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Billiges Bier, aber ohne Fahne zurück

Fußball-EM Billiges Bier, aber ohne Fahne zurück

2400 Kilometer für ein wuchtiges Kopfballtor. Die Peiner Fußballer Dennis Miehe und Patrick Kobs haben den EM-Auftaktsieg der deutschen Fußball-Nationalelf im ukrainischen Lwiw gesehen. Jetzt wissen sie, dass Karparty Lemberg ein Fußball-Verein ist, Abbibcbke-Bier viel flüssiger läuft als es sich sprechen lässt und Pfandsammler typisch deutsch sind.

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Gut behütet: Dennis Miehe (im roten Klose-Trikot) mit drei ukrainischen Polizisten vorm Stadion in Lwiw.

Quelle: privat

Das Handy von Patrick Kobs ist ein Schatz voller Erinnerungen. 235 Fotos hat der Mathematik-Student aus Eddesse von der Fußball-Schnelldurchlauf-Reise in die Ukraine geschossen. Gemeinsam mit dem Vöhrumer Kreisliga-Fußballer Dennis Miehe reiste er Donnerstagabend per Bus von Hannover nach Lwiw, dem einstigen Lemberg. Montagfrüh waren sie schon wieder zurück. „Karten fürs Stadion: 35 Euro. Reise in die Ukraine: 500 Euro. Der Moment in dem Mario Gomez 50 Meter unter dir das Siegtor köpft - unbezahlbar!“ - so knackig fasste Dennis Miehe das Erlebnis mit der deutschen Nationalelf zusammen.

Während die mit dem Flugzeug angedüst gekommen war, holperten die beiden Peiner Fußballer im polnischen Bus die letzten 100 Kilometer in mehr als zwei Stunden. „Eine Autobahn weiß man erst zu schätzen, wenn es keine gibt“, schilderte der 22-jährige Arminen-Verteidiger Miehe die Etappe ab der ukrainischen Grenze als sehr mühsam. Aber: „Dank deutscher Flagge am Bus sind wir an der Grenze an allen wartenden Fahrzeugen vorbeigewunken und bevorzugt abgefertigt worden“, verspürte der Student Gastfreundschaft.

Auch in Lwiw - die Stadt, die so etwas ist wie die unvollkommene Perle des Ostens. Eine Stadt mit zwei Gesichtern. „Wir haben Wellblech-Hütten, ein Gefängnis, das Angst macht und alte Sowjet-Plattenbauten gesehen, aber auch schicke Boutiquen in der schönen Altstadt. Das waren schon krasse Unterschiede“, beschrieb Miehe.

Ein anderer Unterschied machte sich im Portmonee der Peiner bemerkbar - das Leben in Lwiw ist für einen Deutschen vergleichsweise billig. Der Durchschnittslohn in der ukrainischen Stadt liegt bei unter 200 Euro. „0,4 Liter Bier haben wir auf der Fan-Meile umgerechnet für 50 Cent bekommen.“

Fast genauso günstig war die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Bus setzte die deutschen Fans allerdings in großer Entfernung vom Stadion ab. Erst nach 30Minuten Fußweg tauchte inmitten von Brachland ein kleines Kunstwerk auf - die futuristische Arena Lwiw mit Platz für 35000 Fußball-Fans und die neue Heimat des ukrainischen Erstligisten Karpaty Lwiw. „Man hat gesehen, dass da eigentlich noch viel mehr gebaut werden sollte wie zum Beispiel Parkplätze“, sagte Kobs, der beim SSV Plockhorst spielt. Auf dem betonierten Vorplatz reihten sich Dosen und Plastikflaschen aneinander. „Wenn es kein Pfand gibt, gibt es auch keine Pfandsammler“, stellte Kobs fest.

Was noch fehlte? Ein Imbiss für hungrige Fußball-Fans. „Wir waren 90 Minuten vor Anpfiff im Stadion - da war das ganze Essen schon ausverkauft“, wunderte sich Miehe. Zumindest der Siegeshunger der Peiner Fans wurde dank Mario Gomez gestillt. „Der Lattenball von Pepe kam auf unserer Seite runter. Wenn Deutschland verliert, hätten wir uns auch nicht beschweren können. Die Fans haben am Ende den Ausschlag gegeben“, sagte Kobs.

Geschätzt rund 11000 Deutsche feuerten die Nationalelf in Lwiw an. Großen Applaus bekam EM-Debütant Mats Hummels. „Ihn fand ich ziemlich gut. Er ist mit seiner Situation sehr gut umgegangen, die Nervosität hat man ihm nicht angemerkt“, lobte Kobs.

Dennis Miehe bedankte sich vor allem bei Torwart Manuel Neuer, dass die Reise in die Ukraine so zufriedenstellend endete. „Er hat fehlerfrei gespielt und war immer zur Stelle.“ Ein deutsches Tor und viele Erlebnisse - „das war eine Reise wert“, resümierte Miehe, auch wenn er ohne seine deutsche Fahne zurückkehrte. Die war weg, nachdem er sie im Stadion nur kurz abgelegt hatte.

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