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Ein Abend mit "Reineke Fuchs"

Peiner Festsäle Ein Abend mit "Reineke Fuchs"

Eine minimalistische Bühne, ein sportlicher Schauspieler - mehr brauchte es nicht, das Publikum im Studio 99 der Peiner Festsäle in den Bann zu ziehen, als Hans-Christoph Michel in Goethes Reineke Fuchs, einem Epos über 12 Gesänge, brillierte.

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Hans-Christoph Michel brillierte in "Reineke Fuchs".

Quelle: Kim Neumann

Peine. Der so wandelbare Michel schlüpfte gekonnt in die wechselnden Tierrollen und in die des Erzählers. In Goethes Gewand spielte, erzählte und agierte er sich durch die tierische Komödie um Macht und Gewalt, Dummheit und Tücke.

Bereits als Michel kam - schmatzend, höhnisch lachend und mit seinen blauen Augen blitzend - nahm er das Publikum gefangen. Ein kühner Sprung auf die sparsam eingerichtete Bühne, und schon waren alle mittendrin.

Isegrimm, der Wolf, und Henning, der Hahn, beschweren sich bitter über die frechen Untaten Reinekes. Der Hoftag des Königs Nobel an Pfingsten bot dazu die ideale Gelegenheit: Alle Tiere waren gekommen und wollten Recht gesprochen haben. Nur einer fehlte - Reineke Fuchs. Die anderen nutzten dessen Abwesenheit, sich bitter zu beklagen. Sein Fürsprecher, der Dachs, hatte seine liebe Not, die Anschuldigungen zu entkräften.

Michel zog alle Register der Schauspielkunst, um Goethes harmlos verpackte Gesellschaftskritik lebendig werden zu lassen. Heute ebenso aktuell wie damals, zeichnete der Mime gnadenlos ein Bild der betrügerischen, machtgierigen und von Lügen durchsetzten Gesellschaft. Schelmisch grinsend, verschlagen agierend und jedem Tier gestenreich und pantomimisch gerecht werdend begeisterte der Hamburger. Temporeich und pointiert, mit Witz und Charme und doch auch abstoßend verschlagen gab Michel über 90 Minuten alles. Wie bei Goethe triumphiert auch bei ihm am Ende der Bösewicht: Reineke wird zum Kanzler König Nobels ernannt und kann nun ganz offiziell seine Untaten begehen. "Ein Schelm, wer da aktuelle Bezüge sieht", murmelte ein Zuschauerin lächelnd.

Tosender Applaus belohnte Michels Kunst, eine Bühne allein auszufüllen, zu begeistern und mit einem zwinkernden Auge Kritik anzubringen.

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