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Vallstedts „Mister Volleyball“ tritt kürzer

Abteilungsleiter Wilfried Weißer Vallstedts „Mister Volleyball“ tritt kürzer

In der vergangenen Saison hat er sogar noch gespielt, obwohl im Ärzte nach dem Einsatz einer Schlittenprothese im Knie davon abrieten. Doch nun ist wirklich Schluss. Mit 59 Jahren beendet Vallstedts „Mister Volleyball“, Wilfried Weißer, seine Spieler-Karriere und übergibt auch das Amt des Abteilungsleiters.

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Sein Lieblingsplatz im Sommer: Wilfried Weißer auf der Volleyball-Beach-Anlage in Vallstedt. Auch dank seiner Initiative entstand sie 1990.

Quelle: Isabell Massel

Vallstedt. Falls ihm langweilig wird, könnte Wilfried Weißer mal wieder seine 4000 Singles und 2500 Langspielplatten sortieren, seine 700 Whiskey-Flaschen archivieren, dabei vielleicht eine Live-Aufnahme seiner Lieblingsbands Status Quo oder Nazareth hören, endlich die kaputte Jukebox in seiner Kellerbar reparieren oder durch seine Bravo-Sammlung blättern. Er hat schließlich alle Hefte des Jugendmagazins seit 1957 komplett. Aber ihm wird garantiert nicht langweilig, obwohl er mit 59 Jahren nun kürzer tritt. Vallstedts „Mister Volleyball“ hat nach 766 Pflichtspielen seine aktive Karriere beendet und gibt am heutigen Freitag nach 38 Jahren zudem sein Amt als Abteilungsleiter ab. „Meine Frau glaubt das allerdings erst, wenn es wirklich so weit ist“, sagt er.

Wenn er auf seine Ärzte gehört hätte, hätte Wilfried Weißer schon im August vergangenen Jahres seine Volleyball-Karriere als Spieler beenden und die Sportart wechseln sollen: Zu Radfahren und Nordic-Walking als das höchste aller Gefühle rieten sie ihm. Zusammengerechnet 1458 Partien in Hobby-, Punkt- oder Pokal-Spielen haben Spuren in Weißers Knien hinterlassen. „Es war alles im Eimer“, sagt der 59-Jährige, der sich deshalb eine Schlittenprothese einsetzen ließ und nur zwei Monate später erleichtert feststellte: „Damit kann man spielen.“ Zunächst sprang er zwar nicht mehr, „aber im Sand bin ich jetzt sogar schon wieder gehechtet“. Trotzdem: Liga-Spiele hat er sich gestrichen. Mit dem Saison-Ende kam auch Weißers Karriere-Ende. „Die Chance war genau die richtige. wenn ich die nicht ergreife, habe ich etwas falsch gemacht“, sagt der Mann, der die berühmteste Volleyballer-Frisur im Landkreis Peine trägt.

Seit 1975 pritscht, baggert und schmettert Wilfried Weißer den Volleyball in Vallstedt, zählt zu den Gründungsmitgliedern der Abteilung im SV Grün-Weiß. Sein Sport ist inzwischen viel dynamischer und taktischer geworden. Was sich seitdem aber nur marginal verändert hat: Seine lange Lockenpracht. „Sie werden jetzt allerdings etwas grau“, sagt Weißer.

Seine Haare sind sein Markenzeichen. Als Vallstedts 1. Herren am Saisonende den Aufstieg in die Regionalliga feierte, bedankten sich die Spieler auf besondere Art und Weise bei dem Macher im Hintergrund: Sie trugen Wilfried-Weißer-Perücken bei der Meistersause. „Das hat mir schon geschmeichelt“, sagt Weißer, dessen Frau Doris kurioserweise Friseurin ist. Sie akzeptiert seine Frisur. „Aber einen Zopf fände ich blöd“, unterstreicht sie.

Als Wilfried Weißer 14 war, hat er sich die Haare wachsen lassen. Zwischendurch durfte nur einmal auffällig gekürzt werden: „Als ich zum Vorstellungsgespräch musste“, verrät er. Er bekam den Job. Weißer schlug die Beamtenlaufbahn bei der Stadt Braunschweig ein, im Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement kümmert er sich um die Energie-Beschaffung und Abrechnung.

Das Klischee eines faulen Beamten erfüllt Weißer aber wahrlich nicht. Er will zwar das Abteilungsleiter-Amt abgeben, doch in den Ehrenamt-Ruhestand verabschiedet er sich längst nicht. Weißer trainierte schon mehrere Teams, bleibt Vorsitzender des Volleyball-Förderkreises und sucht weiter eifrig Sponsoren. „67 haben wir schon – das ist heftig für einen Regionalligisten“, stellt er stolz fest. Sein Amt als Pressewart im SV Grün-Weiß führt er noch bis zum 60. Geburtstag fort. Schon seit 26 Jahren kümmert er sich darum, koordiniert zum Beispiel die GW-Vereinszeitung „Sport-Echo“, informiert die lokalen Zeitungen über Veranstaltungen, schreibt Spielberichte oder gestaltet die Internet-Seite der Volleyballer mit. Und als Trainer macht er auch weiter, hat nach der Auflösung der 3. Herren nun die 2. Damen für die bevorstehende Saison übernommen. Er macht das gerne. „Wenn du die Rückmeldung kriegst, dass deine Arbeit richtig investiert war, tut das gut. Ich freue mich einfach, wenn ich im Sommer auf unsere Beach-Anlage gehen kann oder mir die Tabellen am Montag in der Zeitung angucke“, sagt Weißer.

Mit seinem Vornamen Wilfried sprechen ihn übrigens fast nur seine Mutter, seine beiden Töchter und andere Familien-Mitglieder an. Für den Rest ist Wilfried Weißer Willex. Sogar auf dem Haustür-Schild steht der Spitzname. „Damit sich der Postbote nicht verirrt“, scherzt Weißer. Mitschüler verpassten ihm einst den Spitznamen, der eine Mischung aus Wilfried und Lexikon ist. „Ich wusste viel über Pop und Rock aus den 60er- und 70er-Jahren oder über Sportgeschichte. Statistik interessiert mich einfach“, erläutert der scheidende Abteilungsleiter. Vielleicht auch deshalb notiert er alle Volleyballer und deren Einsätze für GW Vallstedt. Eigentlich klar: Weißer führt die Liste vor Frank Langer (1100) mit XXL-Vorsprung an.

Auch deshalb ist er im Peiner Volleyball-Sport eine Legende. Und in Vallstedt sowieso. Seit dem dritten Lebensjahr wohnt der gebürtige Broistedter im Ort. „Das ist meine Heimat, hier kennt mich jeder, das ist schön. Und in jeder Straße wohnt einer, der etwas für unseren Verein tut“, sagt er. Weißer und der SV Grün-Weiß – das passt. Sogar seine Frau Doris lernte er dort kennen. Er trainierte sie. „Und dann wurde daraus eine Romanze. Und ich bin mir sicher, wenn sie nicht vom Volleyball gekommen wäre, wäre das schief gegangen.“

Von Christian Meyer

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