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„Profi-Fußball ist ein Showgeschäft“

„Profi-Fußball ist ein Showgeschäft“

Eigentlich sei er ja schon Rentner, flachst Martin Kind. 66 Jahre alt ist der Präsident von Hannover 96, der allerdings noch so viel Dampf hat wie die Brockenbahn. Martin Kind gibt immer noch Gas – nicht nur im Beruf, sondern auch in seinem Porsche, den er vorm Hotel Schönau in Stederdorf parkte.

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Martin Kind.

Quelle: im

Den Mitgliedern des Peiner Lions Clubs gab er Dienstagabend einen spannenden Einblick in die Welt des Profifußballs. „Ein Fußballverein als Wirtschaftsunternehmen“ lautete das Thema seines Vortrags.

Manche wuppen nicht einmal einen Job. Martin Kind schultert gleich zwei. Er besitzt Deutschlands größten Hörgerätehersteller und leitet die Geschicke eines Fußball-Bundesligisten. „Dass ich ein Unternehmen mit 2300 Mitarbeitern führe, interessiert irgendwie keinen“, bedauert Kind etwas überspitzt. Das Interesse an seinem Amt als 96-Präsident sei um ein Vielfaches größer. „Fußball ist immer ein öffentliches, emotionales Thema, wo jeder meint, etwas dazu sagen zu können. Profi-Fußball ist Showgeschäft“, gibt Kind die Erklärungsversuche gleich mit.

1997 übernahm der Unternehmer aus Großburgwedel den damaligen Drittligisten Hannover 96. Der Klub taumelte, war hochverschuldet. Kind zerlegte die Strukturen und baute den Verein neu auf. Beispielhaft schilderte der Präsident den Weg aus der Krise: der Aufstieg 2002 in die erste Liga, den Umbau und die Übernahme des Stadions, den Einstieg mehrerer regionaler Teilhaber. „Mit TUI und AWD verfügen wir über die längsten Partnerschaften in der Bundesliga. Darauf bin ich stolz“, betont er.

Doch um im Konzert der ganz Großen mitzuspielen, reiche es eben noch nicht. „Nachhaltig im oberen Drittel der Tabelle etablieren können sich nur die Teams ab 100 Millionen Euro Umsatz“, sagt Martin Kind.

Hannover 96 machte zuletzt 53 Millionen Euro Umsatz. Lediglich 20 Prozent der Einnahmen würden noch durch Eintrittsgelder erreicht. 40 Prozent kommen von Werbepartnern, die anderen 40 aus Fernsehgeldern.

Der Präsident nannte weitere imposante Zahlen, um seinen Klub einordnen zu können: Eine Loge bei 96 würde es für 70 000 Euro geben, bei Bayern München nicht unter 100 000 Euro. Für ein Freundschaftsspiel trete Real Madrid erst bei einer Prämie von einer Million Euro an, Hannover 96 nimmt 25 000 Euro für das Sponsoring von sozialen Projekten. Der Umbau zur AWD-Arena kostete 66 Millionen Euro, für die Allianz-Arena in München wurden mehr als 300 Millionen investiert.

Nicht nur diese Zahlen beeindruckten Lions-Präsident Lutz Kuckuck. „Ich fand es sehr wohltuend, mit welch hohem Engagement aber auch wirtschaftlichem Sachverstand Herr Kind die Dinge anpackt“, bilanzierte er.

cm

Sportredakteur Christian Meyer sprach mit dem Klubchef vor dessen Vortrag im Hotel Schönau. Das Interview lesen Sie in der gedruckten Ausgabe.

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