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Vechelde wird in die Bezirksliga gezwungen

Fußball-Urteil Vechelde wird in die Bezirksliga gezwungen

Mit einem grimmigen Gesicht mit hochrotem Kopf kann man seit kurzem im Internet bei Facebook Texte symbolisch kommentieren. Das Wütend-Symbol drückten gestern zahlreiche PAZ-Leser, die dort unsere Meldung „Urteil ist da: Tiefschlag für Vechelde“ gelesen hatten.

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In den Bezirksliga-Spitzenspielen gegen Vahdet Salzgitter (rot) gewann Dennis Scharenberg (grüne Hose) mit dem SV Arminia Vechelde zu Hause mit 4:2. Das Rückspiel verloren die Vechelder 1:2 - und verloren nun am grünen Tisch auch den Titel an Vahdet.

Quelle: Foto:Ulrich Attermeyer

Das Verbandssportgericht hat Fußball-Bezirksligist Arminia Vechelde sechs Wochen nach Saisonende noch Titel und Landesliga-Aufstieg entrissen, weil es nachträglich ein Spiel für Arminia-Verfolger Vahdet Salzgitter mit 5:0 wertete. Die Vechelder sind nun aufgrund der Tordifferenz nur noch Zweiter und Trainer Thomas Mühl bitter enttäuscht: „Wir hatten die Hoffnung, dass die Gerechtigkeit siegt.“

Das Verbandssport-Gericht verhandelte Donnerstagabend darüber, ob der Schiedsrichter das hitzige Verfolger-Duell zwischen Union Salzgitter und Vahdet Salzgitter am 22. Mai zu Recht in der 88. Spielminute beim Stand von 2:2 abgebrochen hatte, weil er sich von einem Union-Spieler bedroht fühlte. Er handelte korrekt, urteilten die Richter und kassierten damit ein vorheriges Urteil des Bezirkssportgerichts. Das hatte Mitte Juni noch ein Wiederholungsspiel angeordnet. Weil Vahdet dagegen Revision eingelegt hatte, musste nun die höhere Instanz entscheiden.

Für die erneute Beweisaufnahme hatten die Richter den Schiedsrichter sogar per Internet-Videokonferenz aus dem Urlaub in England zugeschaltet und befragt. Er musste erneut schildern, was passiert war, als ein Union-Spieler in der Schlussphase sich bei ihm massiv wegen einer Rote Karte gegen einen Teamkollegen beschwert hatte und den Schiedsrichter sogar im Gesicht anfasste. „Der Schiedsrichter hat ganz klar angegeben, dass das der Grund dafür war, warum er das Spiel abgebrochen hatte. Das wurde auch von seinem Linienrichter bestätigt“, erläuterte der Verbandssportgerichts-Vorsitzende Jörg Firus. Das Anfassen im Gesicht hatte das Bezirkssportgericht noch als nicht ausreichend für einen Spielabbruch gewertet, weil Kraft Definition keine Tätlichkeit gegen den Schiri vorgelegen habe. Muss es für einen Spielabbruch auch nicht, korrigierten die Verbandsrichter. „Wenn zum Beispiel ein Spieler dem Schiedsrichter die Hose runterzieht, liegt auch keine Tätlichkeit vor, einen sofortigen Abbruch rechtfertigt es dennoch. Die Drohkulisse deckt die Entscheidung ganz klar“, erläuterte Firus. Da Union den Spielabbruch verschuldet hat, habe das Verbandssportgericht laut Paragraf 37 der Spielordnung die Partie mit 5:0 für Vahdet werten müssen.

Für diese Entscheidung hat Vecheldes Trainer Thomas Mühl kein Verständnis. Er sieht Vahdet sehr wohl am Spielabbruch beteiligt. „Die Mannschaft von Union ist nicht alleine schuldig. In das Urteil hätte einfließen müssen, dass Spieler, Trainer und die Anhänger von Vahdet mitbeteiligt waren, weil sie sich nicht benommen und Hitzigkeit in die Situation reingebracht haben“, meint Mühl.

Dass Arminia Vechelde nun am grünen Tisch noch Meisterschaft und Aufstieg verlor, weil sich zwei andere Vereine vor Gericht stritten - das tat am Ende sogar Verbandsrichter Firus leid. So etwas habe er in seiner Tätigkeit bisher auch noch nicht erlebt. „Unsere Spielordnung ist für eine Vielzahl von Fällen gemacht, in den meisten Fällen gibt es auch ein gutes Ergebnis. Doch selbst wenn man sich sportlich etwas nicht unbedingt wünscht, dürfen wir deshalb nicht einfach eine Regelung nicht anwenden. Damit wären der Willkür sämtliche Tore geöffnet“, sagte er.

Arminia hat nur noch eine Mini-Chance auf die Landesliga:

Die Arminia hatte bereits einen Antrag gestellt, aufgrund der unglücklichen Situation notfalls auch als Zweiter in die Landesliga aufsteigen zu dürfen. Dieses Anliegen lehnt der Bezirksfußball-Verband jedoch ab: „Auch wenn die Situation mehr als unglücklich ist, es gibt keine rechtliche Grundlage dafür. Wenn wir diesem Antrag stattgeben, haben wir gleich die nächsten Verfahren am Hals“, erläuterte der Bezirksvorsitzende Egon Trepke auf PAZ-Anfrage.

Teams könnten sich zum Beispiel darüber beschweren, dass es in der bevorstehenden Saison kurzfristig mehr Absteiger gibt. Und der Bezirksspielausschuss-Vorsitzende Jörg Zellmer ergänzte: „Der Verband möchte keinen Präzedenzfall schaffen. Sonst kommt zum Beispiel auch der SSV Kästorf. Der hat ja in der Bezirksliga 1 27 Spieltage die Tabelle angeführt und ist am letzten Spieltag noch auf Platz zwei abgerutscht.“

Auch eine Revision gegen das Pro-Vahdet-Urteil ließ das Verbandssportgericht übrigens nicht zu. Nur, wenn Union Salzgitter eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde einreicht, könnte das Verfahren noch einmal aufgerollt werden. Doch das plant Union Salzgitter laut PAZ-Informationen nicht. Zu teuer, zu aufwändig.

Eine Mini-Chance könnte es vielleicht noch geben. Das Bezirkssportgericht wird noch über mögliche Strafen für Schlägereien urteilen, die sich nach dem Spielabbruch im Union-Stadion abgespielt haben sollen. Laut Rechts- und Verfahrensordnung könnten dafür nicht nur Geldstrafen und Sperren ausgesprochen werden, sondern auch Punkt- und Torabzug verhängt werden. Kassiert Vahdet so eine Strafe, könnte Vechelde wieder auf Platz eins rutschen.

So oder so: Die Arminia hat einen Rechtsanwalt kontaktiert und behält sich offen, nach Wegen zu suchen, doch noch in die Landesliga aufzusteigen.

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