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Mit Maus und Tastatur zum Europameister

Peine Mit Maus und Tastatur zum Europameister

Peine. Thorsten Mohr ist mehrfacher Deutscher Meister und Europameister. Doch wer den Peiner sieht, würde wohl nicht vermuten, dass er Topleistungen im Sport gebracht hätte. Mit herkömmlichem Sport hat die Sportart des 38-Jährigen nicht zu tun, doch die Leidenschaft ist dieselbe. Deshalb ist Mohr um Aufklärung bemüht: Sein Sport gerät immer wieder in Verdacht, Aggressionen zu fördern. "Das ist Quatsch", sagt der Peiner und lächelt - Thorsten Mohr ist E-Sportler.

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Seine Sportgeräte sind nicht Diskus oder Bowlingkugel, sondern Tastatur, Maus und Computer. Der 38-jährige Familienvater ist passionierter und erfolgreicher Computerspieler. Er leitet seit 2010 einen der namhaftesten E-Sport-Vereine Deutschlands, die Playing Ducks. „Zum ersten Mal habe ich etwa im Jahr 2001 bei einem Freund Counterstrike gesehen. Ich fand es spannend und habe es selbst mal ausprobiert - und bin beim E-Sport geblieben“, erinnert sich der IT-Administrator.

Der Anreiz sei derselbe wie im konventionellen Sport, findet der Peiner: „Warum spielt man zum Beispiel Fußball? Um am Ende zu gewinnen. Das gilt auch im E-Sport.“ Gegen die Verteufelung des E-Sports als „Killerspiele“ wehrt sich der 38-Jährige. „Es geht nicht darum, sinnlos Leute zu ermorden. Im Gaming geht es um Gemeinschaft und Konkurrenzsituation, die es auch in anderen Sportvereinen gibt. Computerspielen ist vielfältig, genauso wie die vielen Spieler - die sind nur aufgrund ihres Hobbys keine potenziellen Killer.“ Auch andere Ähnlichkeiten zum Profi-Sport gebe es: „Es gibt schon richtige Fans und weltweite Stars - vor allem in Asien, dem Mutterland des E-Sport.“ Auch Internet-TV-Sendungen über E-Sport, Live-Übertragungen von Spielen und mehr seien an der Tagesordnung.

Dennoch gebe es besonders in Deutschland keine Spieler, die ihren Lebensunterhalt langfristig mit dem E-Sport bestreiten könnten. „Professionalität ist auch bei uns wichtig, es geht auch hier mittlerweile um Sponsorengelder. Aber es ist kein professioneller Sport, da man allein von den Gehältern, die Spielern gezahlt werden, eigentlich nicht leben kann - zumindest in Deutschland. Es ist mehr ein erweitertes Hobby“, findet der Familienvater. Grundsätzlich gelte: „Für mich ist E-Sport vielleicht so sehr ‚richtiger Sport‘ wie Schach oder Dart.“

Auch für den 38-Jährigen, der im Taktik-Shooter Call of Duty mit seiner Mannschaft mehrfacher Deutscher Meister und mit dem deutschen Nationalteam Europameister wurde, ist E-Sport letztendlich „nur“ ein großes Hobby: „An erster Stelle kommt Familie und Job, dann erst Computerspielen.“

Wichtig sei außerdem, dass „Eltern die Zeit, die ihre Kinder am PC spielen, begrenzen“, betont der Peiner. „Ich finde, das sollte nicht länger als drei Stunden täglich sein, sonst bekommt man eine Matschbirne. Aggressiv wird man davon aber wirklich nicht.“

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