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„Hass auf die Roten“

Dutschke-Attentat „Hass auf die Roten“

Sprengstoff-Anschläge, Schießübungen auf dem Sundern, Neonazi-Treffen: Was war im Peine der 60er-Jahre los? Was hat dazu geführt, dass der Peiner Josef Bachmann 1968 den Studentenführer Rudi Dutschke niederschoss? Ein Informant erzählt.

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Studentenführer Rudi Dutschke wurde 1968 vom Peiner Attentäter Josef Bachmann niedergeschossen. Dutschke starb später an den Folgen des Attentats.

Quelle: dpa

Peine . „Das war eine heiße Zeit in den 1960er-Jahren in Peine“, sagt L. (Name ist der PAZ bekannt), der selbst in der Fuhsestadt geboren ist. Er gehörte der der rechtsradikalen „Braunschweiger Gruppe“ an, die an Sprengstoff-Anschlägen beteiligt war. Dabei gingen zwei Bomben hoch: eine vor der Amtsanwaltschaft Flensburg und eine an der Pförtnerloge des Amtsgerichts Hannover. Geplant waren auch Anschläge auf DDR-Grenzanlagen, um es „den verhassten Roten“ zu zeigen.

Arbeit für Staatsschutz

Der heute 66-jährige L. gehörte dieser Nazi-Gruppe an, die von Paul Otte aus Braunschweig geleitet wurde. Otte ist vor Jahren gestorben. Daneben arbeitete L. parallel für den bundesdeutschen Staatsschutz, um Otte zu beschatten – und es gab auch Kontakte zur DDR-Staatssicherheit. Das nutzte V-Mann L. aber 1981 nichts, er geriet laut Gerichtsurteil „außer Kontrolle“ und musste für seine Beteiligung an den Bombenanschlägen für drei Jahre ins Gefängnis.

Kontakt zur rechtsextremen NPD fand der Peiner Anfang der 1960er über seinen Job als Taxifahrer. „Otte besaß keinen Führerschein und engagierte mich häufiger für Fahrten“, sagt L. der PAZ – auch für private Touren. Zu dieser Zeit lernte der Fahrer auch den späteren Dutschke-Attentäter Josef Bachmann kennen. „Ich habe ihn in der Peiner Milchbar getroffen. Bachmann war ein Einzelgänger und von eher schlichtem Gemüt. Er hatte zwar Kontakt, doch der Gruppe hat er nie angehört“, betont L.

Dagegen sei der Peiner Wolfgang Sachse sehr aktiv in der NPD gewesen, „über den ich erst jetzt erfahren habe, dass er so engen Kontakt zu Bachmann hatte“. Beide seien aus Ostdeutschland in den Westen gekommen und „wahrscheinlich hat sie der gemeinsam Hass auf die roten Kommunisten vereint“. Sachse sei ja auch Schießwart des Peiner Schießstandes am Sundern gewesen und habe regelmäßige Waffenübungen der Neonazis – teilweise mit Maschinenpistolen – ermöglicht.

Schwarzpulver aus Zürich

L. habe Gruppenführer Otte häufig quer durch Europa gefahren, der sich dort mit hochrangigen Neonazis traf. Einmal habe der Braunschweiger in Zürich Schwarzpulver erhalten. „Mit diesem Schwarzpulver sollte Sachs eigentlich eine Wehrsport-Übung auf dem Sundern realistischer gestalten“, sagt der Informant. Doch im Endeffekt habe man daraus in Peine Bomben für die Anschläge gebaut. Der 66-Jährige erklärt: „Diese Bomben für die Anschläge wurden in meiner Küche verteilt.“

Heute distanziert sich L. von der damaligen rechten Gesinnung und darf als „Ex-V-Mann“ nicht über alles sprechen. Daher bleibt unklar, wie stark Dutschke-Attentäter Josef Bachmann in der aktiven Peiner Neonazi-Szene verwurzelt war. Doch die Mauer des Schweigens bröckelt.

Von unseren Redakteuren

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