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Stadt Peine „Hitlerjunge Salomon“: Sally Perel sprach zu 200 Peiner Schülern
Stadt Peine „Hitlerjunge Salomon“: Sally Perel sprach zu 200 Peiner Schülern
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20:00 20.09.2018
Sally Perel sprach in der Aula der Burgschule zu etwa 200 Schülern. Quelle: Tobias Mull
Peine

In eindringlichen Worten schilderte der 93-jährige jüdische Autor seine damaligen Erlebnisse und warnte vor einem neuerlichen Rechtsruck in Deutschland. „Ich bin aber kein Geschichtslehrer, ich bin Zeitzeuge“, sagte er und nahm die Schüler mit auf eine teilweise beklemmende Reise in die Vergangenheit.

Er sprach von seiner Kindheit „im schönen Peine“, wie er damals Murmeln spielte und erfolgreich die Anfänge der Nazizeit verdrängte. „Das war Selbstschutz. Ich wollte weiter Kind sein“, erzählte er. Doch auch in Peine wurde es zu dieser Zeit immer gefährlicher für jüdische Familien – also flüchtete er mit Eltern und Geschwistern nach Polen. Als auch dort die Nazis einmarschierten, schickte die Mutter ihn und seinen Bruder David weiter nach Osten. „Geh, Du solltst leben“ – diese Worte seiner Mutter werde er nie vergessen, so der 93-Jährige.

Und Sally Perel überlebte. Er gab sich als „Volksdeutscher“ aus, nannte sich fortan selbst Josef – und verbrachte die restliche Kriegszeit als Hitlerjunge auf einer Braunschweiger Nazi-Schule. „Meine einzige Waffe war die Lüge“, sagte Perel. „Aber das Leben ist so heilig, alles andere ist dem untergeordnet – auch Wahrheit oder Religion.“

Der Jude als Hitlerjunge

Vier Jahre spielte er die Rolle des Hitlerjungen. „Für mich waren es aber eher vier Ewigkeiten. Jede Stunde war eine Ewigkeit“, erzählte der 93-Jährige, so groß war die Angst vor dem Auffliegen der Maskerade. Die Uniform mit dem Hakenkreuz habe ihn dabei stark verändert. „Ich habe sogar angefangen, mich mit Teilen der Ideologie zu identifizieren“, sagte er mit eindringlicher Stimme. „Und der Hitlerjunge ist noch immer lebhaft in mir, damit muss ich mich auseinandersetzen.“

Der gebürtige Peiner Sally Perel, der mit seiner Autobiografie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ weltberühmt wurde, sprach in der Aula der Peiner Burgschule zu rund 200 Schülerinnen und Schülern.

Heute sieht sich Perel als Botschafter des Friedens. „Mit meinen Vorträgen möchte ich alle Jugendlichen impfen – und zwar mit den Tränen der verbrannten Kinder in Auschwitz und den anderen Konzentrationslagern“, sagte der 93-Jährige.

„Vergesst die Vergangenheit nicht“

Sich immer wieder diesen Teil der deutschen Geschichte, diesen „Selbstmord der deutschen Kultur“, wie Perel es nennt, bewusst machen, sei der beste Schutz, um künftig solche Verbrechen zu verhindern, erklärte der 93-Jährige. „Und das ist nun eure Aufgabe“, sagte Perel zu den versammelten Schülern am Ende seines Vortrags. „Vergesst diesen Teil der Vergangenheit nicht, damit sich die Fehler der Geschichte nicht wiederholen. Ihr seid jetzt die Zeitzeugen für künftige Generationen.“

Am Abend hielt Perel einen weiteren Vortrag – ebenfalls auf Einladung des Industrie- und Wirtschaftsvereins, der Burgschule, des Round Table und der Peiner Allgemeinen Zeitung.

Von Tobias Mull

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