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Carmelo Virzi: Koffer weg, aber Gold da

Senioren-EM im Bankdrücken Carmelo Virzi: Koffer weg, aber Gold da

Carmelo Virzi vom MTV Vater Jahn Peine hat den EM-Titel im Bankdrücken der Senioren-Leichtgewichte gewonnen. Im finnischen 4300-Einwohner-Städtchen Ylitornio gewann der 60-Jährige mit gestemmten 90 Kilo trotz Anreise-Stress. Denn: Virzis Koffer war am Flughafen in Helsinki verschollen.

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Carmelo Virzi stemmte 90 Kilo bei der EM in Finnland. Damit gewann er Gold in der Klasse der Leichtgewichte bis 59 Kilo.

Quelle: Isabell Massel

Ylitornio. Eine neue Zahnbürste, eine neue Hose und Strümpfe musste Carmelo Virzi kaufen. Denn als der Kraftsportler des MTV Vater Jahn Peine im finnischen Helsinki am Flughafen-Gepäckband stand, wartete er vergeblich. Sein aufgegebener Koffer war nicht dabei. Die Reise nach Finnland hat sich für den 60-Jährigen trotzdem gelohnt: Koffer weg, Gold da. Denn der gebürtige Sizilianer gewann mit gemeisterten 90 Kilo den EM-Titel im Bankdrücken bei den Senioren. „Zum Glück hatte ich meine Wettkampf-Ausrüstung in einer anderen Tasche“, stellte Virzi fest.

Der Peiner Carmelo Virzi mit Goldmedaille und seinem Konkurrenten Jevgenijs Vorobjovs aus Litauen

Der Peiner Carmelo Virzi mit Goldmedaille und seinem Konkurrenten Jevgenijs Vorobjovs aus Litauen.

Quelle: privat

Die Anreise ins kleine finnische 4300-Einwohner-Städtchen Ylitornio in Lappland verlief holprig. „Auf dem Weg zum Flughafen nach Hannover hatte eine andere deutsche Athletin ihr Portmonee vergessen, wir mussten umdrehen“, schilderte Virzi. Sein Wettkampf dagegen lief reibungslos.

Das Einstiegsgewicht von 87 Kilo drückte Carmelo Virzi in der Klasse der Leichtgewichte bis 59 Kilo spielerisch nach oben. Der 60-Jährige wollte es noch einmal wissen. „Eigentlich hatte ich gesagt, ich absolviere keine internationalen Einsätze mehr, aber der Europarekord von 92,5 Kilo liegt in meinem Bereich. Ich wollte ihn gerne knacken“, sagte der Jahner.

Und zunächst sah es tatsächlich auch so aus, als könnte es ihm gelingen. Auch die 90 Kilo wuchtete Virzi problemlos. Allerdings: „Ich absolviere die Versuche immer sehr langsam. Deshalb mache ich es mir wahrscheinlich schwerer, als es ist“, merkte Virzi an. Sein stark eingeschätzter Titel-Konkurrent aus Litauen scheiterte am folgenden dritten Versuch von 92,5 Kilo – weil Virzi ein paar Gramm weniger auf die Waage brachte, stand bereits fest: Der Europameister der Leichtgewichte ist ein Peiner.

Doch Virzi wollte den Europarekord und ließ ebenfalls 92,5 Kilo auflegen. Aber alle Anfeuerungsrufe der deutschen Teamkollegen halfen nicht, er scheiterte: „Ich wusste, dass ich schon Europameister war, irgendwie war die Luft raus“, bedauerte Virzi, der im Training schon mehrfach locker die 95 Kilo gestemmt hatte. „Doch da ist der Druck nicht da“, stellt der Jahner fest, der oft mit Lampenfieber zu kämpfen hat. „Ich bin selbst bei einer Landesmeisterschaft schon um 4 oder 5 Uhr früh wach.“

Als Virzi jedoch eine weitere Auszeichnung entgegen nehmen durfte, war die Aufregung längst der Freude gewichen. Mit dem deutschen Nationalteam gewann der Jahner Silber in der Nationenwertung und durfte den Glaspokal abholen. „Das hat mich stolz gemacht“, sagte Virzi, für den es auch noch ein Koffer-Happy-End gab. Am Wettkampf-Tag wurde er nachgeliefert.

Von Christian Meyer

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