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Sport Überregional „Wie Gladiatoren in einer Arena“: Unsere Beachvolleyballstars im Interview
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17:44 31.08.2017
Trotz all ihrer Titel suchen sie noch nach Perfektion: Kira Walkenhorst und Laura Ludwig. Quelle: dpa
Timmendorfer Strand

Sie sind das Aushängeschild des Beachvolleyballs, Olympiasiegerinnen, Weltmeisterinnen – Laura Ludwig und Kira Walkenhorst dominieren ihre Sportart. Am Wochenende wollen sie in Timmendorfer Strand auch ihren deutschen Meistertitel verteidigen – und freuen sich auf die Ruhe danach.

Wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal dachten: „Das ist mein Sport!“

Ludwig: Ich war 13, stand im Sand und dachte: eine geile Sportart!

Walkenhorst: Immer wenn unsere Saison in der Halle zu Ende war, sind wir raus in den Sand und haben dort den Großteil unseres Sommers verbracht. Das war ein Urlaubsgefühl.

Vor fünf Jahren haben Sie zusammen angefangen. Sie sind aktuell Olympiasieger, Weltmeister und deutscher Meister zugleich. Ist Erfolg planbar?

Ludwig: Erfolg kann man planen. Wenn man 100 Prozent gibt, bereit ist, etwas zu verändern, bereit ist zuzuhören, so offen ist, die Hose runterzulassen, in allem ehrlich ist, dann kann man Erfolg planen. Der Auslöser waren Julius und Jonas (Brink und Reckermann 2012 in London, Anm. d. Red.). Ich habe auf der Tribüne gesessen und hatte Gänsehaut. Das war unglaublich, dass ein deutsches Team bei den Olympischen Spielen Gold holt. Da wusste ich: Wenn die das können, dann kann ich das auch.

Beim Beachvolleyball gibt es DJs und viel Partystimmung. Wie sehen Sie diese Eventisierung im Sport?

Ludwig: Unser Sport ist mit einem Festival zu vergleichen. Partystimmung, professionelles Spiel und harte Arbeit da unten auf dem Platz – ein cooler Mix. Das Publikum hat in Wien und Hamburg geschrien ohne Ende, aber wenn man beim Aufschlag stand, dann konntest du eine Stecknadel fallen hören. Wir sind wie Gladiatoren in einer Arena.

Sie spielen für den Hamburger SV. Schaut man da nicht neidisch zu den Fußballern, die so im Fokus stehen?

Ludwig: Wenn wir uns mit Fußballern vergleichen würden, wären wir frustriert. Fußball in Deutschland ist wie eine Religion. Trotzdem ist es ärgerlich, wenn man sieht, dass zum Beispiel die Öffentlich-Rechtlichen während der Leichtathletik-WM den Supercup zeigen, obwohl noch nicht mal eine deutsche Mannschaft spielt – und die wichtigen Finals bei der Leichtathletik-WM nicht gezeigt werden. Das ist richtig bitter.

Walkenhorst: Und wenn ein Fußball-Drittligaspiel eher übertragen wird als andere Sportarten, dann verstehe ich das nicht. Es ist unfair und nicht nachzuvollziehen.

Was geht einem durch den Kopf, wenn man hört, dass Neymar für 222 Millionen Euro wechselt?

Walkenhorst: Neymar und andere Fußballer können nichts dafür. Klar verdienen die 100-mal mehr Geld als alle anderen Sportler, aber sie haben auch ihre Nachteile. Wir werden nach Rio auf der Straße erkannt und freuen uns. Aber dann nimmt das auch wieder ab. Fußballstars müssen sich verstecken, wenn sie nicht erkannt werden wollen. Darauf bin ich nicht neidisch.

Ludwig: Aber es frustriert schon, wenn bei einigen das Geld nicht da ist, und alles nur in den Fußball fließt. Ich hatte immer das Glück, dass mich erst meine Eltern unterstützt haben, dann kam das erste Management, die Erfolge. Ich musste mir nie Gedanken machen, ob ich mal eine Saison nicht zu Ende spielen kann. Vielen geht das anders.

Sie nehmen viel in Kauf: Operationen, Spiele und Training unter Schmerzen.

Walkenhorst: Wenn man Heiligabend morgens trainieren muss, hat man nicht so viel Bock. Wenn man mit Schmerzen spielt, ist das hart. Aber für Turniere wie bei der WM, in Hamburg oder Timmendorf, da lohnt es sich, das auf sich zu nehmen. Da wird man gefeiert wie ein kleiner Popstar. Dieser Sport gibt einem alles zurück.

Was lieben Sie eigentlich so am Beachvolleyball?

Ludwig: Es ist die Mischung aus Athletik und Technik, gerade im Sand. Um aus dem Sand zu kommen, braucht es einiges an Athletik. Das habe ich erst in den letzten vier Jahren so richtig gelernt, was das heißt im Kraftraum. Und natürlich die Stimmung. Gerade in Hamburg (bei den Finals mit den besten zwölf Teams der Welt, Anm. d. Red.) oder jetzt in Timmendorfer Strand. Dann kommt natürlich das Reisen dazu. Ich liebe es, in andere Länder zu fahren, andere Kulturen mitzukriegen.

Walkenhorst: Man ist viel freier. Trägt viel mehr Verantwortung auf und neben dem Platz. Wenn es mal nicht läuft, kann man nicht wie in der Halle ausgewechselt werden. (lacht) Das habe ich immer gehasst. Im Sand musst du dich in schlechten Phasen selbst rausholen. Man sucht sich die Trainer und Reisen selber aus, organisiert viel mehr. Dazu das Sommerfeeling, meist Strand und schönes Wetter, das ist schon was, was den Sport liebenswert macht.

In Hamburg haben sie die World Finals gewonnen, sich wieder einmal gegen die besten Teams der Welt durchgesetzt. Danach haben Sie gesagt, ihr Ziel sei es, noch perfekter Beachvolleyball zu spielen. Wie meinen Sie das denn?

Ludwig: Wir haben beide eine Leidenschaft für diesen Sport, sind sehr ehrgeizig. Wir wollen das perfekte Beachvolleyball spielen. Wir wollen uns auch immer wieder neu erfinden. Da haben wir beide den Willen zu. Und ich kann noch an meinem oberen Zuspiel arbeiten, an Sprungaufschlägen. (lacht)

Walkenhorst:Es läuft einfach noch nicht von vorne bis hinten alles perfekt.

Frau Walkenhorst, sie haben nach dem Sieg in Hamburg gesagt, sie wachen manchmal auf und wissen gar nicht, welcher Körperteil nicht weh tut. Wie motiviert man sich da jetzt noch mal für die DM in Timmendorfer Strand nach WM, EM und den Finals in Hamburg?

Walkenhorst: Timmendorf ist einfach ein Highlight. Das ist natürlich auch immer sehr, sehr anstrengend, weil sehr viele Leute da sind, da muss man auch mal ein bisschen aufpassen, dass man nicht stundenlang Autogramme schreibt und Fotos macht. Aber andererseits macht sowas Timmendorf auch zu einem Highlight, dass da so viele Volleyball-verrückte Leute sind und es so ein tolles Event ist, die Tribünen immer voll sind, auch bei schlechtem Wetter.

Ludwig: Drei Tage Ruhe nach Hamburg waren schon mal gut. Timmendorf wird wieder anstrengend, aber da können wir Timmendorf und all den Leuten, die uns unterstützt haben, auch was wiedergeben. Da werden wir noch mal versuchen, unser bestes Beachvolleyball zu zeigen. Klar wird das auch schwer, vielleicht scheitern wir auch, wir werden nicht perfekt spielen, dazu sind wir einfach zu kaputt. Aber bei dieser Stimmung dort am Strand fällt es einem nicht schwer, sich wieder in den Sand zu stellen und geile Rallyes zu zeigen.

Was bedeutet ihnen die DM in Timmendorfer Strand?

Ludwig: Timmendorf ist das Mekka des Beachvolleyballs in Deutschland. Da reisen Tausende Leute hin, um uns alle da zu sehen. Das ist ein Datum, was sich viele im Kalender eintragen. Das ist wie Wimbledon in klein.

Walkenhorst: Auf jeden Fall ein Highlight auf der Tour.

Am Wochenende die deutsche Meisterschaft – und dann?

Walkenhorst: Entspannen und nichts tun. Den Urlaub genießen, Freunde besuchen – und wenn der Körper es wieder zulässt, andere Sportarten machen.

Ludwig: Ich werde mich hinsetzen und einfach nur genießen, was um mich herum passiert – und mich nicht mehr bewegen.

Von Manuel Becker

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