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Hagen Rether trat in Peine auf: Das Kabarett lebt

Satire in den Festsälen Hagen Rether trat in Peine auf: Das Kabarett lebt

„Liebe“ in den ausverkauften Peiner Festsälen am Samstagabend: Der seit Jahren gleiche Titel für ein wechselndes Programm. Damen, die hier etwas anderes erwartet haben, werden enttäuscht. Der „Aufklärer“ Hagen Rether enthüllt im Plauderton fast vier Stunden lang im Zustand beschwingten Ekels das Falsche und Fiese dieser Welt.

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Mit geschlossenen Augen sprach der Kabarettist Hagen Rether über das Falsche und Fiese in dieser Welt.
 

Quelle: Thomas Freiberg

Peine. Der Satiriker Rether weicht nie aus und bezieht schonungslos konkret Stellung. Still ist es im Saal, kein tosender Applaus, unterdrücktes Glucksen, das Lachen bleibt oft buchstäblich im Halse stecken: AfD! Leute, die sich nicht verstanden fühlen, wählen Leute, die sich nicht ausdrücken können. Deutsche Werte sollen verteidigt werden, dabei ist nichts typisch deutsch – außer dem Holocaust. An den Versäumnissen der letzten 50 Jahre sind die Flüchtlinge schuld.

Tausende Kinder wurden im Namen der Kirche missbraucht, fackelt man deswegen die Kirchen ab? Als Anmerkung immer wieder „Hinterher ist man schlauer“, wohinter wir Deutschen uns gern verstecken. Endlich ein befreiender Lacher: In der Bundeswehr soll es doch tatsächlich Nazis geben. Gut, dass sie keine funktionierenden Waffen haben. Auch die Feststellung, dass es sich bei Donald Trump wahrscheinlich um Günter Wallraff handelt, kommt locker an. Plaudereien über die Entfernung der Nasenhaare und das Fernsehprogramm. Schonungsloses Anprangern der Verachtung von Menschenrechten in aller Welt. Dazwischen immer wieder Kritik an seinem Intimfeind Christian Lindner und als Running Gag die Frage ans Publikum nach den Winterreifen.

Auch der Fußball bekommt etwas ab: 600 Polizisten in Rüstung pro Spiel, dabei würde doch auch der junge Polizist das Spiel gern mal mit seinem Sohn sehen. Lösung Rether: Lasst sie sich doch auf die Matte hauen, beim nächsten mal sind es nur noch die Hälfte! Immer wieder outet sich Rether als fanatischer Veganer, den Einwand des Religionsersatzes lässt er nicht gelten: Das wäre dann der Beweis, dass man Religion durch etwas Vernünftiges ersetzen kann. Dazu verdrückt Rether demonstrativ ein paar Bananen, einen Rest gönnt er dem Publikum. Auch Dinge weit unter der Gürtellinie kommen im Plauderton beim jüngeren Publikum gut rüber: Wenn wir damals schon Internet-Pornos gehabt hätten, hätte ich nie das Abitur geschafft.

Zum Schluss etwas Musik mit Plauderei über die Zukunft: Schön, wenn die Leute in vielen Jahren einmal meinen, das hätte der Rether doch damals schon gesagt oder sagen sie dann nur noch „Guck mal, der Rether, hatte der nicht mal Haare?“ Fast Mitternacht, tosender Schlussapplaus, für eine Zugabe ist es längst zu spät.

Von Gerold Haubenreißer

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