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Hannover 96 Für Joselu passt alles
Sportbuzzer Hannover 96 Für Joselu passt alles
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00:19 17.01.2015
Von Jörg Grußendorf
„Wir haben eine super Mannschaft“: Joselu (r.) übt mit Jimmy Briand. Quelle: Treblin
Belek

Der Schuss ging weit über das Tor. Sehr weit sogar, nicht nur über den Fangzaun des Hüseyin Aygün Football Centers, sondern auch noch über die zweistöckige Häuserreihe dahinter. Joselu haderte daher auch mit sich, bekam aber sofort Zuspruch. „Macht nichts, ,Lu’“, sagte 96-Trainer Tayfun Korkut, „komm, mach weiter.“ Und Joselu machte weiter.

Es war eine Szene, die sich nahezu identisch vor einem halben Jahr schon einmal so abgespielt hatte. Damals war Joselu neu bei den „Roten“, Bad Radkersburg war sein erstes Trainingslager im 96-Trikot. Seinerzeit passten derartige Fehlversuche des Spaniers ins Bild: Er traf vieles, aber nicht das Tor. Erste Zweifel an seiner Klasse kamen auf. Es hagelte Kritik, und als er sich in einem Testspiel auch noch eine höchst überflüssige Rote Karte einhandelte, war die Schublade für den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte (5 Millionen Euro) bereits geöffnet. Nun, sie wurde ganz schnell wieder geschlossen.

Forsch auf dem Platz, zurückhaltend im Gespräch

Zwischen dem Trainingslager in Österreich und dem jetzigen, seinem ersten in der Türkei, liegt nur ein halbes Jahr. Für Joselu liegen jedoch Welten dazwischen. In Hannover ist er längst über jeden Zweifel erhaben. Der 24-Jährige ist ein kompletter Stürmer, er ist Torjäger, Leistungsträger und Publikumsliebling.

Joselu sitzt im feudalen Mannschaftshotel Titanic, und er kann sich bestens an die Zeit in Bad Radkersburg erinnern. Während er über den Fehlschuss vom Dienstag herzhaft lachen kann, gesteht er, dass die damalige Torflaute schon an ihm genagt habe. Aber, sagt der Angreifer, er habe stets das Vertrauen des Trainers gespürt. „Er versucht immer, mir zu helfen.“

Joselu geht sogar noch weiter: „Er ist auch ein Grund dafür, dass ich überhaupt nach Hannover gekommen bin. Der Trainer ist eine wichtige Bezugsperson für mich.“ Mit der oft strengen Art des 40-Jährigen, der perfekt Spanisch spricht, hat der Stürmer keinerlei Probleme: „Das ist normal“, sagt er. „Er ist der Chef.“ Dieser Chef vertraut ihm. Und das hilft Joselu ungemein, wie er sagt.

Auch sonst scheint für ihn derzeit alles zu passen in Hannover. Wer den 24-Jährigen im täglichen Umgang mit der Mannschaft erlebt, der merkt schnell: Joselu fühlt sich richtig wohl. Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen, macht gern mal einen Spruch und neckt sich mit seinen Mitspielern – er ist eben eine Frohnatur. „Wir haben eine super Mannschaft“, sagt er. „In jeder Hinsicht, sowohl kameradschaftlich als auch sportlich.“ Darum ist er auch sicher, dass 96 einiges erreichen kann in dieser Saison. „Es kommt viel auf einen guten Start an. Nach der englischen Woche zu Beginn wissen wir mehr“, sagt er.

So geradlinig und forsch Joselu auf dem Platz zur Sache geht, so zurückhaltend, geradezu vorsichtig formuliert er seine persönlichen Ziele. Dabei hätte er allen Grund, seine Vorhaben offensiver zu verkünden. Aber das ist nicht die Art des sympathischen Galiciers, der in Stuttgart geboren ist. „Na klar möchte ich noch viele Tore schießen“, sagt er und fügt etwas an, was jeder Spieler einfach sagen muss: „Wichtig sind drei Punkte für unsere Mannschaft. Egal, wer die Tore dafür schießt.“

Ein absoluter Teamplayer

Etwas, das er verinnerlicht zu haben scheint. Joselu ist ein absoluter Teamplayer. Keiner, der sich vorne reinstellt und auf Bälle wartet. Er hilft auffallend oft in der Defensive aus und ist eigentlich immer anspielbar. Wie er dann den Ball mit dem Rücken zum Tor auch unter größter Bedrängnis verarbeitet und weiterspielt, das ist große Klasse.

Jetzt ist er drauf und dran, seinen eigenen Bundesligarekord zu erhöhen. Zwei Saisontore fehlen ihm noch, um seine Bestmarke vom vergangenen Jahr einzustellen. Da traf er neunmal für Eintracht Frankfurt. Niemand dürfte ernsthaft daran zweifeln, dass er das locker schafft. Fehlschüsse im Trainingslager hin oder her.

Joselu über...

  • ... sein herausragendes Kopfballspiel: „Ich trainiere es nicht extra. Natürlich helfen mir meine 1,92 Meter dabei. Irgendwie ist mir das angeboren.“
  • ... die spanische Nationalmannschaft: „Ich habe aktuell keinen Kontakt zum Nationaltrainer. Ich mache mir auch keinen Kopf darüber. Es ist klar, dass ich gern für Spanien spielen will, aber derzeit ist nur 96 in meinem Kopf. Wir wollen uns jetzt gut vorbereiten und eine gute Rückserie spielen. Mal sehen, für was es am Ende reicht.“
  • ... seine Torflaute: „Ein Stürmer wird immer kritisiert, wenn er nicht trifft. Aber es gibt solche und solche Tage. Man muss an sich glauben, und man muss auch Vertrauen von Trainer und Verein spüren.“
  • ... seine Frohnatur: „Ich lache gern. In unserer Mannschaft gibt es viele, mit denen ich Spaß haben kann.“
  • ... seine Heiratspläne: „Ich bin mit meiner Freundin Melanie Canizares seit dreieinhalb Jahren zusammen. Irgendwann wollen wir sicherlich heiraten, aber das hat noch Zeit. Jetzt ist Lars Stindl erst mal an der Reihe.“
  • ... das Essengehen in Hannover beim Spanier oder Galicier: „Es gibt hervorragende Restaurants, und es schmeckt auch gut. Aber nicht so gut wie zu Hause bei meiner Mutter.“
Hannover 96 96-Testspiel - Prib im Pech

Das erste Testspiel im Trainingslager in der Türkei wurde zu einer Schlammschlacht. Am Ende reichte es für beide Teams nur zu einem müden 0:0. Pechvogel der Partie war 96-Spieler Edgar Prib. Er musste bereits in der ersten Hälfte verletzt vom Platz. Ob er für längere Zeit ausfällt, ist noch unklar.

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