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Stadt Peine Historiker belegt Stadtgründung 1218
Stadt Peine Historiker belegt Stadtgründung 1218
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21:23 22.09.2009
Der Ausschnitt von der Hochzeitsschüssel zeigt eine Szene aus der Hildesheimer Stiftsfehde. Vorn ist die Marktkirche Peines zu sehen, die dem Heiligen Jakobus geweiht ist. Quelle: Stadtarchiv

Peine. Es geht um fünf Jahre: Wurde die Stadt Peine 1223 gegründet, wie es zurzeit in den Geschichtsbüchern steht, oder müssen die Bücher umgeschrieben werden, weil die Gründung tatsächlich schon 1218 stattgefunden hat? Geht es nach dem Mittelalterhistoriker Professor Dr. Dr. Bernd Ulrich Hucker aus Vechta, muss die Stadtgeschichte leicht verändert werden. Er führte auf Einladung des Kreisheimatbundes im Kreismuseum eine logische Beweiskette für die These an.

Untermauert wird die These vom Peiner Archäologen Thomas Budde, der alte Brunnen auf dem historischen Siedlungsgebiet entdeckte, die er im Zusammenhang mit einer planmäßigen Erschließung der Stadt sieht. Spuren dafür hätten sich an verschiedenen Orten in Peine gefunden. Die Bauzeit der Brunnen lässt sich auf 1218 festlegen.

Fest steht laut Hucker: Gunzelin ist der Stadtgründer und fest steht auch, eine historische Urkunde, die die Stadtgründung belegt, ist bis heute nicht aufgetaucht. Bleibt nur, sich die Umstände im Mittelalter anzuschauen. Und dafür ist Hucker genau der Richtige, hat er sich doch intensiv mit Kaiser Otto IV. beschäftigt, er schrieb sogar eine Arbeit über ihn, auf deren Grundlage er seine Professur bekam. Hucker ist auch wissenschaftlicher Leiter der Niedersächsischen Landesausstellung Kaiser Otto IV.

Und genau dieser Otto war der Herr des Ministerialen Graf Gunzelin von Wolfenbüttel. „Herr“ bedeutet, dass Gunzelin ein Leibeigener war – ein sehr mächtiger, zugegeben. Denn Gunzelin war Truchsess des Reiches und Feldherr im Auftrag des Kaisers. Im Jahr 1218 aber starb Kaiser Otto IV. während einer Inspektionsreise auf der Harzburg. Für Hucker ist daher nur noch eine Frage offen: Gründete Gunzelin die Stadt mit Ottos Segen im Frühjahr 1218 oder im Machtvakuum nach dessen Tod im Sommer des Jahres.

Der Einfluss des Kaisers ist in Peine aber nicht zu übersehen. So war die Kirche Jakobus geweiht, „ein Heiliger, der eindeutig auf Otto IV. zurückzuführen ist. Die Familie der Wolfenbüttler verehrte ganz andere Heilige“, sagte Hucker. Gleichzeitig beruft sich der Mittelalter-Experte auf eine undatierte Urkunde aus den ersten beiden Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts. Das Ausstellungsdatum der Urkunde lässt sich auf 1218 oder 1219 einschränken.

Darin ist ein Priester Reinbold von Peine genannt und es gibt den Hinweis auf eine „alte Villa Peine“ – „und wenn es ein altes Haus oder Dorf gab, dann muss es auch etwas Neues gegeben haben“, argumentiert Hucker.

Peines Bürgermeister Michael Kessler verfolgte den Vortrag interessiert und will morgen dem Stadtrat berichten. „Sollte sich die Erkenntnis dahingehend verfestigen, so werde ich meinem Nachfolger raten, die Vorbereitungen zur 800-Jahr-Feier voranzutreiben und die dafür nötigen Gelder bereit zu stellen“, sagte Kessler auf Anfrage der PAZ.

Thorsten Pifan

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