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Stadt Peine Gefährden Ein-Mann-Betriebe das Handwerk?
Stadt Peine Gefährden Ein-Mann-Betriebe das Handwerk?
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21:47 22.08.2018
Fliesenleger sind immer häufiger als Solo-Selbstständige unterwegs. Dabei arbeiten sie oft zu schlechten Bedingungen. Quelle: IG Bau
Kreis Peine

Rollende Ein-Mann-Betriebe: Immer häufiger sind im Landkreis Peine Solo-Selbstständige unterwegs. Doch viele von ihnen arbeiten nach Einschätzung der IG BAU unter schlechten Bedingungen – ohne soziale Absicherung und mit einem Einkommen, das teils unter dem Mindestlohn liegt.

„Gerade im Handwerk hat die Zahl der Ein-Mann-Firmen stark zugenommen – oft mit großen Abstrichen bei der Qualität“, sagt Dieter Großmann. Der IG-BAU-Bezirksvorsitzende kritisiert dabei Online-Portale, die ein solches Geschäftsmodell unterstützten.

Arbeit ohne Gesellenbrief

„Zwar scheint ein Fachmann dort nur ein paar Klicks entfernt. Doch ein Großteil arbeitet ohne Gesellenbrief und Renten- oder Sozialversicherung“, so Großmann.

Die IG BAU Nord-Ost-Niedersachsen macht für den Trend insbesondere den seit 2004 bestehenden Wegfall der Zulassungspflicht in vielen Handwerksberufen verantwortlich. Seitdem können sich etwa Fliesenleger ohne abgeschlossene Lehre selbstständig machen.

Die Folge: Die Zahl der Fliesenlegerbetriebe im Bereich der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, zu der auch der Kreis Peine gehört, ist von 699 auf 2035 gestiegen. In der Gebäudereinigung zählt die Kammer ein Plus von 279 Prozent.

Von einem „Warnsignal“ spricht Gewerkschafter Großmann: „Zum goldenen Boden des Handwerks gehört das klare Bekenntnis zu soliden Standards, zur Berufsausbildung und zum fairen Wettbewerb. All das ist mittlerweile in Gefahr.“

Selbstausbeutung wird zum Problem

Ein großes Problem sei die Selbstausbeutung der Solo-Unternehmer. „Sie müssen ihre Arbeitszeiten nicht aufschreiben und arbeiten oft zu Mini-Löhnen. Das erhöht den Preisdruck für reguläre Firmen, die ihre Leute ordentlich bezahlen und Sozialabgaben abführen müssen“, sagt Großmann.

Die IG BAU fordert die Politik dazu auf, für eine bessere Absicherung zu sorgen. So könnten Ein-Mann-Unternehmer etwa in die Altersversorgung der Bauwirtschaft einbezogen werden. Denkbar sei auch eine verpflichtende Unfallversicherung. Großmann: „Am Ende brauchen wir aber wieder eine Meisterpflicht in allen Handwerksbereichen. Nur damit sind Qualität und Nachwuchs gesichert.“

Von Alex Leppert

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