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Kommers statt Viertelfinale

Freischießen und Fußball Kommers statt Viertelfinale

Wenn heute Deutschland und Italien um den Einzug ins Halbfinale der EM kämpfen, ist es eine Begegnung zweier traditionsreicher Teams. Noch mehr Tradition hat das Peiner Freischießen. Daher wollen sich die meisten Korporationen ihren zeitgleich stattfindenden Kommers nicht vom Fußball stören lassen.

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„Wir machen ganz normal unser Programm“, kündigt Stefan Eßmann, Hauptmann im Neuen Bürger Corps an. „Wir haben sieben Neuaufnahmen, die freuen sich darauf. Und es gibt wichtige Ehrungen für 50 und 60 Jahre Mitgliedschaft.“ Deshalb werde kein Fernseher in einer Ecke oder sonstwo im Saal stehen.

Eßmann ist klar, dass nicht alle Neuen Bürger den Abend völlig fußballabstinent verbringen werden. „Vielleicht läuft hier oder da ein Handy, vielleicht kommen einige auch gar nicht. Aber das müssen sie mit sich selbst ausmachen, ob sie zur Tradition stehen oder nicht.“

Ein Verschieben des Kommerses zugunsten des Fußballs ist nicht möglich. Der Termin um 19.45 Uhr zur Meldung auf dem historischen Marktplatz steht fest, anschließend geht es für die meisten Korporationen zum Kommers (Korporationen und Spielleute melden ab 19.45 Uhr den erfolgreichen Vollzug des Auftrags, den Honoratioren der Stadt Ständchen zu bringen).

„Bei einige Veranstaltungen kann man zeitlich flexibel sein. Beim Kommers aber nicht“, sagt Andreas Höver, Hauptmann der Schützengilde. „Gedenken an unsere verstorbenen Schützenbrüder, Ehrungen für langjährige Treue, die traditionellen Reden und natürlich auch die Vereidigung unserer Rekruten: Dies sind elementar wichtige Bestandteile, welche wir weder kürzen, verlegen oder gar ausfallen lassen können.“ Den Beginn dieser zentralen Veranstaltung auf eine Zeit nach dem Spiel zu verlegen, funktioniere nicht. „Wir wissen ja nicht, ob es Verlängerung und vielleicht noch Elfmeterschießen gibt. Auch so dauert der Kommers bis 0.30 oder 1 Uhr. Würde die Korporation den Beginn auf 23 Uhr verlegen - was auch noch zu früh sein könnte -, würde er bis 3 Uhr morgens dauern.“

„Für die meisten ist das Ergebnis wichtig, und das werden sie erfahren.“ Hardcore-Fußballfans würde man ohnehin nicht mit einer Übertragung am Rande des Kommerses erreichen, meint Höver.

Auch beim Bürger-Jäger-Corps läuft alles wie gewohnt. „Es schlagen in dieser Frage durchaus zwei Herzen in meiner Brust“, sagt Hauptmann Christopher Selle, der St.-Pauli-Fan ist und eine Dauerkarte für das Millerntor-Stadion hat. „Aber wir können uns da nicht verbiegen. Für unsere zehn neuen Rekruten wäre es ein schlechter Einstieg, wenn bei der Aufnahme nicht ihnen die Aufmerksamkeit gilt. Darüber gab es bei uns auch keine Diskussionen.“

Fein raus sind die Korporationen, deren Kommers nicht mit dem Viertelfinal-Termin kollidiert. Dazu gehört auch der TSV Bildung, obwohl die Proklamation von „Kleinem König“ und „Toller Biene“ ebenfalls nach der Meldung auf dem historischen Markt erfolgen soll. Bei Bildung ist die Veranstaltung allerdings nicht so festlich angelegt, wie bei den Bürgerkorporationen. „Wir werden alles so verkürzen, dass um 21 Uhr Fußball geguckt werden kann“, sagt Hauptmann Rüdiger Kreis. „Das haben wir im Kollegium kontrovers diskutiert, aber die Mehrheit sprach sich für Fußball aus. Den Fans könnten wir das nicht antun. Selbst meine 82-jährige Schwiegermutter interessiert sich ja mittlerweile für Fußball.“ Sollte im Kommers-Programm etwas nicht bis 21 Uhr erledigt werden können, soll es auf andere Veranstaltungen verschoben werden.

Stefan Eßmann sieht die heutige Fußball-Abstinenz nur als kleines Opfer an. „Zum Endspiel treffen wir uns dann alle wieder“, sagt er in der Hoffnung, dass dann auch die deutsche Nationalmannschaft noch dabei sein wird. Das Finale ist am 10. Juli, und dieser Termin kollidiert auf keinen Fall mit dem Freischießen. Das ist dann vorbei.

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