigen noch erhaltenen Bauwerke einzuordnen, die von vergangener „Macht und Pracht“ der Fuhsestadt künden und so auch das Motto des diesjährigen Tages des „offenen Denkmals“ darstellten.

Es handelte sich um eine Art Stadtrundgang im Sitzen, mit dem Dr. Ralf Holländer, Vorsitzender des Kreisheimatbundes und Beauftragter für Bau- und Kunstdenkmalpflege, zu seinem Vortrag derart viele Besucher ins Kreismuseum an der Stederdorfer Straße lockte, dass die Sitzgelegenheiten kaum ausreichten.

Und je länger man dem Experten bei seinem einstündigen, geradezu wilden Ritt durch die bildhaft belegte architektonische Historie Peines folgte, umso intensiver mögen manche den Verlust diverser baulicher Visitenkarten aus der Vergangenheit bedauert haben.

Den des um 1960 abgerissenen „Palais am Marktplatz“ beispielsweise, die vielen uninspiriert-begradigten Fassaden, die aufgegebenen Türmchen, verschwundene Erkerchen und Fachwerke oder gemütliche Fensterläden. So unterhaltsam wie fundiert arbeitete Holländer das verbliebene baukulturelle Erbe der Stadt heraus, beleuchtete die „landesherrliche“ Bedeutung des Amthofes, erinnerte an jene des Landadels in der Stederdorfer Straße, Im Winkel und des ehemaligen „Schwicheldt Hofes“, auf dessen Grund derzeit die einstige Pracht eines Einkaufsparadieses verrottet.

Aber Holländer wäre nicht er selbst, würde er Macht und Pracht vordergründig auf „reich und groß“ reduzieren, sondern er erläuterte die unterschiedlichen Botschaften, die bestimmte Architekturformen bis heute aussenden: den geistigen Machtanspruch hoch aufragender Kirchtürme- und Portale ebenso wie beispielsweise die gleichfalls steilen baulichen Ausrufezeichen wirtschaftlicher Autorität des Stahlwerkes oder der weithin sichtbaren fahnengeschmückten Brauerei.

Stadtbrand, Stadtkirche, altes Rathaus, die verschiedenen Bahnhöfe, Bürgerhäuser in der Innenstadt mit ihren unterschiedlichen Geschosshöhen und natürlich Architekt Anton van Norden: Holländer ergriff die Gelegenheit, dem Publikum, von dem sich die meisten noch an Begriffe wie „Spielwaren-Wilke“oder „Elka-Kaufhaus“ erinnerten, einen Eindruck davon zu vermitteln, was erfreulicherweise, wenn auch nur zum Teil, erhalten, aber auch für immer, verloren ist – beispielsweise das „Amtmann-Ziegler-Haus“.

Ob zum Beispiel die heutige „City-Galerie“ mit ihrem ebenfalls hoch aufragenden, mit Metallfahnen bewehrten Portal, 100 Jahre überdauern wird, beurteilt der Fachmann zurückhaltend skeptisch, rät aber, „Gebäuden eine Chance zu geben, eine andere oder neue Einordnung für spätere Generationen zu bekommen“ und zu erhalten, was noch nicht dem Zeitgeschmack zum Opfer gefallen sei.

Von Ulrich Jaschek

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