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Zermürbungstaktik in den Karpaten

Mountainbike-Rennen Zermürbungstaktik in den Karpaten

Hart, härter, Beskidy-Trophy: Sieben Mountainbiker aus der Eulenexpress-Gruppe des RSC Wanderlust Peine kämpften beim viertägigen Etappenrennen durch Polen, Tschechien und die Slowakei mit fiesen Stein-Abfahrten, schmierigen Anstiegen, rutschigen Wurzeln und Pfützen, die mitunter über das Ritzelpaket der Gangschaltung reichten.

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Fiese Abfahrt: Frank Eggert scheppert über Steine und Wurzeln. Da tut der Hintern schon vom Zugucken weh.

Doch die Eulenexpress-Mountainbiker hatten eine Geheimwaffe dabei – auch dank der Verpflegung und Motivationskünste ihrer Betreuerin Kathrin Grochla an der Strecke quälten sich Olaf Flechtner, Monika Janzen, Frank Eggert, Marko Truschel und Jana Kalbertodt erfolgreich ins Ziel der Langstrecke mit 291,5 Kilometer und 10.823 Höhenmetern.

Marie Peukert meisterte 211 Kilometer mit 7.550 Höhenmeter. Dass die Veranstalter so etwas Kurzstrecke nennen, darüber muss jeder Otto-Normal-Radler schmunzeln. „Die Beskidy war mal wieder ein krasses Erlebnis. Besonders die steilen Auffahrten, die man teilweise nur schiebend überwinden konnte, brachten mich an meine körperlichen Grenzen. Aber auch die megalangen Abfahrten waren nicht ganz ohne“, bilanzierte Monika Janzen.

700 Fahrer aus 27 Nationen wühlten mit den Peinern im Schlamm und kraxelten Anstiege hoch. Die Tort(o)ur war verteilt auf vier kompromisslose Tagesetappen in den Ost- und Westkarpaten. Marko Truschel glaubte, die Streckenplaner durchschaut zu haben: „5 Meter hoch, 3 Meter runter und wieder 6?Meter hoch und 5 Meter runter. Ohh, eine Schiebepassage – ich verstehe, alles reine Zermürbungstaktik.“

Die Eulenexpress-Mountainbiker kämpften tapfer. Über jede noch so kleine Asphaltpassage freuten sich die Fahrer wie Kinder über hellblaues Schlumpf-Eis. Alle Etappen starteten in Istebna in Polen, wo sich auch die Wanderlust-Fahrer eine Hütte als Quartier gemietet hatten. Olaf Flechtner meisterte die 291,5 Kilometer als schnellster Eulenexpress-Mountainbiker. 21:44 Stunden benötigte er. Das bedeutete Platz 135 in der Gesamtwertung und Platz 6 in der Altersklasse. Seine Erkenntnis nach vier Tagen: „Ich hasse nasse Wurzeln!“

Monika Janzen und Frank Eggert machen nicht nur privat gemeinsame Sache – sie fuhren auch das Rennen diesmal Seite an Seite. Nach 23:36,47 Stunden finishten sie – allerdings im Schneckentempo. Denn: In der letzten Steilabfahrt stürzte Eggert auf Schotter und schlug sich das Knie blutig. „Der anschließende Besuch beim Sani ließ mich meinen Körper mehr fühlen, als mir lieb war“, verdeutlichte Eggert. Doch das Trostpflaster bekam er bei der Siegerehrung geklebt. Überraschend hatten es die beiden Peiner in der Mixed-Teamwertung mit Gastfahrer Wolf-Dieter Brandt zu Bronze geschafft. „Dass am Ende mit unserem Motto ‚Erlebnis vor Ergebnis’ ein Podestplatz bei einem UCI-Event raussprang, freute mich tierisch“, betonte Eggert.

Nur zwei Ränge hinter Monika Janzen und Frank Eggert landete Marko Truschel in der Gesamtwertung. Mit 23:40 Stunden sprang Platz 208 heraus. Jana Kalbertodt fuhr nach 24:36 Stunden überglücklich ins Ziel. Unterwegs hatte sie noch launig gehadert: „Hätte ich mich auch nur einen Moment daran erinnert, wie schmerzhaft es beim letzten Mal war, ich hätte mich nicht wieder angemeldet!“

Pech hatte dagegen Martin Briegnitz, der wegen eines technischen Defekts auf Etappe 3 die Schluss-Etappe nur noch betrübt als Zuschauer verfolgte und in Gedanken mehrmals haderte: „Ach, wie schön wären jetzt zwei funktionierende Pedale!“ Ihre anfängliche Nervosität hatte Marie Peukert auf der abgespeckten 211-Kilometer-Strecke bald abgelegt. „Im Startblock dachte ich noch: Hilfe, ich brauch? ne Kotztüte.“ Doch dann strampelte sie nach 18:03 Stunden glücklich ins Ziel. Geschafft!cm

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