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Stadt Peine Grausame Pogromnacht: Vor 80 Jahren brannten die Synagogen
Stadt Peine Grausame Pogromnacht: Vor 80 Jahren brannten die Synagogen
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06:01 09.11.2018
Das Foto zeigt die zerstörten Fenster der Kieler Synagoge nach der Reichspogromnacht. Quelle: Stadtarchiv Kiel
Schwicheldt

Vor 80 Jahren brannten in Deutschland und Österreich die Synagogen. Doch bereits im Jahr 70 unserer Zeitrechnung brannte der Tempel in Jerusalem! Die Zerstörung Jerusalems bedeutete das Ende des jüdischen Staates und den Verlust des religiösen und politischen Zentrums des jüdischen Volkes. Außer dem Holocaust hat kein anderes Ereignis die Geschichte Israels und des jüdischen Volkes so tiefgreifend beeinflusst wie dieser Krieg.

Rabbinische Judentum entstand

Als Folge entstand das rabbinische Judentum, wie wir es heute noch kennen, und trat seinen Weg in die Diaspora an. Die Trennung zwischen Synagoge und Kirche bahnte sich an, die zum religiösen und theologischen Antijudaismus führen sollte. Sie bereitete den Boden für den rassistischen Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts, dessen grausamer Höhepunkt im Holocaust mit dem Mord an sechs Millionen jüdischen Kindern, Frauen und Männern erreicht war.

Das große Schweigen

Spätestens durch die Pogromnacht wurde klar, dass die „Eliminierung der minderwertigen jüdischen Rasse aus dem deutschen Volkskörper“ nicht nur Nazipropaganda war, sondern grausame Wirklichkeit zu werden drohte. Doch das große Schweigen im Volk und in den Kirchen – nur wenige erhoben als Privatpersonen ihre Stimmen – signalisierte Zustimmung zu der „spontanen Volkserhebung“. Die Antwort der Nazis auf das Attentat von Herschel Grynszspan war weltweit zu hören, doch die meisten Ohren waren taub!

Hans Marburger wurde ermordet

In Peine wurde Hans Marburger ermordet, die Umstände sind bekannt. Aus einem anderen Ort ist Folgendes bekannt: Ein jüdischer Mann soll sich ein Kruzifix gut anschauen. Der offensichtlich christliche Bewacher habe gesagt: „Hättet ihr den nicht ans Kreuz genagelt und wärt ihm nachgefolgt, dann wäre all das nicht passiert!“

Zynismus? Ganz sicher! Aber hier kommt die tiefste Wurzel des Judenhasses zur Sprache: Die große Mehrheit der Juden konnte das christliche Bekenntnis zu Jesus als dem auferstandenen Christus nicht nachvollziehen. Ihr Messiasverständnis unterschied sich fundamental von dem der christlichen Kirche.

Luthers ungeheuerliche Angriffe

Es ist mir unbegreiflich, wie die christliche Theologie die These vom von Gott verworfenen Judentum entwickeln konnte. Selbst den Reformator Martin Luther motivierte sie zu ungeheuerlichen Angriffen auf die Juden. Das ist schwer zu ertragen! Ebenso schwer ist das Schweigen der Kirchen vor und nach dem Novemberpogrom 1938 zu ertragen.

Zahlreiche „geistliche Würdenträger“ beider Konfessionen waren vom religiösen Antijudaismus infiziert, bei manchen von ihnen war er zum rassistischen Antisemitismus mutiert. So etwa bei Bischof Martin Sasse von Thüringen, der frohlockte: „Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen!“

Wir haben alle versagt

Am 10. November 1938 war mein sechster Geburtstag, und die Flammen der Synagoge meines Heimatdorfes haben sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Noch habe ich jüdische Freunde, die damals die Stiefel ihrer Nachbarn zu spüren bekamen. Die Stiefelträger waren Mitglieder der evangelischen Gemeinde, deren Pfarrer mein Vater war.

Vater war Mitglied der Bekennenden Kirche, aber er bekannte auch, dass er damals nicht gegen das Unrecht gepredigt hatte. „Wir haben alle versagt, alle!“ Das hat er seinen Kindern viele Jahre später bekannt.

Was wäre geschehen, wenn damals zum Beispiel alle Pastoren und Priester, voran die Bischöfe, den Mut bewiesen hätten, den Landrat Wichard von Bredow zeigte, der sich mit gezogener Pistole vor die Synagoge seines Heimatortes stellte und so deren Zerstörung verhinderte? Damals gab es rund 14 000 protestantische Pfarrer in Deutschland! Vielleicht hätte Hans Marburger dann nicht so jung sterben müssen.

Von Martin Siebert

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