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Mit Lack, Toupet und ganz viel Gefühl

Westernreiten Mit Lack, Toupet und ganz viel Gefühl

An „Jacky“ hätten Heidi Klums Make-up-Artisten ihre helle Freude. Es wird gepinselt, gezupft, gedreht, gekämmt und gesprüht was das Zeug hält. Auch zur „Pediküre“ darf die Neunjährige regelmäßig. Ohne glänzend schwarzen Huf-Lack, schick geflochtene Mähne, Toupet im Schweif und Glanz im Fell geht die Stute in keinen Wettkampf.

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Es darf ruhig glitzern: Der Sattel und die Reitstiefel von Westernreiterin Anna Voß sind schick verziert.

So viel Glamour zahlt sich aus: Nicht nur weil ihr Pferd so schön ist, sondern vor allem weil sie so gut reiten kann, hat die 13-jährige Anna Voß aus Eltze jetzt zwei Deutsche Vizemeisterschaften im Westernreiten gewonnen. Das Erstaunliche dabei: Erst seit zwei Jahren trainiert sie mit ihrer fuchsfarbenen Quarterhorse-Stute „Whiz Cody Jack“, die alle im Stall nur liebevoll „Jacky“ rufen.

Das Pferd ist die Gelassenheit in Person. Typisch Westernpferd, die lassen auch schon mal stoisch entspannt einen Hund unterm Bauch durchrennen. „Sie ist aber auch neugierig und ein bisschen skeptisch“, charakterisiert Anna Voß ihr Pferd, das auch ein Feinschmecker ist. Leibspeise: Bananen. Wer im Stall ein Banane isst, weiß, dass mindestens die Hälfte für „Jacky“ reserviert ist.

Mit großen braunen Augen beäugt das Tier Stallbesucher, die es noch nicht kennt. „Wegen der Augen nennen wir Jacky auch unser Rehlein. Auch weil sie so zart ist“, sagt Katja Voß, Annas Mutter. Gemeinsam mit ihrem Mann Martin betreibt sie „Barber´s Home“, die über die Landesgrenzen hinaus bekannte Westernreit-Anlage in Eltze.

Frühaufsteher haben die Nase vorn

Ideale Trainingsbedingungen für Achtklässlerin Anna, die sich nach dem Unterricht an der Realschule Uetze täglich in den Sattel schwingt oder das Pferd gymnastiziert. Im ersten Turnierjahr überhaupt räumte Anna mit „Jacky“ gleich in der Jugendklasse die Landesmeisterschaft in der Disziplin Western Pleasure ab und qualifizierte sich für die Deutschen Meisterschaften im bayrischen Kreuth. Gegen 45 Konkurrentinnen trat sie dort an – und ging ganz entspannt in den Wettkampf.

Denn: „Wir sind da nur mit dem Ziel hingefahren, eine Woche schönen Urlaub zu machen“, schildert Anna. Ihr Motto: Dabeisein ist alles. Doch die 13-Jährige präsentiert ihr Pferd in den drei Gangarten am losen Zügel so fließend rund, dass die Richter begeistert sind. Annas Hilfen mit Fuß und Bein sind so fein, dass sie vom Publikum nicht zu sehen sind. Und „Jacky“ lässt sich von keinem Fotografen oder Zuschauer irritieren.

Und auch etwas anderes trug zum Erfolg bei: Früh aufstehen. Gegen kurz vor 4 Uhr morgens fingen Anna und ihre Familie damit an, ihr Pferd für den Wettkampf zu stylen. „Jacky“ mag das. Sie genießt es, wenn man sie betüdelt. „Das ist die Materialschlacht“, sagt Katja Voß mit einem Augenzwinkern. Auch am Outfit der Westernreiter glitzert und funkelt es nur so. Auf Annas Bluse kleben Strasssteine. „Für einen importierten Cowboy-Hut aus Amerika machen die Reiter schon mal 300 Euro locker“, weiß Mutter Katja Voß. Anna darf im Wettkampf noch keinen Hut tragen, sondern muss aus Sicherheitsgründen mit einer Reit-Kappe (Anna nennt es „Deckel“) antreten. Auch die hat sie mit Strasssteinen verziert.

Zweimal Silber und ein Extra-Schuss Leinöl

Am Ende ist auch ihr Ergebnis in Kreuth glänzend. „Ich habe nicht mal gedacht, dass wir unter die besten 15 kommen und plötzlich standen wir im Finale der besten 8“, betont Anna. Im Einzel ritt sie auf den zweiten Platz und gewann auch noch mit der Landeskader-Mannschaft Niedersachsens Silber. Beide Medaillen hat sie an einen Nagel über ihr Bett gehängt. Mit Stolz. Denn Anna war im Feld eine der jüngsten Reiterinnen, in der Jugendklasse dürfen auch noch 18-Jährige mitmischen.

Für Annas Trainerin Ria Vikum kam der Erfolg hingegen weniger überraschend. „Anna trainiert täglich sehr diszipliniert. Sie hat sich ihr Pferd selber zugeritten und hart gearbeitet. Zwischen den beiden gibt es eine ganz große Vertrautheit“, lobt sie. Und Anna weiß, womit sie „Jacky“ eine Freude machen kann. Für den tollen Auftritt bei der Deutschen Meisterschaft belohnte sie ihr Pferd mit einem stattlich runden Apfel und einem Extra-Schuss Leinöl im Müsli.

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