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Sport Regional „Mangelnde Kompetenz in politischen Gremien“
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08:07 30.05.2009
Kandidiert nicht mehr für den Kreissportbund-Vorsitz: Kurt Gilgen. Quelle: Christian Bierwagen
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Jetzt feierte der Groß Lafferder seinen 70. Geburtstag, und beim Kreissporttag am 23. Juni wird er sich nicht mehr als Vorsitzender zur Verfügung stellen. „Der Elan lässt nach“, begründet er seinen Entschluss. Das liege allerdings nicht an seinem Lebensalter, sondern am teilweise mangelnden Verständnis maßgeblicher Personen aus der Politik gegenüber dem Sport. „Das lässt einen mutloser werden“, gesteht Gilgen. Die Hallennutzungsgebühren seien ein Beispiel.

„Früher saßen Sportler in den Fachausschüssen, die wussten wovon sie reden“, sagt Gilgen. Heute sei das nicht mehr unbedingt der Fall. Allzu oft werde die auch sozialpolitisch bedeutende Vereinsarbeit nicht in gebührendem Maß berücksichtigt, sagt Gilgen, der als Kreisoberamtsrat nach 47 Dienstjahren in Pension gegangen war.

Unter anderem als Leiter des Kreisschulamtes hatte er die Zeiten miterlebt, als „man die Entwicklung noch mit beeinflussen konnte“. Damals hatte es die sogenannte Drittelregelung gegeben. Der Landkreis hatte bei Investitionen der Sportvereine jeweils ein Drittel der Kosten übernommen. „Damals wurde der Grundstein dafür gelegt, dass wir heute hervorragende Sportanlagen haben“, sagt Gilgen.

Mit der Einführung der Sportförderrichtlinien beim Kreis sei dann eine Verschlechterung eingetreten. „Es wurde nicht mehr diskutiert.“ Der Landkreis stellte die Investivförderung ein, Sportfunktionäre zogen sich aus Sportausschüssen zurück, „mangelnde Kompetenz in den politischen Gremien“ sei die Folge gewesen.

„Die schwierige finanzielle Lage stelle ich gar nicht in Frage“, räumt der Sportbund-Vorsitzende ein. Aber der Sport habe in der Politik nicht den Stellenwert, den er haben müsste. Ausnahmen gebe es: „Die Sportförderung der Stadt Peine ist vorbildlich“, sagt Gilgen, auch in der Gemeinde Lengede sei sie traditionell gut. Und es gebe positive Anzeichen: „In letzter Zeit haben sich alle offenbar ein wenig besonnen.“ In den armen Gemeinden wie Ilsede oder Lahstedt hätten die Sportvereine jedoch mehr Bürden als in anderen Gemeinden.

Völlig zurückziehen aus dem Kreissportbund will sich der sportliche 70-Jährige aber nicht. „Ich stehe natürlich weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung“, sagt Gilgen.

Seinen Geburtstag feierte er mit rund hundert Personen – unter ihnen der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Herbert Fandel. „Über all die Jahre könnte ich ein Riesenbuch schreiben“, stellte Gilgen fest. Die Gründe, die dazu führten, dass er nun nach 20 Jahren im Amt nicht mehr als Kreissportbund-Vorsitzender antritt, sind darin nur ein Kapitel. Das Positive überwiege bei weitem. Gilgen: „Ein bunteres Bilderbuch über 70 Jahre kann ich mir kaum vorstellen.“

Matthias Preß

Stichwort

Tätigkeiten von Kurt Gilgen

1. Sport: 1947 Beginn mit Fußball und Leichtathletik in Groß Lafferde. 1960 Amateurliga-Meister mit Teutonia, Aufstiegsspiele zur Amateur-Oberliga. 1963 – 1965 Gastspieler bei Amateur-Oberligist VfB Peine. Dann Rückkehr nach Lafferde. 18 Jahre im Jugend-, Herren- und Damenfußball als lizensierter Trainer. Beim SV Teutonia: 1965 – 1968 Geschäftsführer, 1968 – 2004 Vorsitzender. Danach Ehrenvorsitzender. Beim Kreissportbund: 1971 – 1987 Geschäftsführer, 1987 – 1989 stellvertretender Vorsitzender, 1989 bis 2009 Vorsitzender. Beim Bezirkssportbund: 1989 – 1991 stellvertretender Vorsitzender.

2. Kommunalpolitk: 1971 – 1991 Vorsitzender der SPD Groß Lafferde. 1972 – 1981 Ortsbürgermeister. 1981 – 1987 Vorsitzender des Ortsvereins.

3. Kirche: Seit 1970 Mitglied des Kirchenvorstandes in Groß Lafferde, später stellvertretender Vorsitzender. Seit 1952 Bläser im Posaunenchor Groß Lafferde.

4. Kultur: Seit 1979 Mitorganisator der Groß Lafferder Kulturtage und kultureller Berater des Ortsrates bei Großveranstaltungen.

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