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Mit Campingstuhl und Zielgenauigkeit

Disc-Golf Mit Campingstuhl und Zielgenauigkeit

Auf dem Groß Ilseder Hüttengelände zielten 30 Disc-Golfer um die Deutsche Meisterschaft.

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Voller Einsatz: Auch Hartmut Wahrmann vom Verein Disc-Golf-Lakers Lünen kämpfte gestern in Groß Ilsede um die Deutsche Meisterschaft mit.

Quelle: Isabell Massel

„Der Name meines Vereins ist Programm“, scherzt Arnold Meier nachdem er seine Disc-Golf-Scheibe gerade mit voller Wucht in eine Dornenhecke gefeuert und sich ob seines Fehlwurfs fassungslos die Hände vor dem Kopf zusammengeschlagen hat. Arnold Meier zielt für die „Scheibensucher Rüsselsheim“. Auch einem der besten Disc-Golfer Deutschlands rutscht eben die Frisbee mal aus der Hand. Auf der Anlage des Ilseder Hüttengeländes warfen gestern rund 30 Starter bei der Deutschen Meisterschaft der Altersklassen Ü40 und Ü50 mit und staunten über einen beeindruckenden Parcours.

Die Frisbee-Scheibe zischt knapp unter dem rostigen Stahl-Rohr hindurch, durch das vor Jahren Kühlwasser für die Stahl-Produktion in der Ilseder Hütte geleitet wurde. „Ich bin ganz begeistert von dem Parcours“, sagt der Hesse Arnold Meier. Auf der Anlage auf dem Hochofen-Plateau ist die Industrie-Geschichte noch zu spüren. Mehr noch: Rohre oder Eindicker-Becken sind geschickt als Hindernisse in die Anlage integriert. „Das erfordert eine höhere Konzentration als auf anderen Anlagen“, sagt Meier und verweist darauf, dass es in seinem Sport eben nicht nur darauf ankommt weit, sondern auch präzise zu werfen.

Mit einem Campingstuhl unter den Armen und einer Tasche mit mehr als einem Dutzend verschiedener Frisbee-Scheiben machten sich die Disc-Golf-Könner gestern gleich zweimal auf die 18-Körbe-Runde. Mehr als zwei Stunden benötigten sie dafür jeweils. Distanzen zwischen 40 und 200 Meter mussten sie werfend überwinden und ihr Sportgerät dabei über Bäume und mitten durch Skulpturen hindurch in einen Metall-Korb putten. Weite Distanzen werden mit Scheiben absolviert, die rund 180 Gramm wiegen. Muss bergauf geworfen werden, fliegen leichtere Spielgeräte besser. Und etwas stumpfere Scheiben haben die Profis im Gepäck, falls der Untergrund mal ziemlich feucht ist. Wenn zum Beispiel ein See als Hindernis hinter dem Korb ist, „will man ja nicht, dass die Scheibe noch weit auf dem Boden langgleitet“, erläutert Meier.

Apropos Untergrund: Den in Ilsede lobten die DM-Starter. „Respekt, dass die Gemeinde hier offenbar vorher noch gemäht hat“, freut sich Meier. Da gebe es auch genügend andere Beispiele. Viele Disc-Golfer trugen deshalb vorsichtshalber Wanderstiefel.

Perfekt sei auch das Wetter gewesen. Disc-Golfer mögen es windstill. Dann fliegt ihr Sportgerät am berechenbarsten, betont Martin Zierke. „Der Flug der Scheibe ist das Schönste. Wenn es mit der Flugbahn klappt, die man sich ausgerechnet hat, ist das ein wunderschönes Gefühl“, beschreibt der Disc-Golfer aus Lünen in Nordrhein-Westfalen den Reiz seiner Sportart.

Eine der weitesten Anreisen hatte Ewald Tkocz. 520 Kilometer war er mit dem Auto aus dem baden-württembergischen Geislingen an der Steige nach Groß Ilsede gefahren. „Für die Deutschen Meisterschaften muss man sich extra Urlaub nehmen“, sagt er. Doch das habe sich gelohnt. Mit seinem Ergebnis von 63 Würfen in der ersten Runde war er zufrieden - auch wenn der Titel damit nicht zu holen war. Bei der Weitwurf-Meisterschaft in Wolfenbüttel tags zuvor hatte er sich in der Ü50 zudem die Silbermedaille geholt. 101,06 Meter weit katapultierte er seine Frisbee.

Christian Meyer

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