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Kugel weggeworfen, Bob-WM-Gold geholt

Adenstedter Zehnkämpfer wechselte die Sportart Kugel weggeworfen, Bob-WM-Gold geholt

Seinen Zehnkampf-Frust hat Thorsten Margis im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis gelegt. Der U20-WM-Vierte aus Adenstedt hat die Sportart gewechselt. Statt die Eisenkugel zu stoßen oder über Hürden zu sprinten, schiebt er nun einen Viererbob an.

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So sehen Sieger aus: Die Goldcrew mit (von links) Francesco Friedrich, Thorsten Margis, Gino Gerhardi und Paul Florian Kunze.

Quelle: BSD

Seine Karriere verläuft dabei so rasant wie die Abfahrt im Eiskanal. Der 23-Jährige feierte mit dem Team von Pilot Francesco Friedrich gerade die Junioren-Weltmeisterschaft und dürfte damit schon jetzt Peines erfolgreichster Wintersportler aller Zeiten sein.

Ein Kurven-Feuerwerk bei Tempo 130 kann im menschlichen Gehirn schon mal ein kleines Daten-Chaos auslösen. An seine erste Fahrt in einem Bob im vergangenen Jahr kann sich Thorsten Margis dennoch gut erinnern: „Das war wie Achterbahnfahren, nur noch viel besser. Die Kräfte die da auf einen einwirken, das ist die pure Gewalt.“ Der Hintern spürt jeden Schlag im Eiskanal, da hilft auch kaum der Schaumstoff-Fetzen, den sich einige Bobfahrer auf ihren Sitz kleben.

Damit die Bobschlitten auf ihren Kufen überhaupt so blitzschnell übers Eis donnern können, benötigen die Piloten starke und schnelle Anschieber. Deshalb werben sie um Footballer, Sprinter oder Mehrkämpfer. So klingelte eines Tages auch das Telefon bei Zehnkämpfer Thorsten Margis, der nicht nur wegen seiner Kraft und Schnelligkeit gefragt war sondern auch wegen des Gesetzes der Schwerkraft. Bei Modellathlet Margis verteilen sich 100 Kilo auf 1,92 Meter Körpergröße. Und Masse macht nunmal bergab Tempo. „Als die Anfrage kam, war ich noch sehr skeptisch, Ich konnte mir nicht vorstellen, vom Zehnkampf wegzugehen“, erinnert er sich.

Dann folgte seine appetitanregende erste Bob-Fahrt und eine durchwachsene Leichtathletik-Saison des U20-WM-Vierten, der 2011 sogar noch einmal beim internationalen Thorpe Cup im Deutschland-Trikot hatte starten dürfen. „Mich hat die Realität eingeholt. Im Training lief es immer besser als im Wettkampf, das war frustrierend. Ich war es leid, so viel dafür zu investieren, dass es dann doch nicht läuft“, erläutert Margis seinen endgültigen Wechsel in den Bobsport.

In eine Wintersport-Hochburg ziehen muss er deshalb aber nicht. Margis, der 2009 wegen eines Studien-Angebots eines Energieversorgers von der LG Peiner Land nach Sachsen-Anhalt gewechselt war, wird in Halle wohnen bleiben und darf als Nationalkaderathlet weiter am Olympia-Stützpunkt trainieren. Mit seiner alten Trainingsgruppe. Unterstützt wird Margis von seinem Leichtathletik-Trainer Wolfgang Kühne, dessen Sohn Marc selber vom Zehnkämpfer zu einem erfolgreichen Bob-Anschieber mit Olympia-Start wurde.

Krafttraining, Sprints - was ein guter Anschieber zum Training braucht, findet er in Sporthallen und nicht im Schnee. „Es gibt aber auch eigene Anschubstrecken in Winterberg oder Ohof. Da treffen wir uns dann auch zum Training“, erläutert Margis, der kurz nach Weihnachten seine Ausbildung zum Elektroniker Betriebstechnik abschließen wird. In Halle fühlt er sich wohl, hat mit seiner Freundin eine gemeinsame Wohnung bezogen.

Eine Niederlage bezogen die Gegner der Crew um Pilot Francesco Friedrich und Anschieber Thorsten Margis bei der Junioren-Weltmeisterschaft im österreichischen Igls. Was der Adenstedter im Zehnkampf noch verfehlte, holte er jetzt nach: WM-Gold. Zur Belohnung darf die Junioren-Crew bei der Weltmeisterschaft der Senioren Ende Januar in St. Moritz starten. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Deutsche im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 hinter uns zu lassen. Wir wollen zeigen, dass wir da sind“, sagt Margis. Der Traum einer Olympia-Teilnahme - der Adenstedter darf ihn wieder träumen.

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