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Mainka kriegt Zwillinge

Fußball Mainka kriegt Zwillinge

Den Kaffee trinken beide schwarz, sie freuen sich gemeinsam über den Aufstieg von Eintracht Braunschweig, der Freundeskreis ist nahezu identisch, aber gleiche Klamotten tragen sie nie. Die Zwillinge Thorsten und Thomas Erich haben 21 Jahre lang ihre Tore für den TSV Edemissen geschossen.

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Wer ist wer? Da sind auch die Verteidiger der Kreisliga oft durcheinander gekommen. Thorsten Erich (links) führte den TSV Edemissen als Kapitän aufs Feld und stürmte dort zusammen mit Bruder Thomas. Beruflich gehen die beiden getrennte Wege: Thorsten ist Industrie-Mechaniker, Thomas Kfz-Mechatroniker.rb

Quelle: rb

Noch nie haben sie für einen anderen Verein gespielt, doch nun schlagen sie ein neues Fußball-Kapital auf. Gestern gaben sie ihre Pässe beim Bezirksligisten TSV Wendezelle ab. PAZ-Sportredakteur Christian Meyer hat sich mit den 27-Jährigen über bittere Niederlagen, Verwechslungsgefahr und Trainer-Anrufe unterhalten.

Thorsten, Thomas, ein paar Tage sind seit der unglücklichen Kreispokal-Final-Niederlage bereits vergangen. Können Sie wieder besser schlafen?

Thorsten: Na ja, es war schon ziemlich hart. Ich habe mich nach dem Spiel gefühlt, als hätte man mir die Beine vom Boden gezogen.

Thomas: Wir wollten uns schließlich mit einem Erfolg verabschieden, dann hätten wir beruhigter nach Wendezelle wechseln können. Und ehrlich gesagt: Ich hätte lieber klar verloren, als so.

Keeper Dennis Hennigs war der große Pechvogel als er im Elfmeterschießen für ihr Team übers Tor schoss. War er überhaupt zu trösten?

Thorsten: Dennis hat es äußerlich zwar locker genommen, aber ich bin mir sicher, er hat sich die Sache sehr zu Herzen genommen. Er war richtig heiß und wollte sich ebenfalls mit dem Kreispokal-Gewinn wieder in die Fußball-Rente verabschieden. In der Kabine hat er zumindest noch reichlich Streicheleinheiten bekommen. Er hat schließlich super gehalten und wäre beinahe zum Pokalhelden geworden.

Thomas: Ohnehin waren unsere Fans bombe. Wir wurden anschließend noch gebührend im Sportheim verabschiedet. Da ist man dann nicht mehr ganz so deprimiert.

Mit dem Kreispokal-Finale endete auch eine Ära: Nach 21 Jahren als Fußballer für den TSV Edemissen werden Sie gemeinsam ihren Heimatklub verlassen und zum Bezirksligisten TSV Wendezelle wechseln. Sie hatten schon mehrmals Angebote, die Sie ausschlugen. Wie schwer haben Sie sich die Entscheidung gemacht?

Thorsten: Ich habe einige schlaflose Nächte verbracht. Seit meinem sechsten Lebensjahr spiele ich schließlich für Edemissen. Das ist ein großer Schritt, Edemissen ist mein Heimatort, dort habe ich meine Freunde und bin in der Junggesellschaft.

Thorsten: Auch mir ist es ziemlich schwer gefallen. Ob Bezirksoberliga-Aufstieg oder Bezirksliga-Abstieg - wir haben alle Höhen und Tiefen mit dem TSV mitgemacht. Aber jetzt wollen wir uns halt noch einmal in der Bezirksliga beweisen. Wenn wir aber eine Chance gesehen hätten, bald wieder mit Edemissen aufzusteigen, wären wir vermutlich geblieben.

Was werden Sie aus Edemissener Zeiten am meisten vermissen?

Thorsten: Die tolle Gemeinschaft in der Truppe.

Thorsten: Auch das Umfeld und die Fans. Unsere ganze Familie hat bei Heimspielen zugeschaut.

Denen hat der Wechsel sicherlich nicht so geschmeckt...

Thomas: Unser Onkel Ralf Poersch war nicht gerade begeistert.

Wendezelles Trainer Thomas Mainka freut sich auf Sie auch wegen Ihrer Schnelligkeit. Wer sprintet eigentlich von Ihnen die 100 Meter schneller?

Thorsten: So genau wissen wir das gar nicht. In der Vorbereitung ist mir aufgefallen, dass ich leichte Vorteile in der Ausdauer habe und Thomas im Antritt. Er ist ja auch vier Kilo leichter und fünf Zentimeter kleiner.

Sie laufen nicht nur fast gleichschnell, als Zwillinge sehen Sie sich auch verdammt ähnlich. Wie oft hat Trainer Reinhold Düsterhöf Sie in dieser Saison eigentlich verwechselt?

Thomas: Am Anfang noch ziemlich oft, doch dann hat er es schnell drauf gehabt. Bei Ex-Trainer Helmut Kaub hat es etwas länger gedauert.

Geben Sie ihren neuen Teamkameraden doch schon mal einen Tipp: Wie sind Sie äußerlich am besten zu unterscheiden?

Thorsten: Mein Bruder hat ein etwas schmaleres Gesicht und ich meist etwas längere Haare.

Mal abgesehen von den Haaren - was ist der größte Unterschied zwischen Ihnen?

Thorsten: Thomas kann schneller auf Leute zugehen. Und auf dem Platz bin ich ein wenig ballverliebter und gehe öfter ins Dribbling. Thomas ist noch kämpferischer.

In Punktspielen haben Sie immer miteinander gespielt, im Training aber sicherlich auch gegeneinander. Sind kleine Fouls unter Zwillingen eigentlich gestattet?

Thomas: Na klar, da kann es schonmal härter zur Sache gehen. Wenn wir gegeneinander spielen, will sich jeder besonders beweisen, wir schaukeln uns gegenseitig hoch.

Thorsten hat in dieser Saison fünf Tore mehr geschossen als Sie. Wurmt so etwas den Zwillingsbruder?

Thomas: Ein bisschen ärgert mich das schon. Allerdings aus einem anderen Grund. Einige Male haben die Betreuer des Gegners den falschen Torschützen bei der Zeitung durchgegeben, weil sie uns wohl nicht unterscheiden konnten.

Thorsten: Das stimmt. Eigentlich müssten wir beide auf 16 Tore gekommen sein.

Gelingt Ihnen das auch in Wendezelle, dürfte Trainer Thomas Mainka zufrieden sein. Was haben Sie sich mit dem TSV vorgenommen?

Thorsten: Ich strebe mit der Truppe einen einstelligen Platz an. Vor allem wenn Steven Allerkamp bleiben und doch nicht zum MTV Gifhorn wechseln würde, halte ich das für möglich.

Thorsten: Abstiegskampf in der Bezirksliga haben wir mit Edemissen schließlich schon genug gehabt. Wir haben bereits in Wendezelle trainiert, das ist echt eine eingeschworene Truppe.

Und die Motivationskünste von Trainer Thomas Mainka sind berüchtigt.

Thorsten: Sven Siedentop hat uns schon ein bisschen verraten. Wir freuen uns drauf. Wer eine Mannschaft, die schon abgeschrieben war, so motivieren kann, dass sie den nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt schafft, muss etwas auf dem Kasten haben.

Wie es sich für Zwillinge gehört, wechseln Sie gemeinsam. Gibt es Sie eigentlich nur im Doppelpack?

Thorsten: Nö, nicht unbedingt. Es hat aber Vorteile: Wir kennen unsere Laufwege und können gemeinsam zum Training fahren. Aber es war schon lustig, immer wenn ein Trainer von einem anderen Verein angerufen hat, war die erste Frage: Na, wisst ihr beiden denn schon, was ihr nächste Saison macht?

Nächste Saison ist ein gutes Stichwort: Was trauen Sie denn ihrem Heimatverein Edemissen in der Kreisliga zu?

Thorsten: Das ist schwer einzuschätzen, aber in den Härke-Pokal wird die Mannschaft einziehen.

Thomas: Und auf jeden Fall den Gemeindepokal gewinnen.

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