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Attentäter mit Neonazi-Kontakt in Peine

Peine / Berlin Attentäter mit Neonazi-Kontakt in Peine

Der Dutschke-Attentäter Josef Bachmann, der in Peine lebte, erscheint durch bisher unbekannte Stasi-Akten und Berliner Polizeiprotokolle nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“ in einem neuen Licht.

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Der schwer verletzte Dutschke-Attentäter Josef Erwin Bachmann wird am 11. April 1968 in Berlin nach einem Schusswechsel mit der Polizei von Feuerwehrmännern auf einer Trage abtransportiert.

Quelle: dpa

Berlin. Der bislang als Einzelgänger geltende Rudi-Dutschke-Attentäter Josef Bachmann aus Peine soll Kontakte zu einer Neonazi-Gruppe gehabt haben. 30 Jahre nach dem Tod des Studentenführers Rudi Dutschke berichtet das Magazin „Spiegel“ unter Berufung auf bislang unbekannte Stasi-Akten und Berliner Polizeiprotokolle, Bachmann habe enge Kontakte zu einer rechtsradikalen Gruppe unterhalten, die später als „Braunschweiger Gruppe“ durch Sprengstoff-Anschläge bekannt geworden sei.

Trotz mehrerer Hinweise in den Vernehmungen hätten die Ermittler damals diese Zusammenhänge nicht konsequent aufgedeckt, schreibt das Magazin. Bisher galt der Hilfsarbeiter Bachmann, der den Studentenführer Rudi Dutschke 1968 auf dem Berlin Kurfürstendamm niederschoss, als Einzelgänger.

Der Attentäter nahm sich 1970 in der Haft das Leben. Bei seiner Festnahme hatte er einen Artikel über Dutschke aus der rechtsextremen „Deutschen National-Zeitung“ bei sich gehabt.

Laut „Spiegel“ verkehrte Bachmann in seinem zeitweiligen Wohnort Peine unter anderen mit dem früheren NPD-Mann Wolfgang Sachse, der mit ihm das Schießen geübt und ihm Schusswaffen und Munition verkauft habe. Mit seinen Gesinnungs-Genossen habe Bachmann zuvor Anschläge auf die innerdeutsche Grenze verübt und dabei auch auf DDR-Grenzer geschossen. Sogar ein Attentat auf den damaligen DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht habe er geplant.

Bachmanns Leben war im Sommer wieder zum Diskussions-Thema geworden, als der West-Berliner Kriminalbeamte Karl- Heinz Kurras als Inoffizieller Mitarbeiter IM der DDR-Staatssicherheit entlarvt wurde. Kurras hatte 1967 am Rande einer Demonstration den Studenten Benno Ohnesorg erschossen und damit zur Radikalisierung der Studentenbewegung beigetragen.

Kurras ungeahnte Vergangenheit warf die Frage auf, ob auch Bachmann im Dienst der Stasi gestanden haben könnte. Die Bundesbeauftragte für die Stasi- Unterlagen, Marianne Birthler, beantwortete die Frage seinerzeit mit Nein – es gebe keine IM-Akte über Bachmann.

Stasi-Minister Erich Mielke in Ost-Berlin hatte sich aber nach den Schüssen auf Dutschke sehr für Bachmann interessiert. Er ließ von seinem Geheimdienst Material über den Attentäter sammeln und sich vorlegen. Einiges davon hat die Stasi-Unterlagenbehörde schon vor Jahren in Kopien zu Forschungszwecken herausgegeben.

dpa

Zur Person
Josef Erwin Bachmann wurde am 12. Oktober 1944 in Reichenbach im Vogtland geboren und beging am 24. Februar 1970 Selbstmord. Die Familie verließ 1956 die DDR und zog zu einer Tante ins Ruhrgebiet. Bachmann besuchte dort wegen seiner schlechten schulischen Leistungen eine Hilfsschule, die er jedoch frühzeitig wieder verlassen musste. Nach einer gescheiterten Berufsausbildung war er als Hilfsarbeiter tätig, wobei er häufig den Arbeitsplatz wechselte – unter anderem war er in Peine tätig.

Zusammen mit einem Freund beging Bachmann mehrere Einbrüche. Am 11. April 1968 wartete er in Berlin, mit zwei Pistolen bewaffnet, in der Nähe des Büros des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes auf Rudi Dutschke. Bachmann beschimpfte ihn als „dreckiges Kommunistenschwein“ und gab dann drei Schüsse auf den Studentenführer ab.

Er wurde wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Durch Kopfschüsse schwer verletzt, überlebte Dutschke das Attentat nur knapp. Elf Jahre später, am 24. Dezember 1979, starb er jedoch an den Spätfolgen des Attentats. Bachmann beging am 24. Februar 1970 im Gefängnis Selbstmord.

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