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Diekmann schließt nach 84 Jahren

Peiner Modehaus Diekmann schließt nach 84 Jahren

„Das klassische Herrengeschäft ist richtig eingebrochen“, sagte Elisabeth Schrader gestern der PAZ, aber auch der Wettbewerb mit dem Internet und neuen Geschäften in Peine mit gleichen Sortimenten habe zu starken Umsatzeinbrüchen geführt.

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Diekmann schließt zum Jahresende in Peine: Die Nachricht verbreitete sich gestern wie eine Schockwelle in der Fuhsestadt.

Quelle: Christian Bierwagen

Peine. Bitter klingt das Lachen von Elisabeth Schrader. Sicher, der Einzelhandel sei von der Wirtschaftskrise nicht geschüttelt worden, wohl aber die Bekleidungsbranche. Flachbildschirme und Navigationsgeräte würden nach wie vor verkauft, Oberbekleidung für Damen und Herren eben nicht. Das gelte für Diekmann in Peine wie für die gesamte Branche.

Daher habe sie im letzten Moment die Reißleine gezogen und entschieden, das Geschäft zum Jahresende zu schließen. Der noch vor Jahresfrist erhoffte Schub durch die Eröffnung der City-Galerie stellte sich anscheinend nicht ein.

Ein dickes Lob ging an ihr Team, die Mitarbeiter seien zwar traurig, aber sie wolle sich bei anderen Peiner Händlern dafür einsetzen, dass sie eine Weiterbeschäftigung finden. Das gelte besonders für die beiden Auszubildenden, die im kommenden und übernächsten Jahr mit der Prüfung dran seien. Nach dem Einbruch bei der klassischen Herrenbekleidung sei durch neuen Wettbewerb auch die bis dahin florierende junge Mode für Frauen immer weniger umsatzträchtig gewesen.

Immer öfter habe es Kundinnen gegeben, die nach der Anprobe etwas zurückhängen ließen, dann aber anriefen, um zu sagen, sie hätten es im Internet gefunden, und die Ware werde frei Haus geliefert.

Zu ihrer persönlichen Zukunft wollte sich die 55-Jährige noch nicht äußern, zunächst müsse das Geschäft noch bis Ende des Jahres geführt werden. „Einen Räumungsverkauf wird es auch geben“, sagte Elisabeth Schrader. 1953 hatte ihr Vater Werner Schrader das Geschäft übernommen, das er – tatkräftig von seiner Frau Renate unterstützt – bis Ende 1998 geführt und dann an seine Tochter Elisabeth übergeben hatte.

Der Senior hatte sich als Baumeister profiliert, denn er veränderte und vergrößerte den Laden zwölf Mal. Allein in den 1950er-Jahren veränderte er das Geschäft, das damals noch auf städtischem Grund und Boden stand, drei Mal. 1967 erwarb Schrader Haus und Grundstück von der Stadt Peine.

8000 Namen verzeichnet die Kundenkartei zum 75-jährigen Bestehen, darunter viele Einwohner aus benachbarten Großstädten, die nichts auf die persönliche Atmosphäre des Hauses kommen lassen.

Die Mitarbeiter kennen ihre Kunden, und die Kunden fragen gezielt nach „ihrem“ Verkäufer, sagte Elisabeth Schrader im Jahr 2000: „Über den Preis lässt sich nicht alles regeln, Beratung ist wichtig.“ Deshalb gibt es für die 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Teilzeitkräfte eingeschlossen – regelmäßig interne und externe Schulungsmaßnahmen: Fachkönnen und Motivation müssen ständig gesteigert werden.“

Jörg Schmidt

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Diekmann schließt zum Jahresende: Selbst die Konkurrenz beklagt den Verlust des Modegeschäfts für Peine.

Inhaberin Elisabeth Schrader hatte am Dienstag mitgeteilt, dass das Geschäft nach 84 Jahren zum Jahresende schließt. Die Reaktionen in der Stadt waren sehr unterschiedlich, auch auf der Homepage der Peiner Allgemeinen Zeitung unter www.paz-online.de gab es zahlreiche Kommentare.

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