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Stadt Peine Archäologe entdeckte Mooreiche aus dem Mittelalter
Stadt Peine Archäologe entdeckte Mooreiche aus dem Mittelalter
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14:00 01.08.2018
Die geborgene, mehr als drei Meter lange Mooreiche nach erster Reinigung. Quelle: Thomas Budde
Peine

Auf viel Interesse stieß der PAZ-Bericht über die Ausgrabungsergebnisse, die der Peiner Archäologe im Vöhrumer Baugebiet Vöhrum „Nördlich Hainwaldweg“ machte. Nun berichtet er auch über die weitere Erforschung der spätmittelalterlichen Grenzlandwehr.

Historische Karte der alten Grenze von Johann Heinrich Schröter (1740) mit Stauteichen. Rechts des Knickteichs, der vermutlich im Mittelalter noch etwas größer war, liegt der Untersuchungsbereich im heutigen Baugebiet Hainwaldweg. Quelle: Stadtarchiv Peine

2016 konnte in dem Neubaugebiet erstmals die dreifach gestaffelte Grabenanlage der Vöhrumer Landwehr archäologisch nachgewiesen werden. Nach ihr ist übrigens auch der Ortsteil benannt. Die Landwehr diente im späten Mittelalter vom 13. bis 15. Jahrhundert als Grenzschutzanlage zwischen dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und dem Stift Hildesheim.

Peiner Archäologe: Thomas Budde. Quelle: privat

„Durch Profilschnitte und einen Vergleich mit der zur selben Grenze gehörigen Landwehr im Woltorfer Holz konnte auf eine dreifache Wall-Grabenanlage von 25 Metern Breite geschlossen werden“, berichtet Budde.

Wehrhecke war ein schwer überwindbares Hindernis

Hinzu kommt die Landgrabenniederung selbst und eine durch Flurnamen („Knick“) belegte Wehrhecke, die auf den Wällen und vermutlich auch im Vorgelände angepflanzt war. Sie machte die Anlage insgesamt zu einem schwer überwindbaren Hindernis. Am Westrande des Baugebiets wurde zudem ein Grenzübergang („Schlag“) zur nördlich gegenüber liegenden Wüstung Groß Vöhrum („Groten Vorden“) nachgewiesen, erklärt der Archäologe.

Geschnittener unterster Graben der Landwehr, der ehemals ein Stück weiter in den Knickteich eingemündet sein muss. Wie die meisten Landwehrgräben war er als Spitzgraben ausgebildet. Quelle: Thomas Budde

Die Grabenanlage schwang nach Süden aus, um sich dem Ufer des früheren Knickteichs anzupassen, einem der beiden Stauteiche, die jeweils an den Grenzübergängen als zusätzliches Hindernis in die Befestigungslinie eingefügt waren. Der verlandete Teich ist heute noch gut im Gelände zu erkennen.

Ein breiter Graben stellte die Verbindung zum Knickteich her

Vor allem aber wurde das Grabensystem hier deutlich komplizierter. Budde: „Zu den drei Hauptgräben kamen drei weitere hinzu. Ein breiter Graben stellte zusätzlich am unteren Hang die Verbindung zum Knickteich her. Hinzu kamen sechs Quergräben, welche die Hauptgräben kreuzten.“

Der obere Teil des westlichen Landwehrgrabensystems mit dem hier geschnittenen obersten Graben und erkennbaren flachen Zuleitungsgräben. Dahinter das drei Monate nach der Freilegung nicht mehr ganz so gut erkennbare gitterförmige Grabensystem. Quelle: Thomas Budde

Dieses gitternetzartige Grabensystem dürfte sich außerhalb des Baugebietes nach Westen parallel zur Landgrabenniederung weiter fortsetzen. „Ein Bezug zum Knickteich ist offensichtlich“, ist Budde überzeugt. Der Experte weiter: „Die am oberen Hang in flachen künstlichen Quellmulden beginnenden Quergräben stellten offenbar einen Wasseraustausch zwischen dem vom Landgraben gespeisten Knickteich und den Landwehrgräben her.“

Ein Novum in der Landwehrforschung

Durch den Einsatz von Wehren konnten diese somit wasserführend gemacht werden, was einen Grenzübertritt zusätzlich erschwerte. Dies wäre eine plausible Deutung für dieses Grabensystem, das bisher ein Novum in der Landwehrforschung darstellt.

Komplexes Grabensystem der Landwehr am Westrand des Baugebietes. Blick nach Westen. Im Hintergrund das Kraftwerk Mehrum. Quelle: Thomas Budde

Bei der Untersuchung der Landgrabenniederung konnte der Archäologe auch das alte Bachbett des Landgrabens, der früher „Flottriede“ hieß, im Niedermoortorf der Senke freilegen. Dabei wurden 15 unter dem Grundwasserspiegel liegende Holzstücke gefunden.

In diesem Schnitt durch die Niederung des Landwehrgrabens zeigte sich das früher westlich breitere Bachbett des Landgrabens, der früher , wie heute noch im Oberlauf, „Flottriede“ hieß. Der dunkel hervortretende Niedermoortorf ist im 19./20. Jahrhundert mit Sand bedeckt und der Graben an die heutige Stelle verlegt worden. Im Vordergrund ist der unterste Graben der Landwehr als dunkler Streifen erkennbar. Quelle: Thomas Budde

Budde: „Es handelt sich um bearbeitete Eichenstämme. Sie dürften in irgendeiner Form entweder zur Landwehrbefestigung und/oder zu den Stauvorrichtungen des Knickteichs gehört haben.“ Das Grundwasser verhinderte jedoch weitere Untersuchungen.

Eine künstlich im Untergrund verkeilte Mooreiche diente vermutlich einst als südliche Uferbefestigung des Landgrabens oder hatte eine Funktion in Zusammenhang mit der Landwehr. Quelle: Thomas Budde

Ein knapp 3,50 Meter langer, fest im Torf auf dem darunter liegenden Kies verkeilter Stamm einer Mooreiche konnte allerdings komplett geborgen werden. Der wohl als Uferbefestigung dienende Stamm wurde als mögliches Exponat in Vöhrum eingelagert.

Von Alex Leppert

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