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Vater gegen Sohn, zweiter Teil

Auswirkungen des Bundesligaspiels Eintracht gegen Dortmund Vater gegen Sohn, zweiter Teil

Das Bundesligaspiel Eintracht gegen Dortmund ist für Michael und Ronnie Heinrich ein Familien-Duell

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Beim Tipp-Kick-Spielchen machten sich die Peiner Ronnie Heinrich (links) und Vater Michael warm fürs heutige Bundesliga-Duell zwischen ihren Lieblingsteams. Schal und Trikot gehören dazu. „In meine Kutte von früher passe ich aber nicht mehr“, verriet Eintracht-Fan Michael Heinrich.

Quelle: im

Von Christian Meyer

Die Ronnies haben es Michael Heinrich angetan. Ronnie Wood, weil der Gitarrist so unvergleichlich mit den Rolling Stones rockt, Ronnie Hellström, weil der in den Siebzigern so bärenstark in Kaiserslauterns Tor parierte und Stürmer Ronnie Worm, weil der mit seiner linken Klebe maßgeblich dazu beitrug, dass Eintracht Braunschweig nach dem Abstieg aus der 1. Liga prompt in der Saison 80/81 gleich wieder aufstieg. Als Michael Heinrich vor 30 Jahren Vater wurde, war deshalb klar, wie der Peiner Eintracht-Fan seinen Sohn nennen würde: Ronnie! Heute Abend würde er Ronnie im übertragenen Sinne aber gerne eines auf die Mütze geben: Sein Sohn ist nämlich Borussia-Dortmund-Fan geworden.

Wie konnte das nur passieren? Nein, Michael Heinrich macht sich keine Vorwürfe, dass sein Sohn auf Schwarz-Gelb statt Blau-Gelb schwört. „Damals, als er anfing sich für Fußball zu interessieren, waren die Argumente für die Eintracht einfach nicht da. Die Kids waren doch auf Bundesliga-Fußball fixiert“, erinnert sich der Hobby-Musiker. Im Oberhaus spielte die Eintracht in den 90ern nunmal nicht mehr, der Glanz der 70er und 80er war verblasst. Also lud er seinen Sohn zu einem Champions-League-Spiel in Bremen ein. Werder verlor 0:5 gegen Porto und Ronnie Heinrich dachte sich: „Mal gucken, ob es nicht doch noch etwas besseres gibt.“

Ja, das gab es. Als der damals 12-Jährige an einem Freitagabend im November 1996 zum ersten Mal das Westfalenstadion in Dortmund betrat, „war es um mich geschehen“. Die Stimmung in der größten Arena der Bundesliga bescherte ihm Gänsehaut. Inzwischen hat der kaufmännische Angestellte eines Versicherungsunternehmens 193 BVB-Spiele besucht, 22 Stadien gesehen, den Peiner BVB-Fanclub „Fuhsespacken“ mitgegründet, seit mehr als zwölf Jahren eine Dauerkarte und umarmte sich mit wildfremden Menschen auf der Tribüne nach dem Malaga-Champions-League-Drama mit dem Sieg-Tor in der Nachspielzeit, als viele das Stadion schon verlassen hatten. Vater Michael respektiert die Leidenschaft. „Wichtig war nur, dass er kein rotes Trikot trägt“, spielt er schmunzelnd auf die Rivalität seiner Eintracht mit Hannover 96 an.

Nach 28 Jahren Braunschweiger Erstliga-Abstinenz konnten die Heinrichs im August nun endlich ihr erstes langersehntes Familien-Duell besuchen. Die Eintracht verlor in Dortmund zwar 1:2, doch Michael Heinrich fühlte sich trotzdem irgendwie als Sieger. „Das war ein knappes Ding, damit hatte keiner gerechnet. Die Atmosphäre war klasse, die Eintracht zurück in der Bundesliga - das war ein Gefühl wie von 0 auf 100!“

Der ehemalige Bezirksklassen- und Kreisliga-Fußballer des TSV Hohenhameln hatte schließlich schon miterlebt, wie seine Eintracht im Mai 2008 gegen die zweite Mannschaft des BVB gegen den Absturz in die Viertklassigkeit kämpfte. Der 2:0-Sieg ist bis heute das emotionalste Eintracht-Spiel, dass der Fertigungsplaner je durchlebte.

Spannend darf es auch heute Abend gerne werden. „Wir können eigentlich nur verlieren“, spricht Ronnie Heinrich auf die Favoritenrolle seiner Dortmunder an. Der Ex-Fußballer des TV Klein Ilsede tippt auf einen erneuten 2:1-Sieg. Sein Papa hofft auf eine Überraschung: „Wenn wie im Hinspiel die Heimmannschaft 2:1 gewinnt, wäre für mich alles in Ordnung. Aber realistisch gesehen, muss ich wohl eine knappe Niederlage erwarten.“

12 Stück gab es davon für das Schlusslicht in dieser Saison schon. Michael Heinrich macht es trotzdem noch Spaß, von seinem Platz im Block 5 der Südkurve die Eintracht-Spiele zu verfolgen. „Früher waren wir stolz, wenn mal 10 000 Fans da waren, jetzt ist das Stadion immer voll. Und wenn man ehrlich ist, war das Abschneiden so ja auch zu erwarten. Was ich klasse finde ist, dass die Fans trotzdem noch so hinter ihrer Mannschaft stehen“, sagt der 51-Jährige. Und egal, wie die Partie heute ausgeht. „Ronnie und ich werden ein Bierchen zusammen trinken.“

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