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Scorpions-Macher redet Klartext im Fan-Keller

Eishockey Scorpions-Macher redet Klartext im Fan-Keller

Ein regelmäßiger Blick aufs Handy musste sein: Marco Stichnoth erwartet in Kürze einen Neuzugang. Der kann zwar noch nicht einmal Schlittschuhlaufen, dennoch ist er ihm außerordentlich wichtig. Seine Frau ist hochschwanger. Trotzdem besuchte der designierte Sportliche Leiter des Eishockey-Erstligisten Hannover Scorpions Dienstagabend Fans in Edemissen. Er hatte geahnt, dass ihm dort mächtig Gegenwind ins Gesicht blasen wird.

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Rückten eng zusammen: Scorpions-Manager Marco Stichnoth (vorne links) war zu Gast beim Fanprojekt-Treffen in Edemissen. Gastgeber war Gunnar Bartels (auf dem hinteren Sofa Dritter von rechts), der Fan-Beirat bei den Scorpions ist.

Quelle: cb

Gunnar Bartels weiß, wie wichtig eine Aufwärmphase für Sportler ist. Der 30-jährige Scorpions-Fanbeirat aus Edemissen gönnte sie auch Marco Stichnoth. Rund 20 Minuten ließ er den prominenten Gast in seinem Partykeller auf unverfängliche Fragen antworten, die sich um die Vorbereitung, Testspiele oder den neuen Trainer Igor Pavlov drehten. Doch dann ging es ans Eingemachte und Stichnoth hatte ein Unterzahlspiel zu bestreiten, das es im Eishockey so nicht gibt - 1:16.

Die von den Scorpions angehobenen Dauerkarten-Preise entwickelten sich zum Hauptthema des Abends. Die Fans kritisierten die drastische Erhöhung für ermäßigte Eintrittskarten. Hatten Schüler, Rentner und Studenten dort bisher 143 Euro gezahlt, sollen sie künftig 280 Euro aufbringen. Stichnoth erklärte das mit dem schwierigen Spagat den der Klub zu absolvieren habe - attraktives Erstliga-Eishockey bieten, aber auch gesunde Finanzen haben. „Wenn wir die Halle aufschließen und das Licht anmachen sind schon 50000 Euro weg“, verwies er zum Beispiel auf die Betriebskosten für einen Spieltag in der Tui-Arena. Zuletzt habe sich die wirtschaftlich schlechte Lage zugespitzt. „Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, wo es mit Emotionen nicht mehr weitergeht, sondern nur noch rein kaufmännisch“, sagte Stichnoth, der einräumte, dass die Tickets in den vergangenen Jahren einfach zu günstig gewesen seien. Auch mit Selbstkritik sparte er nicht. „Das ist das Ergebnis meiner verfehlten Preispolitik. Mein Ziel war es, die Halle vollzukriegen und gerade nach unserer Deutschen Meisterschaft 3000 Dauerkarten abzusetzen. Das habe ich nicht erreicht.“

Stichnoth, bis vor kurzem noch Geschäftsführer der Scorpions, warb energisch um Verständnis und verdeutlichte den Ernst der Lage: „Wir wollen die Scorpions am Leben erhalten. Die Alternative dazu heißt Oberliga.“

Dass es höhere Eintrittspreise geben muss, darüber waren sich die Fans ja sogar einig. Ihnen ging es allerdings vor allem um die Erhöhung um gleich 100 Prozent bei den ermäßigten Tickets für Schüler. „Gerade die Jüngeren sollen doch Stimmung machen. Ich habe die Befürchtung, dass der U7-Block nicht mehr wie ein Fan-Block aussieht“, gab Bartels zu bedenken. Doch Stichnoth war nicht umzustimmen: „Änderungen wird es vorerst definitiv nicht geben“, sagte der designierte Sportliche Leiter, der sich fast zwei Stunden Zeit für die Fans in Edemissen genommen hatte.

Offen, ehrlich, geradlinig - trotz des heiklen Dauerkarten-Themas punktete der 46-Jährige bei den Fans, die spürten, mit wie viel Herzblut für den Klub er seine Aufgaben erledigt. Stichnoth erzählte zum Beispiel von seinem ersten Besuch beim ESC Wedemark, dem Vorgänger-Klub der Hannover Scorpions. „Das war 1977. Ich bin mit dem Klapprad zum Eisstadion gefahren. Der ESC spielte gegen Fass Berlin und ist später Regionalliga-Meister geworden.“ Und er verriet Persönliches: Fünffacher Vater ist Stichnoth. „Ich habe mehr Geburten als Meisterschaften mitgemacht“, scherzte er.

cm

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