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Kaiser: „Tore waren nicht so meine Sache“

Fußballer-Interview Kaiser: „Tore waren nicht so meine Sache“

Nummer 6 geht! Vor zwei Wochen feierte Marko Kaiser seinen 35. Geburtstag. Für das Testspiel des Landesliga-Aufsteigers SV Lengede am Sonntag gegen die Freien Turner Braunschweig II wird er seine Fußball-Stiefel nicht mehr schnüren.

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Zwischen diesen beiden Fotos liegen 15 Jahre und ein paar graue Haare: Marko Kaiser im Trikot des SV Lengede (gr. Bild) und im Vöhrumer Dress in der Landesliga im Jahr 2000. 

Quelle: im/sd

Der Vöhrumer, einer der erfolgreichsten Peiner Fußballer der vergangenen Jahre, hat sich nach der Sahnehäubchen-Saison mit PAZ-Cup-Sieg, Härke-Pokal-Triumph und Bezirksliga-Meisterschaft dazu entschieden, in die Alten Herren des Vereins zu wechseln. PAZ-Sportredakteur Christian Meyer sprach mit dem gelernten Bankkaufmann und jetzigen Controller zum Abschied über alte Zeiten, Beinschüsse, und einen Elfmeter, der im Nachthimmel verschwand.

Marko, Dienstag sind Lengedes Landesliga-Fußballer in die Saison-Vorbereitung gestartet - ohne Sie. Wie schön ist es, nicht mehr am Lengeder Seilbahnberg Konditionseinheiten bolzen zu müssen?
Den Teil der Saisonvorbereitung werde ich definitiv nicht vermissen. Da habe auch ich mich nur durchgebissen. Doch für einen Fußballer ist Fitness nunmal wichtig, und es macht doch viel mehr Spaß, wenn man auf dem Platz merkt, dass einem nicht mehr so schnell die Luft ausgeht.

Mal abgesehen von Steigerungs- und Ausdauerläufen: Wie schwer ist es Ihnen gerade nach dem geschafften Aufstieg in die Landesliga gefallen, sich in die Alten Herren zu verabschieden?
Der Entschluss kam ja nicht spontan, er ist ein bis zwei Jahre in mir gewachsen. Und diese Saison mit den vielen Titeln wie PAZ-Cup, Härke-Pokal und Bezirksliga-Meisterschaft war dann einfach der perfekte Abschluss für mich. Trotzdem war es nicht einfach, zu sagen: Jetzt ist Schluss. Als die Jungs bei der Saisonabschlussfeiern gesungen haben, hatte ich schon ein paar Tränen in den Augen.

Wer führt denn nun eigentlich die Mannschaftskasse in der 1. Herren?
Matthias Nickel, das ist ein cleverer Bursche, er studiert Wirtschaftswissenschaften und kann mit Zahlen umgehen und ist absolut vertrauenswürdig, schließlich sind zwischendurch schon mal ordentliche Summen drin. Ich bin mir sicher: Auch er wird mit dem Geld nicht an der Börse spekulieren gehen.

Es kursierten Gerüchte, Sie würden noch einmal in die Kreisliga zu ihrem Heimatklub Arminia Vöhrum wechseln.
Die sind vielleicht aufgekommen, weil der Sportplatz direkt vor meiner Haustür liegt. Auch das hätte ich mir tatsächlich vorstellen können. Aber mit Lengedes Alter Herren haben wir uns für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert, so ein Event erlebt man nicht alle Tage und das möchte ich gerne mitnehmen. Vielleicht können wir den einen oder anderen großen Verein ja sogar ärgern. Ich freue mich auf die Alte Herren, das ist ein tolle Truppe. Einmal die Woche wird trainiert, da möchte ich schon noch möglichst dabei sein.

In Vöhrum begann einst Ihre höherklassige Laufbahn. Erinnern Sie sich noch an die erste Trainingseinheit als Youngster mit dem Herren-Landesligisten?
Michael Stark war Trainer und wir durften als älterer A-Jugend-Jahrgang mittrainieren. Das war eine große Umstellung für mich, körperlich ging es ganz anders zur Sache. Und wie sich das gehört: Wir Youngster haben die Tore getragen und mussten beim Gammeleck in die Mitte. Die Trappe-Brüder haben damals noch gespielt, Charly Ahrens oder Achim Unger - zu denen habe ich aufgeguckt.

Jetzt können Sie es ja verraten: Wie oft hat Jochen Brandes Sie im Trainingsspielchen getunnelt?
Das machte er ja gerne, und ich muss zugegeben, es war so oft, dass ich nicht mitgezählt habe. Da waren allerdings einige abgezockte Spieler im Team. Ich bin ja eher nicht dafür bekannt, 18 Übersteiger hintereinander zu machen, künstlerisch bin ich nicht so begabt. Im Training haben früher viele versucht, den Okocha-Trick nachzuahmen, dieser Firlefanz war mir nicht wichtig. Ich war dafür in der Defensive, im Zweikampf-Verhalten und läuferisch ganz gut aufgestellt. Nur Tore zu erzielen, das war leider nicht so meine Sache: ein bis zwei sind es pro Saison nur gewesen.

Sie haben für Vöhrum, Vallstedt, Woltorf, Edemissen und Lengede die Fußball-Stiefel geschnürt und einiges erlebt, aber was war Ihr schönstes Fußball-Erlebnis?
Es gab viele schöne Momente, denn zum Glück durfte ich viele Feste beim Fußball feiern. Doch ein ganz besonderes war der PAZ-Cup-Sieg 2013 mit dem SV Lengede, obwohl ich in der Endrunde zugucken musste, weil ich mich in der Vorrunde verletzt hatte. Vallstedt und der VfB Peine mit Ersin Arayici oder Dario Cendamo waren die großen Favoriten, weil sie eine starke Vorrunde gespielt haben. Aus der Not heraus hat unser Trainer Christian Gleich dann Dennis Mansfeld nach einer Knie-Verletzung reaktiviert und ihn als mitstürmenden Torwart agieren lassen. Das ging im ersten Spiel zwar schief, aber am Ende haben wir tatsächlich gewonnen. Darüber habe ich mich mega gefreut.

Und Ihr bitterster Moment?
Das Härke-Pokal-Finale 2011 gegen den TSV Dungelbeck. Es ging ins Elfmeterschießen und ich habe den entscheidenden verschossen. So etwas kann ja passieren, aber wie es passiert ist, das war schon extrem ärgerlich. Ich weiß nicht, ob ich vielleicht ausgerutscht bin, auf jeden Fall haben nur ein paar Zentimeter gefehlt, dann hätte ich den Ball sogar über den Fangzaun gejagt. Und das vor einer Riesen-Zuschauer-Kulisse.

Sie hatten viele Teamkollegen, aber wer war der stärkste Fußballer, mit dem Sie je zusammenspielen durften?
Andreas Trappe. Er war ein echtes Vorbild für mich bei Arminia Vöhrum. Er war torgefährlich, läuferisch und technisch stark. Ein kompletter Fußballer. Vallstedt war sicherlich die stärkste Mannschaft in der ich spielen durfte. Matthias Steinert hat da einen Mega-Zehner gegeben, der war richtig viel unterwegs und hat tolle Pässe gespielt, und so einen Top-Stürmer wie Michael Nietz habe ich danach auch nicht mehr erlebt.

Sie haben einige Typen erlebt: Was ist der größte Unterschied zwischen der heutigen Generation und älteren Fußballern?
Früher wurde nach dem Training noch mehr in der Kabine geschnackt, der Fußball stand mehr im Mittelpunkt. Heute haben die Jungs viel mehr Alternativen. Zum Glück gibt es in Lengede eine Kabine mit Kicker-Tisch und Dart-Scheibe, auch so etwas ist wichtig für Teamgeist und Zusammenhalt.

Heute schnacken Fußballer ja vor allem über Facebook.
Das ist nix für mich, da bin ich nicht dabei. Manchmal habe ich ja sogar das Gefühl, der eine oder andere Spieler würde am liebsten noch auf dem Spielfeld auf sein Handy gucken.

Bei so viel Erfahrung: Könnten Sie sich vorstellen, mal Trainer zu werden?
Das kann schon sein, aber im Moment ist das kein Thema.

Ich nehme an, Sie wollen fortan etwas mehr Freizeit genießen. Wobei entspannt Marko Kaiser?
Ich habe jetzt endlich mehr Zeit für die Familie. Vor zwei Jahren ist unser Sohn Nico geboren worden. Er ist sehr neugierig, ich freue mich darauf, ihm die Welt zu zeigen.

Werden Sie denn mal ein Landesliga-Spiel des SVL besuchen?
So viele wie möglich. Ich hoffe, dass die Mannschaft gut in die Saison kommt, das wird nicht unwichtig sein. Es wird viel mehr Spiele auf Augenhöhe geben. Doch ich bin optimistisch, dass die Jungs den Klassenerhalt schaffen. Das ist eine gute Truppe und wenn sie dann noch den Makel beseitigt, dass sie eigentlich keinen richtigen Knipser im Sturm hat, wird das schon.

Und wenn Christian Gleich Sie anruft, weil er Not am Mann im defensiven Mittelfeld oder auf der Außenverteidigerposition hat, was werden Sie ihm antworten?
Wann ist Treffpunkt?

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