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Vollgas in Frack und Hackenschuhen

Tanzen Vollgas in Frack und Hackenschuhen

Der Frack ist maßgeschneidert. 1300 Euro. Das rote Kleid funkelt wie die Kronjuwelen der britischen Königin und ist so kostbar wie es aussieht, nämlich fast doppelt so teuer wie der Frack. Federn und Strass, aber vor allem eine gute Leistung auf dem Parkett sollen die Blicke der Juroren heute auf das Peiner Jugend-Paar Jasmin Ringwelski und Alexander Stendel lenken. Die 17-Jährigen treten bei der Jugendweltmeisterschaft im Standard-Tanz in Riga an.

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Mit Ausdruck, Eleganz und Geschwindigkeit: Jasmin Ringwelski und Alexander Stendel beim Training in Braunschweig.

Quelle: Isabell Massel

Die Teilnahme ist für den Peiner und die Groß Gleidingerin so etwas wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Bei den Deutschen Meisterschaften tanzten sie zum Titel und qualifizierten sich so nicht nur für den Wettbewerb in Litauen mit 51 weiteren Paaren, sondern als Zugabe noch für die Weltmeisterschaft in Korea im nächsten Jahr.

Von Nervosität ist bei den beiden während des Abschlusstrainings im Saal des Braunschweiger Tanzclubs BTSC in einer alten Fabrikhalle nichts zu spüren. Beim Quickstep tanzen sie springend durch den Saal. Vollgas in Hackenschuhen. Jasmin Ringwelskis blonde Haare wirbeln durch die Luft. Das ist Hochleistungssport. Doch statt angestrengter Gesichtszüge lächeln die beiden. „Tänzer müssen auch gute Schauspieler sein“, sagt Alexander Stendel.

Auch das, was beim nächsten Tanz so schwebend leicht aussieht, ist hart erarbeitet. Sechsmal die Woche zwei bis vier Stunden trainieren die beiden Talente beim erfolgreichsten Standard-Tanz-Trainer der Welt, Rüdiger Knaak. „Und es macht immer Spaß. Wenn wir bei Turnieren Erfolg haben, merken wir wieder, die Arbeit hat sich gelohnt“, unterstreicht Alexander Stendel. „Die Schule leidet allerdings schon etwas darunter“, gibt seine Partnerin zu. Alexander Stendel besucht die zehnte Klasse des Silberkamp-Gymnasiums, Jasmin Ringwelski bastelt an ihrem Fachabitur an der Oskar-Kämmer-Schule. Auch gestern mussten sie sich wieder vom Unterricht freistellen lassen. Ihr Flug nach Riga hob ab.

Die beiden kommen mitunter erst gegen 22 Uhr vom Training nach Hause. Auch in der WM-Titel dekorierten Formationsmannschaft des BTSC tanzen sie mit. Diese Dauerbelastung wird aber nur den Sohlen der beiden Tänzer zu heiß. Rund sechs Paar Schuhe tanzt Jasmin Ringwelski pro Jahr durch, bei ihrem Partner sind es zwei weniger.

Aufgrund ihres Talents werden die beiden vom Deutschen Tanzsportverband gefördert, der unter anderem den Flug nach Litauen zahlt. Die Schneiderin gewährt großzügige Rabatte auf die Wettkampfkleidung. Aber irgendwann wollen die beiden mit Tanzen auch Geld verdienen. „Ich möchte Tanztrainer werden“, sagt Alexander Stendel und verweist darauf, dass die erfolgreichsten Formationen auch für große Shows im Ausland gebucht werden.

Ob Chartshits wie „Poker Face“ von Lady Gaga oder einen Walzer im Dreivierteltakt von Johann Strauß – „Wenn ich Musik höre, muss ich mich einfach bewegen“, sagt Alexander Stendel, der mit sieben Jahren in Kasachstan seine ersten Tanzschritte machte. Vier Jahre später zog er mit seiner Familie nach Peine und schloss sich dem BTSC an.

Dass die beiden mit ihrem Hobby etwas aus der Reihe tanzen, finden sie gut. „Fußball spielt doch jeder“, verweist der Gymnasiast auf die Außergewöhnlichkeit des Tanzsports. Auch mit Vorurteilen hat er nicht zu kämpfen. „Bisher haben wir nur Positives gehört, vor allem wenn sich Freunde ansehen, wie wir tanzen“, verdeutlicht Jasmin Ringwelski.

Ziemlich gut nämlich. Gut aussehen wollen die beiden auch. Bräunungstücher auflegen, Haare frisieren – das Aufhübschen vorm Wettkampf gehört für das Paar dennoch eher zu den leidigen Dingen. „Man freut sich eher aufs Tanzen“, betont Alexander Stendel. Bis Sonntag drehen, schreiten und biegen sie sich in Riga. An seine bevorstehende Mathearbeit am Montag denkt Alexander spätestens beim Rückflug am Sonntagabend.

Christian Meyer

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