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Der pfiffige Großvater

Schiedsrichter Der pfiffige Großvater

Mit 78 Jahren ist noch lange nicht Schluss. Der Abbensener Kurt Wiedenroth pfeift alle Jugend-Fußballspiele seines Heimatvereins und oft auch die seiner Enkeltöchter.

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Kurt Wiedenroth kam in seinen Spielen oft ohne Gelbe und Rote Karten aus.

Quelle: Christian Meyer

Einmal ging es Kurt Wiedenroth an den Kragen. Und vor allem an die Knöpfe seines schwarzen Schiedsrichter-Hemdes. Die riss ihm nämlich ein erboster Fußballer ab, nachdem er ihn des Feldes verwiesen hatte. Wegen der Ereignisse in der Partie SV Union Groß Ilsede gegen den MTV Vater Jahn Peine musste Wiedenroth vorm Sportgericht aussagen. „Das war allerdings auch das einzige Mal, dass ich dort war. Ansonsten liefen meine Spiele meist sehr fair ab“, erzählt der 78-Jährige stolz.

In die Trillerpfeife pustet er nun schon seit mehr als 40 Jahren. Ein Spielverderber will er nicht sein. „Ich war nie arrogant“, begründet er seine Akzeptanz bei den Fußballern. Der Schiedsrichter-Ausschuss des Fußball-Kreisverbands hat ihn vor zwei Jahren zum Ehrenmitglied ernannt. Herren-Punktspiele leitet Wiedenroth nicht mehr, aber ganz ohne Pfiff geht es dann doch nicht.

Beim TVJ Abbensen sorgt Wiedenroth bei allen Spielen der F-, E- und D-Jugend für Gerechtigkeit auf dem Platz. Freiwillig. Denn angesetzt werden Schiedsrichter in diesen Jugendklassen noch nicht. Auch Spiele von Ölsburgs Fußballerinnen leitet er. Für die Viktoria spielen seine Enkeltöchter Annika und Svenja. „Ich bin gerne an der frischen Luft und lerne durch die Schiedsrichterei viele Leute kennen. Und Lob tut auch gut“, nennt er den Reiz seiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Abbensen Jugend-Kicker wissen, was sie an ihrem Kurt haben. „Vielen Dank, dass du immer für uns pfeifst“ haben die F-Jugendlichen und ihre Trainer Lars Timpe und Carsten Borsum unter das Mannschaftsfoto-Geschenk für Kurt Wiedenroth geschrieben, dass sie ihm zur Staffelmeisterschaft überreichten. Ein T-Shirt erhielt der Schiri-Senior von der Vorsitzenden des Jugendausschusses im Fußball-Kreisverband. Heike Hansen bedankte sich damit bei Wiedenroth für zahlreiche freiwillige Einsätze bei Jugendspielen in der Halle.

Kurt Wiedenroth liebt es, auf Achse zu sein. „Ich fahre auch gerne Auto“, verrät er. Sich für andere einsetzen – das macht er nicht nur mit der Pfeife im Mund, sondern auch auf vier und zwei Rädern. Er bietet Fahrdienste für Senioren an und trägt die Post der Abbensener Kirchengemeinde aus. Ist doch Ehrensache.

Allzu gerne hätte Wiedenroth früher auch selber Fußball gespielt. Beim VfB Peine hatte er sich schon angemeldet. Nur zum Training hat er es nie geschafft. Er drehte Käse statt Verteidiger zu umrunden. „Ich habe in der Molkerei von 5 bis 17 Uhr gearbeitet und hatte keine Zeit und Kraft mehr zum Trainieren“, erzählt er. Auf seinem 200er Zündapp-Motorrad und später im VW-Käfer reiste er den Grün-Roten allerdings zu den Spielen nach. „Die Winkler-Brüder haben mich begeistert“, schwärmt er. Ehefrau Rosemarie kam gerne mit. 53 Jahre sind die beiden inzwischen verheiratet. Ihr großes Fußball-Interesse haben sie vererbt. Die Kinder Kurt und Heidemarie spielten Fußball. Heidemarie Fischer ist inzwischen Vorsitzende des TSV Viktoria Ölsburg und Staffelleiterin der 1. und 3. Kreisklassen.

In die Leistungsklasse abgestiegen ist Kurt Wiedenroths Klub TVJ Abbensen, dessen Ehrenmitglied er seit dem Jahr 2000 ist. So gut wie kein Heimspiel verpasst er. Den direkten Wiederaufstieg in die Kreisliga traut er dem Team allerdings nicht zu. „Es wäre schön, wenn sie sich in der Mitte halten.“

Verdammt gut gehalten hat sich auch Kurt Wiedenroth. Das Gesundheitsrezept des 78-Jährigen: „Keine Chemie. Und ich esse jeden Morgen ein Brot mit Magerquark und Petersilie.“

Die Karten und die Pfeife will er noch nicht ganz aus der Hand legen. „Ich mache weiter, so lange es geht.“ Und lernwillig ist er auch noch. Er gehört zu den zwölf Schiedsrichter-Kameraden, die in der vergangen Saison nicht einen einzigen Lehrabend verpassten.

Christian Meyer

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