Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Sein Herz schlägt für Peine und zwei Vereine

Sport Sein Herz schlägt für Peine und zwei Vereine

Wie leidenschaftlich verbunden Izamettin Dagasan mit dem SV Bosporus Peine ist, lässt sich am besten mit der jüngsten Zittersaison der Fußballer des Klubs belegen. Nach Jahren auf Bezirksebene stieg der SV in der Kreisliga ab. „Und ich konnte eine Woche lang nicht richtig schlafen“, erzählt Dagasan, der 1986 zu den Gründungsmitgliedern des ersten Peiner Vereins mit türkischen Wurzeln zählte.

Voriger Artikel
Jahn-Mädchen spielen sich an die Tabellenspitze
Nächster Artikel
Drei Torwart-Tore: Bildung weiter

Beim Kaffee trifft man ihn häufig im Bosporus-Vereinsheim: Izamettin Dagasan hat mehrere Trikots seines türkischen Heimatklubs Sivasspor. Die 58 ist übrigens das türkische Autokennzeichen für die anatolische Stadt Sivas, aus der Dagasan stammt.

Quelle: cb

Morgen Abend feiert der SV Bosporus gemeinsam mit Gästen aus Politik und Sport seinen 25. Geburtstag im Melody-Event-Center. Rund 300 Besucher werden erwartet – und Izamettin Dagasan freut sich schon riesig auf die Feier. Die Musik, die Gespräche, das Essen, zu dem seine Frau Fadime köstliche Börek-Teigtaschen beitragen werde... „Eigentlich habe ich Nachtschicht, aber ich habe bereits vor einem Monat geklärt, dass ich freibekommen kann“, sagt der Logistik-Arbeiter des Autozulieferers Faurecia.

Urlaub nimmt Izamettin Dagasan nur bei ganz wichtigen Dingen – zum Beispiel, wenn sein türkischer Lieblingsklub Sivasspor in der „Süper Lig“ ein brisantes Spiel bestreitet, dass er unbedingt im Fernsehen live sehen muss. Hat Sivasspor spielfrei, engagiert sich Dagasan in seinem deutschen Verein, dem SV Bosporus. Er ist einer von sechs Fußballschiedsrichtern des Klubs. „Seit ich die Schiri-Prüfung gemacht habe, bin ich als Spieler viel ruhiger auf dem Platz geworden.“ Und: Er kreidete schon den Platz der Peiner ab, hängte die Tornetze auf, sorgt als Ordner dafür, dass am Spielfeldrand alles in gesitteten Bahnen abläuft. Im Vorstand arbeitet er mit, organisiert und betreut den derzeitigen Klubheim-Umbau in der Braunschweiger Straße und feuert die Fußball-Mannschaft bei Ereignissen wie dem PAZ-Cup oder der Stadtmeisterschaft mit kräftigen Schlägen auf die Trommel und Pauke an.

Wer Izamettin Dagasan trotzdem noch nie gesehen hat, hat vielleicht schon sein Auto bestaunt. Ein rot-weißer Fanschal von Sivasspor hängt an der Heckscheibe, die er zudem mit einem Klebe-Schriftzug verschönert hat: „Gönüelerin Sampiyonu Sivasspor!“ Frei übersetzt heißt das: „Mein Meister des Herzens“.

Die Liebe zu Sivasspor lässt sich ganz einfach erklären. Izamettin Dagasan stammt aus Sivas, einer Stadt in Mittel-Anatolien. 1979 kam er mit seinen Eltern, seinen zwei Brüdern und Schwestern nach Peine. „Mein Vater hat Arbeit im Stahlwerk gefunden“, erzählt Izamettin Dagasan. Nur anfangs, als 14-Jähriger, fühlte er sich fremd und wunderte sich über den Ordnungsdrang der Deutschen.

„An meinem dritten Tag in Peine, bin ich mit meinen Brüdern zu dritt auf einem Fahrrad gefahren. Da hat uns die Polizei angehalten und gesagt, dass das nicht erlaubt ist. In der Türkei war so etwas doch ganz normal“, schildert Dagasan. Bei der Integration half der Sport. Der türkische Bub dribbelte in der Jugend für den VfB Peine. „Als Verteidiger schaffte ich es sogar vier Mal in die Bezirksauswahl“, erzählt Dagasan stolz. Für die VfB-Herren spielte Izamettin im Gegensatz zu seinem bekannten Fußball-Bruder Sadettin nie. Denn: Die Idee, die unter Peiner Türken 1986 bei einem Theken-Turnier reifte, gefiel ihm ausgezeichnet.

Sie gründeten einen eigenen deutschen Verein, den SV Bosporus Peine. „Mit Fußballern, die Vorbilder für viele waren, wollten wir die Südstadt-Kinder von der Straße holen“, schildert Tuncay Kaya, der zu den Mitbegründern zählte und sich noch heute im Vorstand engagiert.

Seit dem Gründungsjahr schnürt Izamettin Dagasan seine Fußball-Stiefel für Bosporus, feierte mit dem Team drei Aufstiege bis in die Kreisliga. „Vielleicht auch weil wir so gute Spieler hatten, war es in den ersten Jahren mit der Akzeptanz schwierig. Das ist inzwischen aber ganz anders“, freut sich Dagasan über ein gutes Miteinander der Peiner Vereine.

Ohnehin: „In Peine fühle ich mich sehr wohl. Es ist meine zweite Heimat. Es ist schön ruhig hier, und die Gemeinschaft in der Stadt ist gut“, sagt der Vater der Zwillinge Kadir und Arzu (13), „woanders möchte ich gar nicht mehr hinziehen.“

cm

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die besten Wettquoten für die Bundesliga gibt es bei SmartBets.