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„Schiris müssen für Fehler anderer herhalten“

Interview „Schiris müssen für Fehler anderer herhalten“

Einer gegen alle – auf diese düstere Vision auf Peines Fußball-Plätzen hat Schiri-Lehrwart Michael Knigge keine Lust. Gewürgt, geschlagen, kritisiert: Nachdem im Berliner Amateurfußball die Gewalt gegen seine Kollegen stark zugenommen hat, kam der Vechelder auf die Idee, in Peine einen „Runden Tisch“ für Vereine und Schiedsrichter anzubieten.

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„Im Kreis Peine geht es uns Schiedsrichter vergleichsweise gut“: Lehrwart Michael Knigge.

Quelle: im

Donnerstag sollten beide Seiten sich in gemütlicher Runde austauschen – nur teilnehmen wollte erstaunlicherweise kaum ein Verein. Der erste Termin ist gestrichen. Sportredakteur Christian Meyer sprach mit Knigge über Gelbe Karten, Pressschläge und Ansetzungsprobleme.

Herr Knigge, der für Donnerstag geplante „Runde Tisch“ zwischen Schiedsrichtern und Vertretern der Peiner Fußball-Vereine aus der Kreisliga und Leistungsklasse fällt aus, weil sich nur drei Klubs angemeldet haben. Dabei hätte es doch sicherlich interessante Themen zu besprechen gegeben.
Sicherlich gibt es die, schließlich wird nach jedem Spiel Redebedarf angemeldet. Aber mal im Ernst: Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Und alles was man im normalen Leben beobachten kann, kann man auch im Fußball erleben. Als Beispiel möchte zwei Punkte nennen: Die Ellenbogenmentalität nimmt zu. Das andere was auffällt ist, dass es innerhalb der Mannschaften zu vermehrten Meckereien kommt und damit in einem Spiel wesentlich mehr Unruhe und Hektik aufkommt. Vor kurzem habe ich einem Spieler die Gelbe Karte gezeigt, weil er seinen Mitspieler ziemlich heftig angemacht hat. Das konnte der gar nicht verstehen. Dabei gilt Fair-Play für jeden auf dem Platz und auch gegenüber jedem.

Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Peines Schiedsrichtern, Spielern, Trainern und Vereinsfunktionären charakterisieren?
Grundsätzlich muss man sagen, im Kreis Peine geht es uns Schiedsrichtern vergleichsweise gut. Wenn ich in andere Kreise oder Verbände sehe, wo regelmäßig Schiedsrichter Opfer von körperlichen Attacken werden, dann ist bei uns die Welt noch in Ordnung. Aber es ist ein Trend erkennbar, dass die Gefahr eines Umbruches besteht. Und hier wollten wir eigentlich präventiv eingreifen und versuchen, mindestens den aktuellen Stand beizubehalten.

Nennen Sie doch einmal Beispiele, wo das Miteinander deutlich besser laufen könnte.
Ganz klar ist, wir Schiedsrichter müssen immer öfter für die Fehler anderer geradestehen. Keiner fragt nach dem Spiel, wie oft eine Mannschaft einen Fehlpass gespielt hat, keiner macht den Stürmer an, wenn er dreimal das leere Tor nicht trifft. Aber bei uns wird gemeckert, wenn wir nach einem Pressschlag Einwurf für A statt für B geben. Wo ich mir auch mehr Unterstützung wünschen würde, ist der Bereich Neugewinnung und Erhaltung von Schiedsrichtern. Immer wieder bekomme ich als Feedback: „Ach, es war Lehrgang? Hat uns keiner gesagt.“ Und wenn wir ehrlich sind, es gibt sehr viele Wochenenden, wo die Besetzung der Spiele auf Kante genäht ist.

Peine wollte zum Beispiel landesweiter Vorreiter sein und erstmals einen Lehrgang nur für Schiedsrichterinnen anbieten. Es meldeten sich jedoch nicht genügend Mädchen und Frauen an. Mangelte es dort auch an Unterstützung aus den Vereinen oder gab es einfach kein Interesse?
Wenn ich das wüsste...

Was Sie wissen: Im Amateurfußball werden immer mehr Schiedsrichter Opfer von Gewalt. Berlin stand dort zuletzt im Fokus. Im Fußball-Kreis Flensburg gibt es eine bemerkenswerte Initiative, die das Fair-Play fördern soll: Die Kreisliga-Referees zeigen seit dieser Saison keine Eckball- und Einwurfentscheidungen mehr an, das übernehmen die Spieler selbst. Wäre das nicht auch für das Peiner Land eine gute Idee?
Mir würde es schon reichen, wenn sich alle einmal klar machen, dass Schiedsrichter genauso das Recht haben, Fehler zu machen, wie die Spieler auch. Ich mache in jedem Spiel Fehler, aber keinen davon mit Absicht. Wenn dieses Mindestmaß an Respekt vorhanden ist, dann brauchen wir andere Maßnahmen gar nicht. Aber auch bei uns gibt es Initiativen: Unser Jugendausschuss fährt derzeit einen sinnvollen Versuch. Bei den ganz Kleinen, den Bubis, wird in dieser Saison komplett ohne Schiris gespielt.

Undenkbar bei den Erwachsenen. Einen neuen Versuch für den „Runden Tisch“ soll es nun am Donnerstag, 16. Februar, geben. Wen erwarten Sie?
Wir haben jetzt alle Vereine von der Kreisliga bis zur 2. Kreisklasse eingeladen. Ich würde mich freuen, wenn wir das Forum im Gebäude PAZ mit 50 Sitzplätzen voll kriegen. Ich denke dass es sinnvoller ist, zwei Stunden miteinander zu reden, als diverse Spieltage übereinander.

Neuer Termin

Nächster Versuch: Vereinsvertreter der Kreisliga- bis Kreisklassen-Teams sind für Donnerstag, 16. Februar, zu einem Gesprächsabend ins Forum der PAZ, Werderstraße 49, eingeladen. Von 18 bis etwa 21 Uhr soll zum Beispiel darüber diskutiert werden, wie das Klima zwischen Kickern und Schiris verbessert werden kann, aktuelle Re-gelauslegungen werden vorgestellt, aber auch das Thema „Soziale Netzwerke und Schiri-Hetze“ soll angesprochen werden. Es gibt einen Imbiss. Lehrwart Michael Knigge freut sich über Anmeldungen: familie.knigge@paz-online.de.

cm

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