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23:07 09.07.2009
Konzentration an der „Schnecke“: Anke Willenbokel beim Training auf den Bahnen des Miniaturgolf Clubs Peine im Stadtpark. Quelle: cm
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Von einer gestrickten Socke hängt mitunter für Anke Willenbokel ein erfolgreiches Abschneiden ab. Das Runde muss ins Runde – und damit das mit möglichst wenigen Schlägen klappt, haben Minigolf-Sportler so ihre kleinen Tricks. Sie bringen zum Beispiel ihren Spielball in einem Strumpf auf Temperatur. „Je wärmer der Ball ist, desto schneller ist er auch“, erläutert die 18-Jährige ihr Socken-Geheimnis.

Ihre Bälle haben meist das richtige Tempo. Die Schülerin hat sich in den Kader der Deutschen Jugend-Nationalmannschaft geschlagen. Mit einem kleinen Köfferchen mit rund 80 verschiedenen Bällen macht sie sich morgen auf den Weg nach Kempten in Bayern. Dort finden vom 16. bis zum 19. Juli die Deutschen Jugendmeisterschaften statt. „Ein Platz auf dem Treppchen wäre Klasse“, sagt Anke Willenbokel, die sich dadurch für die Jugend-Europameisterschaft in Waldshut an der Grenze zur Schweiz qualifizieren will.

Die Zeit bis zum Start der Deutschen Meisterschaft nutzt sie, um sich an die Bahnen zu gewöhnen und für jede den besten Ball herauszufinden. Die bunten Kugeln unterscheiden sich nämlich nicht nur in ihrer Farbe, sondern auch in ihren Eigenschaften. Manche hüpfen mehr, manche weniger, es gibt schwere und leichte. Das Spielgerät der Minigolfer ist eine Wissenschaft für sich, selbst das Wissensmagazin „Galileo“ des Fernsehsenders Pro7 widmete dem Thema eine eigene Sendung mit dem Titel „Die Tricks der Profis“.

Doch beim Minigolf als Leistungssport kommt es auf weit mehr an, als auf den richtigen Ball. „Viel hängt von der Konzentration ab. Das ist ähnlich wie beim Schießen“, erzählt Anke Willenbokel. Vor wichtigen Turnieren oder Punktspielen mit der Peiner Verbandsliga-Mannschaft sucht sie sich ein ruhiges Plätzchen auf der Anlage und hört Musik von ihrem MP3-Player. „Da sind zum Beispiel Klavierstücke von meinen Freunden dabei“, verrät die Nationalspielerin. Damit sie ihre Konzentration lange aufrecht erhalten kann, braucht sie auch eine gute Kondition. Die holt sie sich auf dem Fahrrad beim 22 Kilometer langen Weg zum Gymnasium und bei der Kampfsportart Taekwondo. „Das ist ein guter Ausgleich zum Minigolf, da kann ich auch mal meine Aggressionen abbauen.“

Bei der Deutschen Meisterschaft wird das Einlochen zu einem wahren Marathon. Fünfmal muss sie die 18 Eternit-Bahnen spielen, fünfmal die 18 Betonbahnen. Für eine Runde benötigt Anke Willenbokel im Schnitt 22 Schläge. Freizeit-Minigolfer wissen diesen Wert zu schätzen, den sie bei ihrem letzten Urlaub meist schon an Loch neun überschritten haben und an der Sprungschanze mit Fangnetz verzweifeln. Bei einem Turnier 2006 in Celle ist der 18-Jährigen sogar das Kunststück gelungen, alle Bahnen mit einem Ass zu absolvieren.
Am „Vulkan“ darf nichts schiefgehen. „Das ist eine meiner Lieblingsbahnen. Da muss die 1 stehen“, betont Anke Willenbokel, die vor neun Jahren mit der Randsportart Minigolf begonnen hat. „Ich bin damit aufgewachsen. Meine Mutter spielt seit 31 Jahren“, erzählt sie. Marion Willenbokel locht mit ihrer Tochter gemeinsam in der Verbandsliga-Mannschaft der Peinerinnen ein.

Zweimal in der Woche versucht Anke Willenbokel auf der Anlage am Stadtpark zu trainieren. Drei Stunden wird geübt, bevor es auf den Rückweg zu ihrem Wohnort Bomlitz bei Walsrode geht. Den großen Aufwand geht sie für ihr Hobby gerne ein. „Beim Minigolf lernt man nie aus“, sagt sie.

Dass sie zu denen gehört, die bereits sehr viel gelernt haben, unterstreicht auch eine Bitte der Nationalen Antidoping-Agentur, einen Fragebogen auszufüllen. Denn: Für Hobbysportler interessiert die sich nicht, für Leistungssportler schon. Ein besseres Indiz gibt es doch kaum dafür, dass Anke Willenbokel es in ihrem Sport schon ganz schön weit gebracht hat.

cm

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