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Uwe Seeler: „Ich habe gute Erinnerungen an Peine“

Interview mit dem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft Uwe Seeler: „Ich habe gute Erinnerungen an Peine“

Am Sonnabend ist die Uwe-Seeler-Traditionself in Peine zu Gast. Sie spielt mit vielen Ex-Nationalspielern wie Uwe Bein, Frank Mill, Klaus Fischer oder auch Matthias Herget auf dem Jahn-Platz gegen die Altherren des MTV Peine. Anpfiff ist um 17 Uhr.

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Uwe Seeler

Quelle: mc

Der Namensgeber der Traditionself spielt zwar nicht mehr selbst, wird aber als Delegationsleiter ebenfalls auf den Jahnplatz kommen. „Ich habe gute Erinnerungen an Peine“, verrät der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft im Interview.

In Peine ist das DFB-Pokalspiel des VfB gegen den Hamburger SV aus dem Jahr 1960 immer noch Gesprächsthema. Und die Szene, als Sie wegen des großen Andrangs von Autogrammjägern aus dem Fenster des VfB-Vereinsheims geklettert sind. Erinnern Sie sich noch an das Spiel?

Kaum. Das ist ja so lange her! Als das Spiel der Traditionself abgemacht wurde, habe ich daran jedenfalls nicht gedacht. Und zum Fenster: Man hat öfter mal Geheimwege. Die muss man manchmal nutzen.

Wie der frühere Fußballkreis-Vorsitzende Hennig Hofmann noch weiß, waren Sie schon 1954 im Kreis Peine zu Gast. Kurz nach Ihrem Länderspiel-Debüt gegen Frankreich haben sie bei einer Versammlung des Kreisverbandes die Ehrungen übernommen.

Daran habe ich leider keine Erinnerungen mehr. Aber ich habe soetwas gern gemacht, wenn es die Zeit erlaubte. Später war ich häufig in Peine bei Willy Kipar* zu Besuch, und auch weil ich geschäftlich in der Stadt zu tun hatte. Es waren nette Gespräche und Abende in freundschaftlicher Atmosphäre. So einen Beziehungspunkt in Peine habe ich heute aber nicht mehr.

Sie sind im Alter von jetzt 77 Jahren immer noch viel unterwegs. Wie oft pro Jahr begleiten Sie die Traditionself?

Das kommt auf den Terminkalender an. So oft ich kann auf jeden Fall. Peine zum Beispiel ist ja nicht weit weg von Hamburg. Da lässt es sich einfacher einrichten. Ich freue mich jedenfalls immer, wenn ich die Kollegen wiedersehe. Es ist ja nicht nur das Spiel, sondern auch das Hinterher. Wir treffen uns und haben Spaß. Das ist wichtig. Wenn wir den Spaß nicht hätten, hätten wir etwas verkehrt gemacht.

Sie hatten vor knapp vier Jahren unverschuldet einen schweren Autounfall. Beeinträchtigen Sie die Folgen heute noch?

Ich bin immer noch in Behandlung. Ich habe einen Titan-Einsatz an der Wirbelsäule. Aber ich kann sitzen und stehen. Gewisse Dinge darf ich der Wirbelsäule nicht mehr zumuten, zum Beispiel darf ich leider keinen Sport mehr ausüben. Aber letztlich bin ich zufrieden, wie verhältnismäßig glimpflich der Unfall ausgegangen ist. Wie sagt man: Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“

Kommen wir zum HSV: Wie sehr sind Sie erleichtert, dass der Bundesliga-Abstieg vorerst vermieden wurde und die Relegationsspiele erreicht sind?

Mir blieb ja nichts anderes übrig, als passiv die Daumen zu drücken. Es war für den HSV ein Glücksumstand, dass die Konkurrenten verloren haben. Und die Spiele gegen Greuther Fürth werden nicht einfach. Aber ich bin optimistisch und sage: Der HSV schafft es. Ich hoffe jedenfalls, dass die Mannschaft am Donnerstag beim Hinspiel in Hamburg schon einmal ein Zeichen setzt.

Aktuell gibt es die Nachricht, dass Hakan Calhanoglu zu Bayer Leverkusen wechseln könnte.

So wie ich ihn kenne, wird er sich unabhängig davon in den Relegationsspielen zerreißen. Danach muss man sehen, was passiert. Rechnen muss man mit so etwas immer.

Woran liegt die HSV-Misere, und was muss sich ändern?

Die Fehler liegen schon Jahre zurück. Und ändern muss sich sehr viel. Auch personell.

Abschlussfrage: Im Fernsehen machen Sie Werbung für Werkzeug und sind mit einem Hammer zu sehen. Schlagen Sie zu Hause denn auch einen Nagel in die Wand oder haben Sie eher zwei linke Hände?

Einen Nagel einzuschlagen oder auch mal eine Glühbirne zu wechseln, das kriege ich hin. Wir sind ja noch so aufgewachsen, dass wir vieles selbst gemacht haben.

Interview: Matthias Preß

* Willy Kipar hat sich als erfolgreicher Trainer mehrerer Fußballmannschaften einen Namen gemacht. Unter anderem führte er die SG Adenstedt 1959 in die Amateuroberliga und trainierte den VfB Peine viele Jahre.

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