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Stadt Peine 24 Stunden Gefängnis für die „wilde Ehe“
Stadt Peine 24 Stunden Gefängnis für die „wilde Ehe“
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14:04 23.11.2018
Peine im 19. Jahrhundert: Hier ein kolorierter Stich von 1859 mit dem Marktplatz als Motiv. Quelle: Stadtarchiv Peine
Peine

Das neue Archiv-Sonderblatt des Peiner Stadtarchivs ist da. Thema diesmal: „Liederlicher Lebenswandel und wilde Ehe“ im 19. Jahrhundert.

Enge Grenzen von Sitte und Moral

Vor rund 150 Jahren waren die Grenzen von Sitte und Moral eng gesteckt. Hatte im ausgehenden Mittelalter und noch im 16. Jahrhundert weitgehende Unbefangenheit gegenüber menschlicher Sexualität geherrscht, änderte sich die Situation bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts grundlegend.

„Wilde Ehe“ hatte eine Makel

Der Bevölkerung wurde eine konfessionalistisch verengte Moral aufgezwungen – mit Langzeitfolgen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein: Noch in den 1970er-Jahren haftete dem Zusammenleben in „wilder Ehe“ ein Makel an. Ein Status, der gut 100 Jahre früher drastische Strafen nach sich gezogen hatte.

Eine nächtliche Polizeiaktion

Am 12. Februar 1844 startete in Peine eine nächtliche Polizeiaktion, die eine Verhaftung von sechs Menschen „wegen wilder Ehe“ nach sich zog. Im Protokoll Nr. 17 heißt es: „Nachdem der hiesigen Sektion zur Kunde gekommen, daß einige Gesellen in wilder Ehe mit ihren Bräuten dahier lebten, weshalb sie Wochen lang aus der Arbeit blieben, so begaben wir uns mit dem Polizeidiener Brunau in verwichener Nacht in hiesiger Stadt auf Vigilenz [= Fahndung] und trafen: 1. den Schustergesellen Martin Utgenannt bei der unverehelichten Johanne Kniep im Bette liegend [...]“ sowie in gleicher Situation an anderen Orten fünf weitere illegal vereinte Paare. Die Männer wurden ohne Umschweife „arretiert und in hiesigem Stadtgefängnis abgeliefert“ sowie am nächsten Tag „mit einer Warnung entlassen“.

Frauen gestanden die „Tat“

Bürgermeister Groschupf versah den Bericht allerdings mit einer Notiz, das Ganze wäre nicht so ganz gesetzmäßig. Was nicht hieß, dass man den Frauen nun nachsichtiger begegnet wäre. Eher im Gegenteil: Sie wurden zur Vernehmung ins Rathaus geladen und gestanden die „Tat“.

Ausrede: Vor dem Bett geschlafen

Nur Johanne Kniep versuchte ihr Glück mit einer Ausrede: Utgenannt lag zwar in ihrem Bett, sie habe aber angezogen davor geschlafen. Natürlich half ihr das nichts. Wie die übrigen wurde sie zu 24 Stunden Gefängnis bei Wasser und Brot verurteilt.

Sonderblatt kostenlos erhältlich

Aufschlussreiche Details über weitere Polizeiaktionen sind nachzulesen im aktuellen Sonderblatt des Stadtarchivs, das in folgenden Einrichtungen kostenlos erhältlich ist: Stadtarchiv, Stadtbücherei, Rathaus und Kreismuseum. Im Internet steht es auf www.peine-online.de zum Download bereit.

Von Alex Leppert

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