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„Den Schlüssel abzugeben ist ein emotionaler Moment“

Volksbank-Chef Gerhard Brunke geht in Rente „Den Schlüssel abzugeben ist ein emotionaler Moment“

Nach 48 Jahren bei der Peiner Volksbank nimmt Vorstandsmitglied Gerhard Brunke (65) in dieser Woche seinen Abschied und geht in Rente. PAZ-Redaktionsleiter Thomas Kröger sprach mit Gerhard Brunke über seine Karriere und seine Zukunftspläne.

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Gerhard Brunke

Peine. Herr Brunke, über Sie ist wenig Persönliches bekannt. Sind Sie eigentlich Peiner?

Ich bin zwar in Celle geboren, aber seit meinem fünften Lebenstag wohne ich in Hämelerwald und bin dort nie weg gegangen. In dem Sinne bin ich zwar nicht mit Fuhsewasser getauft, aber sehr eng in der Region verwurzelt.

Was zeichnet für Sie das Peiner Land aus?

Für mich ist die Region Peine meine Heimat, die ich sehr schätze und die mir sehr am Herzen liegt. Ich finde sie lebens- und liebenswert. Wir haben schöne Sehenswürdigkeiten wie den Peiner Marktplatz, ein funktionierendes Vereinswesen, kulturelle Vielfalt und eine gesunde Wirtschaft. Ein großer Vorteil ist auch die Nähe zu Hannover und Braunschweig.

Kommen Sie aus einer klassischen Bankerfamilie?

Nein, mein Vater war Bahnbeamter, meine Mutter Hausfrau. Von daher wollte ich eigentlich Lokomotivführer werden, das war für mich als Brillenträger aber nicht möglich. Also bin ich Banker bei der Peiner Volksbank geworden. Wir mussten uns früher schnell für einen Beruf entscheiden, von daher finde ich es gut, dass die jungen Leute heutzutage mit Praktika die Möglichkeiten haben, in mehrere Bereiche reinzuschnuppern. In der Bank hat es vom ersten Tag an Spaß gemacht, und ich habe es nie bereut und war immer mit Herzblut dabei. Dass es dann so gekommen ist, wie es gekommen ist, war schon ein besonderer Weg. Ich wurde als zweiter Lehrling von Gustav Schwenke eingestellt, später war ich dann gemeinsam mit ihm im Volksbank-Vorstand.

Wie war Ihr beruflicher Werdegang bei der Peiner Volksbank?

Ich habe als Lehrling angefangen und alle Abteilungen durchlaufen. Danach war ich im Kundengeschäft eingesetzt, bis sich die Möglichkeit ergab, ins Rechnungswesen zu wechseln. Dort wurde ich 1981 Prokurist, um dann nach einer zusätzlichen Ausbildung 1989 in den Vorstand zu wechseln.

Gab es für Sie einen Mentor?

Nein, in allem, was ich bei der Volksbank gemacht habe, war ich immer der Erste und konnte somit keine Hilfestellung von erfahreneren Kollegen bekommen. Fast alles musste ich mir selbst erarbeiten.

Ihre Laufbahn lässt sich mit der Ihres Kollegen Jürgen Hösel von der Kreissparkasse, der ebenfalls in den Ruhestand geht, vergleichen. Haben Sie sich als Konkurrenten betrachtet?

In diesem Punkt unterscheiden wir uns nicht. In dieser Region sind beide, Volksbank und Kreissparkasse, nicht wegzudenken. Wir sind zwar Konkurrenten, beziehungsweise Mitbewerber, aber wir sind immer gut und fair miteinander umgegangen, da wir beide gemeinsame Interessen für die Entwicklung der Region verfolgt haben.

Wofür steht die Volksbank für Sie?

Für mich steht die Volksbank für Nähe, für Bodenständigkeit, kompetente persönliche Beratung und das Einstehen für die Region. Man kann sagen: „Wir kommen aus der Region, wir kennen die Region, wir sind für die Region da.“

Ist dieser persönliche Kontakt in Bezug auf den zunehmenden Einsatz des Internets haltbar?

Wir dürfen keinen Hehl daraus machen, dass sich alle Kreditinstitute den neuen Medien nicht verschließen dürfen, das wäre ein fataler Fehler. Die Welt allgemein verändert sich. Die Herausforderung ist, seine Werte nicht aus den Augen zu verlieren, und trotzdem Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein. Es ist ein Drahtseilakt, man muss immer wieder um Kunden kämpfen. Es gibt keine Kundentreue mehr, wie wir sie in der Vergangenheit kannten. Wenn sich Möglichkeiten auf medialer Ebene ergeben, müssen wir diese nutzen.

Was zählt zu den wichtigsten Entscheidungen, die sie getroffen haben?

Im Laufe der Berufstätigkeit gibt es immer wieder Entscheidungen, die für den Moment wichtig sind. In der jüngeren Zeit war die wichtigste Entscheidung die Fusion - aus der Stärke heraus in die Zukunft zu blicken und einen Partner zu finden, mit dem wir gemeinsam positiv in die Zukunft gehen können. Diesen Partner haben wir mir der Volksbank BraWo gefunden.

War die Fusion die richtige Entscheidung?

Wir haben nach einem Partner gesucht, der für die Region, die Kunden und die Mitarbeiter gut ist, den haben wir letztes Jahr gefunden. Es war eine Fusion auf Augenhöhe, es gibt jetzt und in absehbarer Zeit keine betriebsbedingten Kündigungen. Wir sind auf Wachstumskurs. Das, was die Kunden bisher kannten, wird in gewohnter Weise weiter geführt werden. Es wird aber auch weitere Neuerungen geben, von denen alle profitieren werden. Ja, die Fusion zur neuen Volksbank BraWo war die richtige Entscheidung.

Was wird sich für die Kunden durch die Fusion ändern?

Alles, was den Kunden der „alten“ BraWo-Bank zugute gekommen ist, wird es nun auch in Peine geben. Wir stehen erst am Anfang, aber die Kunden dürfen mit vielen neuen Überraschungen rechnen. Wir werden uns umfangreicher präsentieren, die Produktpalette wird ausgeweitet, zum Beispiel im Immobilien- und Versicherungsgeschäft, auch eine Privatbank für das Private Banking haben wir im Angebot. Die Zeichen stehen auf Expansion. Dies wird auch in Peine zu sehen sein. Außerdem wird sich mein Kollege Ralf Schierenböken mit aller Kraft für die Direktion Peine einsetzen. Außerdem wird es in Peine, wie in allen anderen Direktionen auch, einen eigenverantwortlichen Direktor geben, der aber erst im Januar benannt wird.

Wie sehr betrifft die Fusion Sie persönlich? Können Sie nun mit ruhigem Gewissen Abschied nehmen?

Eigentlich wäre ich schon zum 29. Februar altersbedingt ausgeschieden und würde auch jetzt gern weiter machen, trotzdem ist meine Zeit hier nun abgelaufen. Ich kann aber sagen, dass der Zeitpunkt richtig ist. Herr Schierenböken und ich haben die Fusion auf den Weg gebracht. Alles ist gut angelaufen, so dass ich mich nun ruhigen Gewissens in den Ruhestand verabschieden kann. Ich habe mich allen Fragen sowie Kritikpunkten gestellt und nicht die Verantwortung anderen übergeben. Es ist jetzt Zeit für mich, mit ruhigem Gewissen und zufrieden zu gehen.

Was geben Sie Ihren Nachfolgern mit auf den Weg?

Für mich ist ganz wichtig, dass das Vertrauen in unsere Bank, das wir in langen Jahren geschaffen haben, und der Bezug zur Region erhalten bleibt. Ich wünsche mir, dass die Nähe zum Kunden bleibt und man sich trotz neuer Technik nicht voneinander entfernt. Bei meinen Vorstandskollegen habe ich ein sehr gutes Gefühl. Sie werden die Volksbank getreu den genossenschaftlichen Werten positiv weiterentwickeln. Ich werde aus der Ferne schauen und stolz auf das sein, was meine Nachfolger tun.

Das Bankgeschäft befindet sich in Zeiten, die wir noch nie erlebt haben, der Minuszins ist ein Beispiel dafür. Wie bewerten Sie die Situation, und wie kann man sie dem Bürger erklären?

Den Minuszins hat niemand in der Bankenwelt gewollt, er entstammt der Politik der Europäischen Zentralbank EZB. Sämtliche Bankvorstände sind gezwungen darüber nachzudenken, wie sie sich für die Zukunft besser aufstellen können. Das ist eine sehr große Herausforderung. Wir als Kreditinstitut müssen den Minuszins schon an die Bundesbank bezahlen, und wir setzen alles daran, dieses Unheil von unseren Kunden abzuhalten. Ich wünsche mir, dass es nie für den Privatkunden kommen möge. Institutionelle Großanleger werden ja mittlerweile schon von vielen Banken nicht mehr vom Minuszins verschont. Auch wir können das für die Zukunft nicht ausschließen. Leider haben wir auf die EZB-Politik nur sehr wenig Einfluss. Die Lage ist ernst, politische Auswirkungen sind nicht absehbar.

Würden Sie so weit gehen und sagen, dass die europäische Geldpolitik verfehlt ist?

Aus der Sicht eines Vorstandes eines deutschen Kreditinstitutes würde ich die Frage bejahen. Deutschland bezahlt einen Großteil der Zeche in Europa. Wir haben in Deutschland funktionierende Sicherungssysteme, bei uns ist noch kein Kunde von Volksbanken oder Sparkassen zu Schaden gekommen. Die meisten der anderen europäischen Länder haben so etwas nicht. Nun müssen wir für diejenigen, welche nicht verantwortungsbewusst gehandelt haben, aufkommen. Die EZB zeigt jedoch kein Verständnis für die deutschen Belange, das ist schwer verständlich. Ich hätte mir auch nie vorstellen können, dass es einmal so weit kommt, dass deutsche Kreditinstitute für ihre Einlagen Geld bezahlen müssen.

Was raten Sie dem Sparer?

Wir werden sicherlich wieder steigende Zinsen bekommen, aber das Niveau wird sehr niedrig sein. Ich kann nur allen anlagewilligen Menschen empfehlen, sehr wachsam zu sein und unseriösen, hohen Zinsversprechen zu widerstehen. Die Volksbank steht hierbei mit kompetenter Beratung zur Seite.

Wie sehen Ihre persönlichen Pläne für die Zukunft aus?

Ich werde mich nicht um meinen Garten kümmern (lacht). Da ich ein großer Freund von Young- und Oldtimern bin, werde ich diesbezüglich meine freie Zeit mehr damit verbringen. Gern nehme ich an Ausstellungen teil, fahre aber auch bei Rallyes wie zum Beispiel der „Peiner Eule“ mit. Ich habe aber auch ein Faible für Hannover 96 und bin großer Fußballfan, seitdem ich zehn Jahre alt bin.

Mit welchem Gefühl gehen Sie jetzt?

Wenn man 48 Jahre in einem Unternehmen ist und nun in den Ruhestand geht, ist natürlich auch Wehmut dabei. Es bleibt jedoch die Freude über das, was wir, Vorstand, Aufsichtsrat, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gemeinsam erreicht haben, und ich werde das Geschehen weiter verfolgen. Den Schlüssel abzugeben, ist ein sehr emotionaler Moment, der nicht einfach spurlos an einem vorbeigeht.

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