Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Textil war nichts für den Bob-Weltmeister

Interview mit Anschieber Thorsten Margis Textil war nichts für den Bob-Weltmeister

Der Olympionike besuchte seine frühere Grundschule in Adenstedt. Im Interview spricht er über Grundschul-Stühle, 240-Kilo-Kniebeugen und das Fernsehprogramm.

Voriger Artikel
Lengede ist „in allen Belangen überlegen“
Nächster Artikel
Ohne sieben gegen den Landesligisten

Im Vollsprint: Thorsten Margis (hinten) und Pilot Francesco Friedrich schieben ihren Zweier-Bob bei der WM in Winterberg an.

Quelle: Ina Fassbender

Einen eigenen Eintrag im Internet-Lexikon Wikipedia hat er inzwischen, der Fernsehsender MDR hat ihn und seinen Piloten für den TV-Preis „Goldene Henne“ nominiert und die Leser der Sächsischen Zeitung kürten Anschieber Thorsten Margis mit seinem Bobteam zur „Mannschaft des Jahres“: Seitdem der einstige Zehnkämpfer der LG Peiner Land im März mit seinem Piloten Francesco Friedrich zum Zweierbob-Weltmeistertitel raste, ist er noch bekannter. Nun besuchte der Olympionike von Sotschi seine frühere Grundschule in Adenstedt, um Kindern von seinem Sport zu berichten. PAZ-Sportredakteur Christian Meyer nutzte die Gelegenheit und sprach mit dem 26-jährigen Kraftpaket über Grundschul-Stühle, Kniebeugen mit 240 Kilo Gewicht auf der Hantelstange und das Fernsehprogramm.

Thorsten, für einen Wintersportler sehen Sie aber gut gebräunt aus.

Ich komme ja auch gerade aus dem Gran-Canaria-Urlaub. Seit April war ich wieder voll im Training und im Studium. Jetzt war ich total platt und brauchte mal Urlaub. Ich bin ein wenig gesurft und habe mich erholt, aber ein paar Sprünge am Strand mussten dann doch sein.

Für das Ilseder Ferienprogramm haben Sie ihre frühere Grundschule in Adenstedt besucht. Passt ein 102-Kilo-Koloss eigentlich noch auf einen Stuhl für Grundschüler?

Überraschenderweise ja. Das war gar nicht so unbequem, nur, dass meine Knie halt fast an den Ohren waren (lacht).

Woran erinnern Sie sich gerne zurück aus ihrer Grundschul-Zeit in Adenstedt?

Eigentlich habe ich nur gute Erinnerungen. Ein wenig faul in der Schule war ich allerdings damals schon, und in den Pausen hatte ich immer den großen Drang, mich zu bewegen. Ich bin reichlich umher gerannt. Sport war mein Ding, Textiles Gestalten eher nicht so.

Was wollten die Ilseder Kinder denn bei ihrem Besuch so von Ihnen wissen?

Wie man mit dem Bob bremst zum Beispiel. Oder ob ich mich in den Kurven mitbewege oder nur still im Schlitten sitzen. Ich habe den Kindern auch ein paar Videos gezeigt - und ich glaube, es hat sie nicht gelangweilt.

Sie haben das ja auch clever angestellt, Sie hatten ihren Weltmeister-Pokal von der Bob-WM in Winterberg dabei. Das hat doch sicherlich Eindruck gemacht.

Da haben die Jungs doch ganz schön gestaunt. Und der Blick war so, dass ich überzeugt bin, dass das nicht gespielt war. Anfassen durften sie den Pokal natürlich auch mal.

Sie haben ein cooles 3:24-Minuten-Video ihrer vergangenen Saison zusammengeschnitten. Dort ist auch schön zu sehen, dass ein guter Bobsportler mehr können muss, als den Schlitten durch den Eiskanal zu lenken. Sie stemmen ja ganz schön viele Gewichte.

Starke Beine und ein starker Hintern sind für die Startphase extrem wichtig. Aus dieser Partie beschleunigen wir schließlich den Schlitten. Gerade aus den Oberschenkeln drücken wir den Bob in dieser Phase am meisten. Für uns steht demnächst ein zentraler Leistungstest unseres Verbandes an. In der Vorbereitung dafür habe ich gerade zum Beispiel Kniebeugen mit 240 Kilo Gewicht gemacht oder stemme 90 Kilo im Reißen. Außerdem absolvieren wir viele Sprünge und 30-Meter-Sprints aus dem Stand oder fliegend.

Auch ihr Pilot Francesco Friedrich ist in dem Video mit freiem Oberkörper zu sehen. Das nennt man, glaube ich, durchtrainiert.

Was die Athletik angeht ist Franz den anderen Piloten um Lichtjahre voraus. Beim Test hat er selbst uns Anschieber wieder in den 30-Meter-Sprints geschlagen. Der kann richtig treten. Für uns als Team ist das viel Wert, wenn auch der Pilot so fit ist.

Als ehemaliger Zehnkämpfer werden Sie sicherlich interessiert die Leichtathletik-WM verfolgen, die Sonnabend startet. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Hmh, mit der Leichtathletik ist das ja so eine Sache. Nach den ganzen Doping-Enthüllungen der vergangenen Tage habe ich leider das Gefühl, die geht gerade richtig vor die Hunde. Trotzdem: Gerade meinen Trainingspartnern aus Halle drücke ich natürlich die Daumen und fiebere mit, wenn Jennifer Oeser im Mehrkampf startet, Cindy Roleder über die Hürden oder Rico Freimuth und Michael Schrader im Zehnkampf. Es ist schon schön, mit Athleten dieses Niveaus zu trainieren, das spornt auch an.

Und endlich mal nicht nur Fußball im Fernsehen...

Die Sportsendungen bei ARD und ZDF könnte man auch in Fußball-Sendungen umtaufen. Das ist echt nervig, von der Basketball-EM zum Beispiel sieht man vermutlich so gut wie nichts und bei der Leichtathletik nur was über das Thema Doping, aber wenig über die Arbeit der Athleten, die sich für ihren Sport so den Hintern aufreißen. Ich bin überzeugt davon, dass man mit Hintergrund-Infos und der Vorstellung der Charaktere jeden Sport interessant rüber bringen kann. Mein Eindruck ist, die Sender sind zu einfallslos und faul dafür.

Sie dürfen nicht faul sein, im November startet schon der Bob-Weltcup. Freuen Sie sich schon auf den Winter?

Ja, selbstverständlich. Wir sind zwar viel unterwegs, aber ich bin jetzt schon sehr gespannt darauf, die ersten Startzeiten im Vergleich zu den anderen Teams zu sehen, um zu wissen, wo man steht. Ich hoffe, dass wir diese Saison auch im Viererbob gesund durchkommen. Als Weltmeister im Zweier und Vierter im Vierer haben wir schon den Anspruch, wieder vorne mitzufahren.

Das von Bob-Weltmeister Thorsten Margis geschnittene Video gibt es im Internet zu sehen: www.facebook.de/peinerallgemeine

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport in Peine